24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife
Happy ohne End: im BMW M4 GT4 beim härtesten Rennen der Welt
Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring ist das härteste Rennen der Welt. AUTO BILD-Redakteur Guido Naumann war mittendrin – in einem M4 GT4.
Bild: AUTO BILD
Der Funkspruch klingt für Außenstehende wie Kauderwelsch: "Audi-Brücke, 69,9, 1,95, 1,93, 1,90, 1,91, Auto okay." Es ist Runde 28, und auf Deutsch heißt das: Wir befinden uns auf der Döttinger Höhe, das Auto hat in diesem Stint bisher 69,9 Liter verbraucht, die weiteren Zahlen sind die Reifendrücke vorn links, vorn rechts, hinten links, hinten rechts.
Motorsport vom Allerfeinsten im M4 GT4
Schnell den sechsten Gang eingelegt, Tempo 254, den Trinkschlauch unter den Helm geschoben, ein paar Schluck Wasser. Dann mit 274 km/h Richtung Tiergarten, hartes Anbremsen, Hohenrain-Schikane, 9:18 Minuten stoppt die Uhr, es läuft richtig gut, mein dreizehntes 24-Stunden-Rennen. Kurz nach 20 Uhr, wir sind gut gestartet, bisher keine Probleme, keine Kratzer.

Sportgerät M4 GT4: Mit 470 PS weniger Leistung als der Serien-M4. Dafür gefühlt aber doppelt so viel Track-Performance.
Bild: BMW Group
Und es macht richtig Spaß. Du kämpfst mit den Aston Martin um die Plätze, hast Windschattenduelle, Motorsport vom Allerfeinsten. Und die Konkurrenz ist noch nicht außer Reichweite, ein Top-Ergebnis und die schwarz-weiß karierte Flagge am Sonntag um 16 Uhr sind das Ziel.
Harte Strafe noch vor Rennbeginn
Dabei begann das Rennen für unser Team mit der 73 nicht optimal. Zwar hatten wir uns im ersten Qualifying fürs Rennen qualifiziert und lagen sogar in der Klasse SP10 (16 Autos, Supra, AMG GT, M4) auf dem sechsten Platz. Doch im zweiten Qualifying ging einiges schief. Nicht beim RMG-Team und nicht beim 470 PS starken BMW M4 GT4. Nein, unser britischer Journalistenkollege hatte eine Code-60-Zone (Unfallzone) zu spät gesehen und das Auto nicht schnell genug verzögert.

Familienfoto: Nummer 73 und die ganze Mannschaft auf der Start-Ziel-Geraden. Leider musste dann aus der Box gestartet werden.
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Die Rennkommissare sind da rigoros, es folgte eine saftige Strafe: Start des Rennens aus der Boxengasse plus zwei Minuten Strafzeit. Alle im Team waren sichtlich geknickt, ein Mechaniker trat lautstark gegen die Mülltonne, der Aufwand schien umsonst.
Auch Journalisten fahren auf Profi-Niveau
Dabei waren wir doch so gut vorbereitet. Hatten uns intensiv vorher mit dem Auto beschäftigt. Waren zwei Tage im französischen Dijon testen, haben dort diverse Szenarien mit Boxenstopps und abgefahrenen Reifen durchgespielt. Zwei Wochen vor dem Rennen noch ein Test auf der Nordschleife. Jeder der vier Piloten fuhr 15 Runden, das Set-up des Autos wurde verfeinert, alle Fahrer waren auf einem ähnlich schnellen Niveau.

Schnell: AUTO BILD-Redakteur Guido Naumann stellte beim 24-Stunden-Rennen unter Beweis, dass auch Journalisten fahren können.
Bild: BMW Group
Teamboss Stefan Reinhold war voll des Lobes: "Ich hätte nicht gedacht, dass Journalisten auf so einem professionellen Niveau den M4 so schnell bewegen können." Selbst unser "Profi" an Bord, der BMW-M-Entwicklungsfahrer Jörg Weidinger war positiv gestimmt. "Das wird ein gutes Rennen, wir sind alle schnell genug, um in die Top fünf in der Klasse zu fahren, den M4 GT4 kenne ich aus der Entwicklung, das Auto ist zuverlässig", so der Bayer zuversichtlich.
Jede Runde ein Genuss
Und es sollte ein trockenes Rennen werden, tagsüber sogar bis zu 20 Grad warm. Also keine Wetterkapriolen, kein Reifenwechsel-Chaos, entspannt schnell fahren, gut durch den Verkehr kommen, keine Strafen kassieren, solide, schnelle Rundenzeiten fahren. So der Plan, als Weidinger am Samstag um 16 Uhr aus der Boxengasse ins Rennen ging.

Rennfahrerglück: Dieses einmalige Gefühl, wenn du durch das berühmte Karussell rüttelst, der Unterboden aufsetzt, herrlich!
Bild: BMW Group
Und der Plan ging auf, zumindest anfangs. Von Platz 66 fuhr Jörg Runde für Runde weiter nach vorn. Rundenzeiten um 9:08 Minuten, genauso wie die Spitze. Der Brite und Christian Gebhardt fuhren souverän ihre Acht-Runden-Stints, ehe ich abends gegen 19.30 Uhr ins Auto stieg. Ein Traum, einfach nur herrlich, jede Runde ein Genuss. Der Sound, die Fliehkräfte, Windschattenduelle, so was habe ich in meinen letzten zwölf 24-Stunden-Rennen noch nie erlebt.
Der zweite Unfall bedeutet das Aus
Dann vier Stunden Pause, um 3 Uhr nachts wäre ich mit einem Doppel-Stint (16 Runden) dran gewesen. Hätte, wenn und aber! Unser britischer Kollege hatte leider Kontakt mit der Leitplanke. Lenkung und Bremsen mussten getauscht werden, drei Stunden Verlust, das Rennen schien gelaufen. Doch beim 24-Stunden-Rennen gibt es kein Aufgeben. Das Erreichen des Ziels ist für jeden wie ein Sieg.

Ende einer Dienstfahrt: Der BMW M4 GT4 landet nach einem Dreher mit Einschlag in der Leitplanke auf dem Abschleppwagen.
Bild: BMW Group
Und so gingen wir um 5 Uhr wieder auf die Reise. Das nächtliche Chaos mit vielen Unfällen und Reifenschäden sind wir mit unserer Pause umgangen, der M4 lief wie ein Uhrwerk, bis 6.10 Uhr. Gebhardt und ein Cup-911 gerieten missverständlich aneinander, der Porsche hat uns nicht genug Platz gelassen, Dreher, Einschlag in die Leitplanke, das endgültige Aus für unsere 73!
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