VW-Zylinderabschaltung: IAA 2011

Übersicht Verbrauchsreduzierung Zylinderkopf

VW-Zylinderabschaltung: IAA 2011

— 01.09.2011

So wird der Polo zum Zweizylinder

VW, Audi und Mercedes bringen zur IAA die Technik der Zylinderabschaltung mit. AUTO BILD hat sie im Polo schon mal getestet. Das Ergebnis: Alles klappt reibungslos.

Ohne die kleine Leuchte wäre der Fortschritt nicht zu spüren. Eine blaue LED im Cockpit des VW Polo zeigt an, wenn der Motor zwei Zylinder abschaltet – immer dann, wenn der Gasfuß das Pedal nur streichelt. Das Ergebnis verblüfft: Bis zu einem Liter weniger Spritverbrauch verspricht VW für seine neue Benziner-Generation, die auf der IAA präsentiert wird. Schon Anfang 2012 kommt der 1,4-Liter-Motor im Golf, später in allen Konzernmodellen. Zylinderabschaltung? Kennen wir doch, hatte Mercedes seit 1997, aber 2003 wieder eingemottet – sie brachte nicht genug. Jetzt kehrt der Spartrick im SLK 55 AMG zurück, Audi zeigt auf der IAA ein Schaustück. Und VW hat den Zauber erstmals für den 1,4-Liter-Motor angepasst, der konzernweit rund 350.000-mal gekauft wird. Wolfsburgs oberster Motorenentwickler Jens Hadler verspricht: "Die Technik hat gewaltiges Sparpotenzial."

Überblick: News und Tests zu VW

Im 2-Zylinder-Betrieb: Die Nocke (roter Pfeil) läuft nach Rechtsverschiebung leer, Ventil bleibt verschlossen, Zylinder arbeitet nicht.

Zu sehen sind auf dem Zylinderkopf des Polo 1.4 TSI vier kleine Bauteile (Aktuatoren). Darin stecken elektrisch betriebene Schalter, die die Nocken auf der Welle so verschieben, dass die Ein- und Auslassventile der beiden mittleren Zylinder in Millisekunden schließen. Die Einspritzung setzt aus, der Motor spart Sprit – immer zwischen 1400 und 4000 Umdrehungen, bis maximal Tempo 130 und wenn das Gaspedal nicht weiter als zu einem Drittel getreten wird. Ein Bereich, den manche Fahrer nie verlassen. Ein Tritt aufs Pedal, und die Elektronik schaltet zurück auf vier Zylinder.
Neu: Auch Mercedes und Audi schalten Zylinder ab
Auch Audi und Mercedes lassen Kolben ins Leere laufen – aber nur bei dicken Pötten. So pausieren bei V8-Motoren (Audi: 4.0 TFSI, Mercedes: z. B. SLK 55 AMG) die Zylinder 2,3,5 und 8. Ein- und Auslassventile bleiben über Stellelemente im Nockenwellentrieb geschlossen, Zündung und Einspritzung werden deaktiviert. Die Abschaltung erfolgt bis in den mittleren Drehzahlbereich. Audi spart bei Tempo 130 sieben Prozent, Mercedes bei 120 km/h 10,5 Prozent.
Laut Norm verbraucht der Motor 0,4 Liter Sprit weniger – das macht acht Gramm CO2-Ersparnis. Der im Polo gefahrene Vorserien-TSI mit 140 PS läuft etwas rauer als der jetzige 105-PS-Motor. Das kann an fehlender Dämmung liegen. "Der bekommt bis zum Serienstart noch ein wenig Feinschliff", so Hadler. Auf der IAA präsentiert VW die neue Motor-Generation (intern EA 211) als großes Sparpaket: mit Zylinderabschaltung, geringer innerer Reibung, höheren Einspritzdrücken und statt Steuerkette wieder mit Zahnriemen. Richtig gelesen: Zahnriemen! Jens Hadler verspricht: "Der hält ein Leben lang!" Große Worte, daran werden wir VW messen.

Noch mehr IAA-News in AUTO BILD 35/2011!

Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Das Prinzip leuchtet ein: Beim Bummeln schaltet der TSI zwei Zylinder ab und spart. Das klappt im Vorserienauto reibungslos, auf den Alltagstest bin ich gespannt. Tatsache ist: Der Motor wird aufwendiger und teurer – um wie viel, das verschweigt uns VW derzeit noch.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.