Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Tatsächlich muss ich hier persönlich werden: Ich steh auf den Mustang. Schon immer. Ob historisches Hardtop-Coupé oder aktueller Fastback 5.0 – ich liebe die derben, kernigen, klangvollen Dinger.
Daneben begeistert mich die Sportwagenwelt "Rundstrecke". Feines Fahren, Kurven anpeilen im Zentimeterbereich, am Gas balancieren – ein herrlicher Kitzel um Zehntelsekunden. Aber beides zusammen? No way! Keine Chance. Mustangs cruisen im Trab auf dem Boulevard, auf den schnellen Parcours galoppieren andere.

Der aktuelle Mustang ist im digitalen Zeitalter angekommen

Bis jetzt. Die US-Firma Steeda bringt nämlich zusammen, was für mich bislang nicht so recht zusammengehört hat. Steeda sind auch in Deutschland zu haben, vorrangig bei Fiege-Performance in Hofgeismar (Hessen). Dort rollen am Fahrwerk umgebaute Mustang aus der Halle und verlieren mit amtlichem Segen sowohl ihren Herstellernamen (aus Ford wird Steeda) sowie ihr gummiartiges "natürliches" Fahrverhalten.
Steeda Q767
Gedreht: Aus kleineren Uhren werden im aktuellen Mustang-Modell große Bildschirmflächen.
Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
Das geht so: Federn, Quer- und Spurlenker, Buchsen, Stabilisatoren und Sturzeinsteller aus der Tuner-Produktion ersetzen dehnungswillige und ungenaue Originalteile, dazu stützen Verstärkungen, Streben und Rahmenteile den Unterbau, jagen Schwammigkeiten und Traktionsfehler zum Teufel. Himmlisch, was dann als Ergebnis über die Straße fliegt.

Selten zuvor wirkte ein Mustang so fahraktiv und handlich

Wir durften es erleben, einen dieser Steeda-Mustang über den Rundkurs scheuchen und etlichen Beschleunigungs- und Bremstests unterziehen. Objektiv heißt das: alles im Lot, alles schnell, alles sicher. Subjektiv steht dahinter: kraaaassss! Aus dem Mustang baut Fiege eine grantige Rennmaschine mit Grip, Balance und feinfühliger Führung.
Die Präzision aus dem Fahrwerk trifft auf die Gewalt aus dem Motorraum. Hier haust nämlich der unangetastete Serienmotor. Ein Klotz alter Schule – dem Hubraum nach. Technisch ist der Fünfliter-V8 ein manierlicher Kerl auf aktuellem Fitnessstand. "Coyote Gen 4 update" heißt das von 32 Ventilen beatmete und von geschmiedeten Pleueln veredelte 90-Grad-Stück.
Steeda Q767
Geknickt: scharfe Kante im Blech, kleiner Abrisseffekt, stilprägende Form am Heck des 767.
Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
In unserem Darkhorse-Testwagen liefert der Motor 453 Sauger-PS. Das riecht nach ehrlicher Brauereipferd-Maloche – mit einem kräftigen Schuss Araber-Vollblut. Und tatsächlich: Grollend drückt der Achtzylinder aus dem Drehzahl-Keller heraus, pochend eilt er durch die Leistungsmitte, hart hämmernd und seeehr laut reißt er sich den roten Bereich bei sieben-fünf unter den Nagel.

Der V8 gefällt, die Zehnstufen-Automatik nur bedingt

Schade: Die Zehnstufenautomatik passt so gar nicht zur Kompetenz der Maschine, schiebt in manchen Gangwechseln nach, sortiert sich gelegentlich zu langsam nach oben, verfehlt Kick-downs und kennt sogar nervende Programmfehler. Tipp von uns: Sechsgang-Handschalter wählen. Trost kommt aus der Abteilung Chassis, sobald die erste Kurve ansteht. In Erwartung auf schlingerndes Anbremsen, ungenaues Zirkeln und stempelnd quertreibendes Austreten aus der Biegung heraus macht der Steeda genau das Gegenteil.
Steeda Q767
Gedicht: Coyote-Maschine mit Hubraum satt plus Freude am Drehen – erst bei 7500 Touren baut sie ernsthaft ab.
Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
Er verzögert richtungsstabil, schmiegt sich beim Einlenken exakt an den Radius der Curbs, wirkt neutral, kommt erst bei Vollgas am Ende der Kurve seicht mit dem Heck. Das zielgenaue, präzise, feine Fahrwesen ist es, was den Q767 so überdeutlich von Seriengäulen absetzt. Alles wirkt so schön fahrbar, beherrschbar, mechanisch ertastbar.

Steeda macht den Mustang zu einem Volltreffer

Ebenso unerwartet wie sein Fahrverhalten sind seine empfindlichen Reaktionen auf Reifentemperaturen. Im richtigen Fenster verzahnt sich der Steeda geradezu mit dem Asphalt, außerhalb ihrer Komfortzone bauen die Sportreifen ab. Mit kalten Gummis in Runde eins möchte sich der Darkhorse übersteuernd aus der Affäre winden, bei zu heißer Lauffläche der Michelin Pilot Sport 4S mag er in den schnellen Kurven lieber über die Vorderräder schieben.
Gestreckt: Bolide nach alter Art, lange Haube, fein fließendes Heck – so geht Mustang Modelljahr 2025.
Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
Ist wohl so: 1,8 Tonnen Leergewicht fahren bei aller feinen Abstimmung stets mit. Gefährlich? Never. Denn zugleich steckt höchst moderne Technik im Mustang. Ein feines mehrstufiges ESP natürlich, Fahrmodi inklusive Rennstreckenprogramm, grafisch aufgearbeitete Aufzeichnungen der Dynamik, sogar eine Spielerei wie die Driftfunktion der E-Handbremse ist vorgesehen. Kurz: Modern die assistierende Elektronik, aber alte Schule im Wesen – da schlagen wohl zwei Herzen in der Steeda-Brust.

Technische Daten Steeda Mustang Q767

Motor V8, 90 Grad, 4 Ventile pro Zylinder ● Hubraum 5038 ccm ● Leistung 333 kW (453 PS) bei 7250/min. ● max. Drehmoment 540 Nm bei 5100/min ● Antrieb: Hinterrad/Zehnstufenautomatik ● L/B/H 4819/1917/1403 mm ● Leergewicht 1817 kg (DIN) ● Beschleunigung 0–100 km/h in 4,3 s ● Höchstgeschwindigkeit 250 km/h ● Verbrauch 12,8 l/100 km ● Abgas CO2: 303 g/km

Fazit

Im Ford, Pardon, Steeda Mustang stecken die besonderen Tugenden eines US-Musclecars wie Kraft und Prestige und zusätzlich ein unerwartet trittfestes Fahrwerk mit Grip und Gier auf Kurven. Steedas Tuning verleiht dem Mustang Q767 einen völlig neuen Charakter.