Bisher transportieren Radpanzer meist nur Soldaten von einem Ort zum anderen – möglichst schnell und sicher. Künftige Fahrzeuge arbeiten als mobile Kommandozentralen, Drohnenträger und vernetzte Gefechtsplattformen. Dafür investieren Hersteller wie KNDS, Rheinmetall, Patria, General Dynamics Land Systems und Arquus Milliarden.
Künftige 8x8- und 6x6-Fahrzeuge übernehmen Aufklärung, Feuerunterstützung und Drohnenabwehr. Dank leistungsstarker Diesel mit bis zu 800 PS erreichen sie mehr als 100 km/h und legen Reichweiten von bis zu 1000 Kilometern zurück. Damit fahren sie schneller als Kettenpanzer. Dazu verbessern Einzelradaufhängungen, Reifendruckregelanlagen und Allradlenkung die Geländegängigkeit.
Auch neu: Künftige Radpanzer setzen auf unbemannte Türme mit 30- oder 35-Millimeter-Maschinenkanonen, programmierbarer Airburst-Munition und Feuerleitsystemen. Sie vernetzen sich mit anderen Fahrzeugen, Drohnen, Aufklärungssensoren und Gefechtsständen.

Arma 8x8 Mizrak 30 – der moderne Kampfturm für Radpanzer

Der Mizrak-30 auf dem Arma 8x8 ist ein unbemannter, zweiachsig stabilisierter Turm, der für Radschützenpanzer und andere Fahrzeuge entwickelt wurde. Als Hauptbewaffnung dient eine 30-Millimeter-Maschinenkanone im NATO-Kaliber 30x173 Millimeter mit bis zu 300 Schuss/Minute, ergänzt durch ein 7,62-Millimeter-Maschinengewehr.
Arma 8x8 Mizrak 30
Der unbemannte Arma 8x8 Mizrak 30 macht den Arma 8x8 zu einer modernen Gefechtsplattform mit hoher Feuerkraft.
Bild: F. Hoberg
Das Feuerleitsystem umfasst Tageslichtkamera, Wärmebildgerät, Laserentfernungsmesser sowie eine automatische Zielverfolgung und ermöglicht präzise Bekämpfung von Zielen bei Tag und Nacht. Der Arma 8x8 setzt, je nach Ausführung, auf einen 450-PS- bis 720-PS-Dieselmotor, erreicht bis zu 105 km/h und bietet Platz für drei Besatzungsmitglieder und bis zu neun Soldaten.

Arquus VAB Mk3 – Frankreichs vielseitiger Radpanzer

Der französische Hersteller Arquus entwickelte den VAB Mk3 als 6x6-Plattform für unterschiedlichste Einsätze. Als Antrieb des bis zu 22 Tonnen schweren Fahrzeugs dient ein 370 PS starker Cummins-Turbodiesel. Damit sind bis zu 105 km/h möglich. Mit einer Reichweite von bis zu 890 Kilometern eignet sich der VAB Mk3 für lange Touren. Die Besatzung besteht aus zwei Soldaten und bis zu zehn Infanteristen.
Arquus VAB Mk3
Der Arquus VAB Mk3 kombiniert hohe Mobilität, modulare Bewaffnung und Platz für bis zu zehn Soldaten.
Bild: F. Hoberg
Je nach Version lässt sich der Radpanzer mit einer fernbedienbaren Waffenstation oder einem Turm mit 12,7-Millimeter-Maschinengewehr, 20- bis 30-Millimeter-Maschinenkanone oder 40-Millimeter-Granatmaschinenwerfer ausrüsten. Die modulare Panzerung bietet Schutz gegen Beschuss, Minen und improvisierte Sprengsätze. Tag- und Nachtsichtsysteme sowie digitale Kommunikations- und Führungsmittel bieten weitere Vorteile.

BMC Altuğ 8x8 – die neue Radpanzer-Generation aus der Türkei

Der Altuğ 8x8 des türkischen Herstellers BMC (nicht der Schweizer Rennradhersteller) wurde für den Einsatz als Mannschaftstransporter, Schützenpanzer oder Führungsfahrzeug entwickelt. Das rund 32 bis 35 Tonnen schwere Fahrzeug wird von einem 711 PS starken Caterpillar-C13-Dieselmotor angetrieben und erreicht bis zu 100 km/h. Die Reichweite beträgt rund 800 Kilometer. Zur Besatzung gehören drei Soldaten, zusätzlich finden acht Infanteristen im Kampfraum Platz.
BMC Altuğ 8x8
Der türkische BMC Altuğ 8x8 soll als Schützenpanzer, Truppentransporter und Führungsfahrzeug eingesetzt werden.
Bild: F. Hoberg
Je nach Version trägt der Altuğ eine fernbedienbare Waffenstation, einen bemannten oder unbemannten Turm mit 25-, 30- oder 35-Millimeter-Maschinenkanone, ergänzt durch ein Maschinengewehr und Panzerabwehrlenkwaffen. Die modulare Verbundpanzerung bietet Schutz gegen Beschuss, Minen und Sprengfallen und lässt sich erweitern. Dazu kommen Wärmebildkameras sowie ein digitales Führungs- und Feuerleitsystem.

EBRC Jaguar – Frankreichs Hightech-Radpanzer

Ein Blick nach Frankreich zeigt den EBRC Jaguar der KNDS-Gruppe. Der 7,8 Meter lange Jaguar gehört zu den modernsten 6x6-Radpanzern Europas und wurde speziell für Aufklärung, Feuerunterstützung und den Kampf gegen gepanzerte Ziele entwickelt. Das 25 Tonnen schwere Fahrzeug wird von einem 500 PS starken Sechszylinder-Volvo-Dieselmotor angetrieben und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h bei einer Reichweite von bis zu 800 Kilometern.
EBRC Jaguar
Der französische EBRC Jaguar wurde speziell für Aufklärung und Feuerunterstützung gegen gepanzerte Ziele entwickelt.
Bild: F. Hoberg
Zur Besatzung zählen Fahrer, Richtschütze und Kommandant. Die Hauptbewaffnung bildet eine 40-Millimeter-CTAS-Kanone, ergänzt durch ein 7,62-Millimeter-Maschinengewehr sowie zwei Panzerabwehrlenkwaffen. Wärmebildkameras, Laserwarnsensoren, digitales Feuerleit- und Führungsinformationssystem sowie eine modulare Verbundpanzerung mit hohem Minenschutz machen den Jaguar zu einer hochvernetzten Gefechtsplattform. Der Jaguar ist vollständig in das französische Gefechtsnetzwerk eingebunden und tauscht Daten in Echtzeit aus.

Havoc 8×8 – der unbemannte Radpanzer der Zukunft

Der Havoc 8×8 des estnischen Unternehmens Milrem Robotics zählt zu den innovativsten Entwicklungen bei unbemannten Gefechtsfahrzeugen. Das hybrid-elektrisch angetriebene Robotic Combat Vehicle (RCV) ist als "Wingman" für Kampfpanzer und Schützenpanzer konzipiert. Dank seines 8x8-Fahrwerks erreicht der Havoc hohe Geländegängigkeit und soll je nach Einsatzprofil über 1000 Kilometer auf der Straße oder mehr als 600 Kilometer im Gelände zurücklegen können.
Havoc 8×8
Der unbemannte Havoc 8×8 soll gemeinsam mit Kampfpanzern operieren und gefährliche Missionen übernehmen.
Bild: F. Hoberg
Die modulare Plattform nimmt unterschiedliche Nutzlasten auf: von fernbedienbaren Waffenstationen mit 30-Millimeter-Maschinenkanonen bis hin zu Panzerabwehr- oder Flugabwehrraketen, elektronischer Kampfführung und Aufklärungsdrohnen. Kameras, Wärmebildsensoren, LiDAR, Radar und KI-gestützte Navigation ermöglichen weitgehend autonomes Fahren und den Einsatz in besonders gefährlichen Gefechtszonen.

Patria 6x6 – Europas Baukasten für die nächste Fahrzeuggeneration

Der finnische Hersteller Patria bietet mit dem Patria 6x6 und dem leistungsstärkeren AMV XP die Grundlage für das europäische Programm "Common Armoured Vehicle System" (CAVS), an dem mehrere NATO-Staaten beteiligt sind. Der Patria 6x6 basiert auf dem AMV und soll unter anderem den Transportpanzer Fuchs (alleine ca. 1000 Stück bei der Truppe) in europäischen Streitkräften ablösen. Das bis zu 24 Tonnen schwere 6x6-Fahrzeug wird von einem 394 PS starken Scania-Fünfzylinder-Turbodiesel angetrieben und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von über 100 km/h.
Patria 6x6
Der Patria 6x6 gilt als Basis für das europäische CAVS-Programm und mehrere NATO-Armeen.
Bild: F. Hoberg
Mit einer Reichweite von mehr als 700 Kilometern eignet sich der Radpanzer auch für lange Strecken. Die Besatzung besteht aus zwei Soldaten, zusätzlich finden bis zu zehn Infanteristen Platz. Je nach Einsatz erhält der Patria 6x6 eine fernbedienbare Waffenstation mit 7,62- oder 12,7-Millimeter-Maschinengewehr beziehungsweise einem 40-Millimeter-Granatmaschinenwerfer. Die modulare Verbundpanzerung schützt gegen Beschuss, Minen und Sprengfallen.

KNDS Boxer RCT30 – der stärkste deutsche Radschützenpanzer

Der Boxer entwickelt sich weiter vom klassischen Transportpanzer zur modernen Gefechtsplattform. Die jüngste Variante trägt die Bezeichnung Boxer RCT30 "Schakal" und kombiniert das 8x8-Fahrgestell mit dem unbemannten RCT30-Turm des Schützenpanzers Puma. Die Hauptbewaffnung besteht aus einer stabilisierten 30-Millimeter-Maschinenkanone MK30-2/ABM, ergänzt durch ein Maschinengewehr sowie die integrierte Panzerabwehrlenkwaffe.
Neue Verbundpanzerungen aus Stahl, Keramik und Verbundwerkstoffen lassen sich je nach Einsatz modular verstärken. Zusätzlich kommen aktive Schutzsysteme zum Einsatz, die anfliegende Panzerabwehrraketen oder Hohlladungsgeschosse mithilfe von Radar und Infrarotsensoren erkennen und vor dem Einschlag zerstören. Im Innenraum finden bis zu sieben Infanteristen Platz. Der Boxer wiegt rund 38,5 Tonnen und wird von einem 720 PS starken MTU-Turbodiesel angetrieben. Damit fährt der Radpanzer über 100 km/h auf Straßen oder ebenem Gelände. Dank großer Tanks ist eine Reichweite von bis zu 1000 Kilometern möglich.

KNDS RCH 155 – die Radhaubitze der nächsten Generation

Der KNDS RCH 155 ist eigentlich kein Radpanzer, sondern ein selbstfahrendes Artilleriesystem. Es verbindet die Mobilität des Boxer-8x8-Fahrgestells mit einem vollautomatischen, unbemannten 155-Millimeter-Geschützturm. Das 10,50 Meter lange, 2,99 Meter breite und 3,60 Meter hohe Fahrzeug wiegt weniger als 39 Tonnen und wird von einem 815 PS starken MTU-Dieselmotor angetrieben. Damit erreicht die Radhaubitze mehr als 100 km/h und eine Reichweite von über 700 Kilometern.
155
KNDS RCH 155: Die Radhaubitze kann Ziele erstmals auch während der Fahrt bekämpfen.
Bild: F. Hoberg
Die Besatzung besteht aus zwei Soldaten – Laden und Richten erfolgen vollautomatisch. Die 155-Millimeter/L52-Haubitze feuert mehr als acht Schuss pro Minute und erzielt je nach Munition Reichweiten von 40 bis 54 Kilometern. Mit der neuen Vulcano-Präzisionsmunition sind sogar bis zu 70 Kilometer möglich. Einzigartig ist die Fähigkeit, Ziele auch während der Fahrt zu bekämpfen. Dank digitalem Feuerleitsystem, 360-Grad-Wirkbereich und optionaler fernbedienbarer Waffenstation gilt der RCH 155 als wegweisende Artillerieplattform für Gefechtsfelder.

Piranha V – der modulare Radpanzer aus der Schweiz

Der Piranha V von General Dynamics European Land Systems (GDELS) wurde für Einsätze als Mannschaftstransporter, Schützenpanzer, Sanitäts- oder Führungsfahrzeug entwickelt. Das bis zu 33 Tonnen schwere Fahrzeug wird von einem 580 PS starken Scania-Reihensechszylinder-Turbodiesel angetrieben und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Mit einer Reichweite von bis zu 550 Kilometern bietet der Piranha V eine hohe strategische Mobilität. Die Besatzung besteht aus drei Soldaten, zusätzlich finden acht Infanteristen Platz.
Piranha V
Piranha V: Der modulare Piranha V wird als Schützenpanzer, Transporter oder Führungsfahrzeug eingesetzt.
Bild: F. Hoberg
Je nach Version trägt der Radpanzer eine fernbedienbare Waffenstation oder einen bemannten beziehungsweise unbemannten Turm mit 12,7-Millimeter-Maschinengewehr, 30- oder 40-Millimeter-Maschinenkanone sowie optional Panzerabwehrlenkwaffen. Die modulare Verbundpanzerung schützt gegen Beschuss, Minen und improvisierte Sprengsätze und lässt sich durch aktive Schutzsysteme ergänzen. Moderne Wärmebildkameras, digitale Führungs- und Feuerleitsysteme sowie eine offene Elektronikarchitektur machen den Piranha V zu einer vielseitigen Gefechtsplattform, die bereits von mehreren europäischen Streitkräften eingesetzt wird.

Stryker Dragoon – mehr Feuerkraft für den US-Radpanzer

Auch die USA modernisieren ihre Radfahrzeuge. Mit dem 6,95 Meter langen M1296 Stryker Dragoon verpasst die US Army ihrem bewährten 8x8-Radpanzer ein Leistungsplus. Statt eines leichten Maschinengewehrs trägt der rund 19,5 Tonnen schwere Radschützenpanzer einen unbemannten Kongsberg-MCT-30-Turm mit einer 30-Millimeter-XM813-Bushmaster-II-Maschinenkanone und einem 7,62-Millimeter-Maschinengewehr. Angetrieben von einem 350 PS starken Caterpillar-C7-Turbodiesel erreicht der Dragoon bis zu 100 km/h und fährt rund 500 Kilometer weit.
Stryker Dragoon
Stryker Dragoon: Mit 30-Millimeter-Kanone und moderner Sensorik erhält der US-Radpanzer deutlich mehr Feuerkraft.
Bild: F. Hoberg
Die Besatzung besteht aus zwei Soldaten, zusätzlich finden neun Infanteristen Platz. Moderne Wärmebildkameras, Laserentfernungsmesser und digitale Feuerleitsysteme ermöglichen Treffer auch auf große Entfernungen. Mit seiner Kombination aus hoher Mobilität, starker Bewaffnung und moderner Sensorik gilt der Stryker Dragoon als Vorreiter einer neuen Generation von Radschützenpanzern.