Vielleicht erwartet man ein wenig zu viel vom neuen Peugeot 508. Gleich zwei Baureihen (407 und 607) soll er ersetzen, eine neue Designära der Löwen-Marke einläuten. Und dazu am besten gleich noch die deutsche Mittelklasse-Konkurrenz im Vergleichstest wegbügeln. Die tritt in diesem Vergleich als VW Passat 1.6 TDI BlueMotion Technology an. 105 PS stark und nur 1598 cm³ groß, ist der neue kleine Diesel die sparsamste Alternative im gut bestückten Passat-Motorenprogramm. Dieser Motor, so sagt es die Preisliste, ist nur mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe verfügbar. Genauso viele Auswahlmöglichkeiten hat der Peugeot-Kunde: Er kann die Öko-Variante des 1,6-Liter-Diesels, den e-HDi mit Start-Stopp-System, nur mit dem automatisierten Sechsganggetriebe EGS6 erwerben.

Überblick: Alle News und Tests zum VW Passat

Eines vorweg: Sparen können beide prima. 4,4 Liter Diesel und 115 Gramm CO2 attestiert die ECE-Norm dem 508, ein Hauch weniger ist es mit 4,3 Litern und 114 Gramm Kohlendioxid beim Passat 1.6. Auf der AUTO BILD-Normrunde begnügten sich beide Limousinen mit 5,3 Litern, was einem Kohlendioxid-Ausstoß von 140 g/km entspricht. Keine Fabelwerte, jedoch für ausgewachsene Limousinen mit fünf Sitzplätzen und jeweils rund 1,5 Tonnen Gewicht sehr beachtlich. Mehr Freude allerdings kommt beim Sparen im VW auf – trotz seines überlang ausgelegten Getriebes. Selbst im fünften Gang bleibt der Motor beim Autobahn-Höchsttempo fast 1000 Umdrehungen unter der Nenndrehzahl, der sechste wird somit zum Autobahn-Bergabgang degradiert. Das ist jedoch immer noch besser als die automatisierte Peugeot-Sechsgangbox. Die sorgt mit langen Schaltpausen und nicht vorhersehbaren automatischen Gangwechseln für Verdruss – was wieder zeigt, dass ein Doppelkupplungsgetriebe oder eine Wandlerautomatik die viel besseren Lösungen wären.

Überblick: Alle News und Tests zum Peugeot 508

Schade, zumal der kleine Diesel im großen Peugeot ansonsten gefallen kann. Er ist nicht nur leiser und laufruhiger als sein VW-Pendant, sondern bietet zudem die besseren Fahrleistungen. So nimmt der 508 dem Passat in der Elastizitätsmessung von 80 bis 120 km/h im fünften Gang vier Sekunden ab. Das sind Welten. Über eine Start-Stopp-Funktion verfügen beide Spar-Diesel, wobei die im 508 mitunter etwas nervt. Sie stellt so eilfertig das Triebwerk ab, dass beim Rangieren bei jedem Wechsel zwischen Vor- und Rückwärtsgang neu gestartet wird. Solche Probleme hat der Passat-Pilot nicht. Solange die Kupplung ausgerückt ist, bleibt der Motor an. Immerhin hält die Peugeot-Preisliste eine Alternative parat: Ohne Start-Stopp und mit manuellem Fünfganggetriebe ist der 110 FAP sogar 1000 Euro billiger. Mehr Spaß bereitet der Peugeot bei schneller Kurvenfahrt. Dank der straffen Grundabstimmung lenkt er behende ein und lässt sich auch durch provozierte Lastwechsel kaum aus der Ruhe bringen. Der Preis für das agile Handling ist der recht bescheidene Federungskomfort. Kurze Unebenheiten nimmt der 508 steifbeinig, große Wellen mit deutlichen Karosseriebewegungen.
Eine Sänfte alter französischer Schule ist der neue Mittelklasse-Peugeot jedenfalls nicht. All das kann der Passat wesentlich besser. Vor allem mit dem optionalen adaptiven DCC-Fahrwerk (1070 Euro) bügelt er üble Nebenstrecken und fiese Autobahnfugen glatt, ohne deswegen schaukelig zu wirken. In einer weiteren Paradedisziplin des VW, dem Raumangebot, spielt der Peugeot auf Augenhöhe. Selbst im Fond genießen die 508-Insassen ähnlich viel Platz wie im bekannt großzügigen Passat. Wäre da nur nicht das bescheidenere Raumgefühl: Auf den vorderen Plätzen bedrängen die Mittelkonsole und die überbreiten B-Säulen die Passagiere, hinten lassen die kleineren Seitenfenster nur wenig Licht ins Interieur. Fast Gleichstand auch bei der Größe der Gepäckabteile. Jeweils gut über 500 Liter dürften für die meisten Ansprüche reichen. Nachteilig am Peugeot: Die Kofferraumklappe gibt nur eine recht kleine Ladeluke frei.

Einparkhilfen gehören bei beiden zu den empfehlenswerten Extras

Peugeot 508 e-HDi 110 FAP VW Passat 11.6 TDI BMT
Wenig Rücksicht: Sowohl 508 als auch Passat sind nach hinten schwer abzuschätzen.
Bild: Sven Krieger
Eher bescheiden geriet die Übersichtlichkeit des 508. Vor allem die Sicht nach hinten ist stark eingeschränkt. Das ist im Passat ein wenig besser, selbst wenn die Stufenheck-Version des Wolfsburgers ebenfalls kein beispielhaft übersichtliches Auto ist. Einparkhilfen hinten zählen in beiden Fällen zu den empfehlenswerten Extras. Das kostet beim 508 Access 350 Euro und ist ab Allure Serie. Im Passat gehören die Piepser vorn und hinten ab Comfortline zur Serienausstattung. Und wenn wir schon dabei sind, reden wir also übers Geld: Den 508 HDi 110 mit Start-Stopp und EGS-Schaltbox gibt es ab 24.950 Euro. Beim Passat beginnt die Preisliste bei 26.225 Euro für den 1.6 TDI BlueMotion Technology. Als Comfortline, wie im Test, ist er ab 28.300 Euro zu haben.
Der Preisvorteil des 508 ist schnell dahin, wenn er auf das Ausstattungsniveau eines Passat Comfortline gehievt wird. Viele Features werden nur in teuren Paketen angeboten oder sind erst gar nicht erhältlich, wie etwa die Müdigkeitserkennung (Serie ab Comfortline) oder die automatische Distanzregelung ACC (1195 Euro) des Wolfsburgers. Bleibt die Gretchenfrage nach der Verarbeitungsqualität. Da hat Peugeot mit dem 508 ein Stück aufgeholt. Fast alles wirkt solide und sauber zusammengesteckt. Kleine Mängel zeigen sich im Detail, etwa in spürbaren Gusskanten am Lenkrad. Ganz perfekt ist er also noch nicht, der neue Peugeot.

Fazit

von Heinrich Lingner
VW stellt in diesem Vergleich die bessere Familienlimousine. Doch so viel schlechter schneidet der Peugeot 508 nicht ab. Der ebenso sparsame wie leise und kultivierte Dieselmotor überzeugt, enttäuschend ist der Federungskomfort. Der VW Passat erlaubt sich dagegen keine echte Schwäche.