Pony Cars

Vergleichstest: Pony Cars

— 08.08.2012

Hengstparade

Sie reiten wieder, die Desperados der US-Szene wie damals angefhrt vom Ford Mustang. Er preschte 1964 als erstes Pony Car in die freie Wildbahn. Chevrolet setzte daraufhin den Camaro aus, Dodge den Challenger. Zahm wurden die drei Hengste nie eher noch wilder.

Immer grer, mit Chromschmuck so schwer wie anderswo ein Kleinwagen und mit Heckflossen, die als Symbole fr das Raumfahrtzeitalter in den Himmel wachsen: Anfang der 60er-Jahre sind die US-Highways voll von riesenhaften, schwerflligen Autos. Doch ein Wandel zeichnet sich ab, was nicht zuletzt der Erfolg von Importprodukten wie dem VW Kfer signalisiert. Amerika ist reif fr kleinere Autos. Einer der Ersten, die das erkennen, ist der Ford-Manager Lee Iacocca. Er schiebt das Projekt Mustang an. Der Wagen, mitten im Modelljahr 1964 vorgestellt, schlgt ein wie eine Bombe, weil er so verdammt gut aussieht und weil (oder obwohl) er eine Absage darstellt an das uramerikanische BIB-Syndrom "bigger is better".

Aus dem Weg! Wo diese zwlf Hufe schlagen, wchst kein Gras mehr.

©A. Emmerling

Mit dem Mustang entsteht das neue Segment der Pony Cars: zierliche Autos mit sportlichem Charakter. Der Mustang-Coup trgt dazu bei, dass Iacocca es bis zum Prsidenten der Ford Motor Company bringt. Ein mchtiger Mann, zu mchtig fr Henry Ford II. Der feuert Iacocca 1978 mit den drren Worten: "Ich mag Sie einfach nicht", worauf der zu Chrysler wechselt und die angeschlagene Nummer drei in Detroit spektakulr saniert. Mit dem Mustang macht Iacocca aber zuvor der Konkurrenz Feuer unter dem Hintern. General Motors, nicht bekannt fr berstrzte Entscheidungen, bringt 1967 den Chevrolet Camaro zur Welt, um sich ein Stck aus dem Pony-Corral zu sichern. Chrysler reagiert, noch einmal drei Jahre spter, mit dem Dodge Challenger. Gezchtet sind sie alle nach dem Mustang-Muster: attraktive Hlle, simple Technik und auf Wunsch Leistung bis zum Abwinken.

Mega-Flosse: Imperial Custom Four-Door Southampton 1961

Gezchtet sind sie alle nach dem gleichen Prinzip: attraktive Hlle, simple Technik und Leistung bis zum Abwinken.

©A. Emmerling

Das Geheimnis liegt auch in einer kaum zu berblickenden Zahl von Sonderausstattungen, die es dem Kunden ermglichen, sein Wunschauto individuell zusammenzustellen. 1967 errechnet ein Forscher der berhmten Yale-Universitt in Connecticut, dass allein Chevrolet mit 46 Modellen, 32 Motoren, 20 Getrieben, 30 Farbkombinationen und mehr als 400 Einzelextras eine Zahl von Varianten bauen knne, die "grer ist als die der Atome im Universum". Was die "New York Times" zu der Bemerkung veranlasst: "Das bringt GM vor Gott auf Platz eins der Kommando-Struktur." Was gut ist fr die Autoindustrie, ist gut fr Amerika. Bis dann auch die Ponies mitten hineingaloppieren in die erste lkrise.

Das war der Wilde Westen: Oldsmobile Toronado

Mit knappen Vorsprung siegt der Mustang im Vergleichstest, denn bei ihm harmonieren alle Bauteile am besten.

©A. Emmerling

Das simple Detroit-Universalkonzept vorn ein V8-Motor, hinten eine Blattfeder-Starrachse, dazwischen eine Dreistufenautomatik funktioniert bei allen drei Konkurrenten. Aber mit was fr unterschiedlichen Ergebnissen! Das war schon in der Jugend der Pony Cars so. Wer auf dem Bestellformular die richtigen Positionen ankreuzte, erhielt einen eleganten Cruiser fr die Ehefrau oder einen sportlichen Straen-Racer oder ein wildes Tier, das alles einer atemberaubenden Beschleunigung unterordnete. Whrend die US-Sammler verstrkt auf Originalitt Wert legen und Details wie zeitcodierte Zndkabel schtzen, blht bei uns noch die Modifikations-Manie. Der Reiz, ein Auto besser zu machen, wird gefrdert durch das immense Angebot, das Firmen wie Summit Racing oder Jegs Performance bereithalten. Auch in Deutschland gibt es Spezialisten, zum Beispiel Oldschool Custom Works in Weinstadt, zu dessen Kundenkreis die Besitzer unserer Testwagen gehren. Warum soll das Auto nicht dem eigenen Geschmack entsprechen, sondern dem eines Unbekannten, der es vor 40 Jahren gekauft hat? Dass ein Auto durch Tuning zwar extremer, doch nicht unbedingt besser wird, zeigen der Chevy Camaro und der noch brutalere Dodge Challenger. Das verhilft dem bescheiden serienmigen Ford Mustang zum Sieg. Er vermittelt authentisch das Gefhl, wie es damals war. Impressionen aus dem AUTO BILD KLASSIK Vergleichstest finden Sie oben in der Bildergalerie! Die harten Zahlen und Fakten finden Sie in den Einzeltests (Links oben im Text). Hier die Punktewertung:
Die Punktewertung Chevrolet Camaro Dodge Challenger Ford Mustang
Spaßfaktor
Temperament 9 8 7
Sound 7 8 7
Handling 9 5 8
Zwischenergebnis 25 21 22
Kuschelfaktor
Sitze 6 6 6
Federung 5 6 8
Platzangebot/Variabilität 7 7 7
Zwischenergebnis 18 19 21
Neidfaktor
Qualität 7 7 7
Design 7 8 9
Image 7 7 8
Zwischenergebnis 21 22 24
Gesamtergebnis 64 62 67
Autor:

Gtz Leyrer

Fazit

Es hat sich nichts gendert: Einem Mustang-Maniac einen Camaro oder Challenger aufschwatzen zu wollen, wre vergebliche Liebesmhe. Jeder der drei groen US-Konzerne hat seinen eigenen Fan-Kreis. Deshalb bleiben wir salomonisch: Der Challenger hat das aufregendste Styling, der Camaro den besten Motor und der Mustang bietet die schnste Harmonie aller Bauteile.

Fotos: A. Emmerling

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