VW Up gegen VW Lupo: Vergleich — 10.11.2011

Wer sieht hier alt aus?

Zwischen dem neuen VW Up und seinem Vorvorgänger Lupo liegen zehn Jahre und 10.000 Euro. AUTO BILD vergleicht sie trotzdem – mit überraschendem Ergebnis.

Nein, diesen Vergleich werden sie bei Volkswagen nicht mögen. Denn geht es nach der VW-Chefetage, ist der neue Up in seiner Klasse "unique" – also einzigartig. Ist er nicht. Bereits 1998 hatte VW mit dem Lupo einen Kleinstwagen unterhalb des Polo im Programm. Nach der Papierform taugt der noch heute, dem Up Konkurrenz zu machen: 3,53 Meter Außenlänge reichen für vier Personen plus ein wenig Gepäck, 75 PS treffen auf knapp eine Tonne Leergewicht und sorgen für ordentliche Fahrleistungen bei relativ geringem Verbrauch. Und so wagt AUTO BILD erstmals den Doppeltest zwischen Neu- und Gebrauchtwagen. Knallhart gewertet nach Punkten. Unfair? Schließlich liegen zwischen beiden Testwagen zehn Jahre, 55.000 Kilometer Laufleistung und rund 10.000 Euro Zeitwert.

Überblick: Alle News und Tests zum VW Up

Schwächen bei der Funktionalität: In einigen Details enttäuscht der neue VW Up.

Ein erster Blick in den Innenraum räumt Zweifel aus. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich bei VW nicht so viel getan wie zunächst erwartet. Die Qualität ist hier wie dort deutlich besser als bei der Konkurrenz. Und auch der Stil mit kleinem Dreispeichenlenkrad und lackierten Blechflächen ähnelt sich. Das Platzangebot reicht bei beiden in Reihe eins für große Erwachsene und in Reihe zwei für Kinder. Erstaunlich: Zehn Zentimeter mehr Radstand bringen dem Up kein besseres Platzangebot. Kein Stillstand, sondern ein echter Rückschritt ist die Funktionalität des Up. Erstmals bei einem in Europa konstruierten und gebauten Volkswagen merkt der Fahrer dem Wagen an, dass nicht die Techniker das letzte Wort hatten, sondern Controller. So hat etwa Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch bei der Präsentation des Lupo noch die serienmäßige Gasdruckfeder an der Motorhaube gelobt – der Up muss mit einer billigen Haltestange auskommen.

Überblick: Alle News und Tests zum VW Lupo

Gut unterwegs: Mit seinem Vierzylinder ist der Lupo dem Dreizylinder-Up überlegen.

Dass er das Karosseriekapitel trotzdem gewinnt, liegt an seinem deutlich größeren Kofferraum – und der mageren Sicherheitsausstattung des Lupo Beim Fahren sieht der Lupo alles andere als alt aus. Schon beim Start fällt auf, dass sein Vierzylindermotor wesentlich laufruhiger ist als der neu konstruierte Dreizylinder des Up, der im Leerlauf mit deutlichen Vibrationen auf sein Bauprinzip aufmerksam macht. Und auch in Fahrt zeigt der Motor des Lupo die feineren Manieren: Er beschleunigt besser und bietet dank 0,4 Liter Hubraum-Plus einen deutlich kräftigeren Durchzug. Der Dreizylinder des Up muss, um ähnliche Fahrleistungen zu bieten, hoch gedreht werden – und fällt dann mit seinem vergleichsweise rauen Klang unangenehm auf. Trotzdem macht der kleinere Motor im Up Sinn: Der Testverbrauch liegt trotz gleicher Leistungswerte mit 5,1 Litern pro 100 Kilometer 1,7 Liter unter dem des Lupo.

Besonders sparsam gefahren sinkt der Verbrauch des Up auf 4,4 Liter. Gute, aber keine bahnbrechenden Zahlen. Was technisch möglich ist, zeigte Volkswagen bereits 1999, als der Drei-Liter-Lupo auf den Markt kam. Noch heute beeindruckt der durch den Einsatz von Aluminium und Magnesium heruntergehungerte Technologieträger – vor allem im Vergleich mit dem deutlich jüngeren Up. Das Fahrwerk der beiden Mini-VW ähnelt sich mit weicher Grundabstimmung und gutem Komfort. Auch hier kann der Up seinen Vorvorgänger nicht auf Distanz halten, auch wenn er sich in Summe bei Komfort und Fahrdynamik nach Punkten recht deutlich absetzt. Das Fehlen von Komfortausstattung und elektronischen Fahrhilfen wie ESP kosten den Lupo viele Punkte und zeigt, wo die Fortschritte der Kleinstwagen-Klasse in den vergangenen Jahren liegen.

Vor allem der 40 Meter lange Bremsweg des Lupo ist nicht mehr akzeptabel. So schlägt der ausgewogene Up den Lupo in der Eigenschaftswertung mit 51 Punkten Vorsprung – doch er deklassiert ihn keineswegs. Wie gut der Lupo noch heute ist, zeigt der Vergleich mit Ford Ka und Peugeot 107. Der zehn Jahre alte VW sammelt 13 Punkte mehr als der Franzose. Und am Ende wird es sogar noch mal eng für den Up. Im Kostenkapitel holt der Lupo mit seinem Preis von 4380 Euro bis auf 32 Punkte auf – eine Sensation für ein zehn Jahre altes Auto. Der alte Lupo ist damit eine echte Konkurrenz für den neuen Up und eine Empfehlung für alle, die einen Kleinstwagen von VW kaufen wollen. Das Ergebnis werden sie bei Volkswagen nicht mögen.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Fahrzeugdaten VW Lupo VW Up
Motor Vierzylinder, vorn quer Dreizylinder, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/1 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Zahnriemen
Hubraum 1390 cm³ 999 cm³
kW (PS) bei 1/min 55 (75)/5000 55 (75)/6200
Nm bei 1/min 126/3800 95/3000
Vmax 172 km/h 171 km/h
Getriebe Fünfgang manuell Fünfgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommel Scheiben/Trommel
Abgas CO2 149 g/km 108 g/km
Verbrauch* 8,6/4,8/6,2 l 5,9/4,0/4,7 l
Tankinhalt 34 l/Super 35 l/Super
Vorbeifahrgeräusch 73 dB (A) 71 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 800/450 kg keine
Kofferraumvolumen 130–830 l 251–951 l
Preis (wird bewertet) 4380 Euro 14.300 Euro
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Messwerte VW Lupo VW Up
Beschleunigung
0–50 km/h 3,6 s 4,4 s
0–100 km/h 11,9 s 13,8 s
0–130 km/h 22,2 s 24,1 s
Elastizität
60–100 km/h 11,9 s (4. Gang) 15,7 s (4. Gang)
80–120 km/h 21,1 s (5. Gang) 25,6 s (5. Gang)
Leergewicht/Zuladung 975/405 kg 928/362 kg
Gewichtsverteilung v./h. 62/38 % 60/40 %
Wendekreis links/rechts 10,1/10,2 m 9,9/9,9 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 39,8 m 35,0 m
aus 100 km/h warm 40,1 m 34,9 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 63 dB (A) 60 dB (A)
bei 100 km/h 69 dB (A) 67 dB (A)
bei 130 km/h 72 dB (A) 74 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,8 l S – 161 g/km 5,1 l S – 121 g/km
Reichweite 500 km 680 km

Stefan Voswinkel

Fazit

Der Up gewinnt gegen seinen zehn Jahre alten Vorvorgänger Lupo. Keine Überraschung. Interessant ist aber der geringe Abstand zwischen beiden. Funktionale Schwächen des Up zeigen, dass Volkswagen bei der Konstruktion des Neuen stark auf die Kosten geachtet hat. Gut für Käufer mit kleinem Geldbeutel: Ein gebrauchter, billigerer Lupo ist eine überzeugende Up-Alternative.

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Kommentare zum Artikel (114)

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Inhalt

Funktion

Lecter
15.01.2012, 12:30Uhr

Beide haben noch eine Steuerzahnriemen, der immer einen kostspieligen Austausch nach sich zieht.

Man nehme einen KIA Picanto Edition Seven, zahle 10.500€ und man bekommt ein wirklich schickes Auto mit fünf Türen, sechs Airbags und sieben Jahre Garantie!!!

alphi
16.11.2011, 01:38Uhr

Ganz ehrlich, dieser Vergleich überrascht mich nicht. Der Up, aber noch viel stärker der Skoda Citigo und der Seat Mi-Ableger erinnerten mich beim Design direkt an Lupo und Arosa - was ich absolut nicht negativ finde.

Aber auch was das Testresultat angeht wundert mich nichts. Die Autos werden markenübergreifend nicht mehr besser, sie werden nur noch überfüllter.

Monaco_71
16.11.2011, 00:48Uhr

Zitat Fahrbericht VW up! ADACmotorwelt 11/2011:
"Karge Grundausstattung. Teils nacktes Blech an den Türen, wenig hochwertige Innenraummaterialien."

Und das ganze zum VW-Premiumpreis! Toller Fortschritt!

Jogi
15.11.2011, 15:10Uhr

Der UP! erhält bei AMS 5Sterne und verliert fast einen Vergleich gegen ein 10 Jahre altes Auto. Und dass man von der HFahrerseite aus das Fenster auf der Beifahrerseite nicht öffnen kann ist echt ein schlechter Witz. Irgendwo hat das Sparen auch ein Ende.

sego
15.11.2011, 14:11Uhr

achso, die Lautstärke (3db sind subjektiv doppelt so laut !) zeigt, dass der Up seine Drehorgel nicht verheimlichen kann, zumal er bei niedrigen Geschwindigkeiten immer leiser ist (besser gedämmt?). Der Lupo 1.4 ist auf der Autobahn wirklich leise für sone kleine Kugel, im Vergleich zum Polo aber doch lauter.Die 74db im Up sind dann wohl doch nicht so flüsterleise wie sonst in den Tests immer zu lesen. Irgendwas stimmt doch mit den ganzen Up-Tests nicht.

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