Zwei Audi, zwei V6, zweimal Hybrid – aber dazwischen liegen Welten!
Ausgerechnet in Audis erster Formel-1-Saison kommt der neue RS 5 als Performance-Hybrid auf die Straße. Und Nico Hülkenberg hat den Vergleich beim vergangenen Rennen in Zandvoort besonders einfach gemacht: Der Formel-1-Pilot ist mit dem RS 5 an die Strecke gefahren – und dort in seinen anderen V6-Hybrid umgestiegen.
Also doch Formel 1 für die Straße? Nicht ganz. „Man kann nicht den V6 aus dem Formel-1-Auto nehmen und in einen Straßenwagen einbauen“, sagt Audi-Legende und heutiger F1-Racing-Director Allan McNish. Der dreimalige Le-Mans-Sieger sieht die Verbindung weniger in einzelnen Teilen als in „den Arbeitsweisen, den Prozessen und der Geschwindigkeit der Entwicklung“.

639 PS: Strom macht den RS 5 schneller

Unter der Haube des RS 5 arbeitet ein 2,9-Liter-V6-Biturbo mit 510 PS. Dazu kommt eine 177 PS starke E-Maschine. Macht zusammen 639 PS und 825 Nm. Dank Boost-Button entwickelt sich der RS 5 vom komfortablen Cruiser zum Beschleunigungs-Helden: 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Audis F1-Rennwagen kombiniert einen 1,6-Liter-V6-Turbo mit bis zu 350 kW starker Elektro-Power.
Bild: Audi
Hülkenbergs Formel-1-Audi dreht das Verhältnis deutlich stärker Richtung Strom: Der Verbrenner hat nur 1,6 Liter Hubraum, dafür darf die MGU-K bis zu 350 kW (476 PS) leisten.
Die entscheidende Gemeinsamkeit: Elektro-Power soll nicht nur Sprit sparen. Sie soll schneller machen. „Man muss schneller von A nach B kommen“, sagt McNish. „Das kann man mit mehr Leistung erreichen, aber auch mit höherer Effizienz.“ Seine verblüffend einfache Rechnung: „Je effizienter man ist, desto schneller ist man letztlich.“

McNish: Früher herrschte „Überfluss“

McNish kennt noch ganz andere Zeiten. „Wenn man an die V10-Zeit zurückdenkt und daran, wie viele Motoren wir in einer Saison verbraucht haben – das war einfach verrückt.“
Audi-F1-Rennleiter McNish gewann dreimal Le Mans.
Bild: Audi
Auch beim Benzin war die Formel 1 nicht gerade zimperlich. McNish: „Bezüglich des Kraftstoffs, den wir damals verbraucht haben, war das eine Zeit des Überflusses.“ Heute dagegen wird um jedes Joule gekämpft. Beim Bremsen wird Energie zurückgewonnen, gespeichert und später wieder zum Beschleunigen eingesetzt. Was früher als Wärme verpuffte, macht heute schneller.

Batteriekapazität: 25,9 gegen 1,1 kWh

Noch größer ist der Unterschied bei der Batterie. Der RS 5 trägt einen 25,9-kWh-Akku mit sich herum, 22 kWh davon sind nutzbar und reichen für mehr als 80 elektrische Kilometer. In der Formel 1 ist der nutzbare Energiehub des Speichers dagegen auf rund 1,1 kWh begrenzt – ein Zwanzigstel davon. Aber Hülkenberg muss damit schließlich auch nicht elektrisch zum Bäcker fahren.
Motor
V6-Turbo-Hybrid
Plug-in-Hybrid, V6-Biturbo
Hubraum
1,6 l 
2,9 l 
Leistung
ca. 770 kW (1000 PS), dabei 430 kW aus Verbrenner und 350 kW aus E-Maschine
470 kW (639 PS), 375 kW (510 PS) Verbrenner/130 kW (177 PS) Elektro 
max. Drehmoment
bis zu 900 Nm
825 Nm 
Antrieb
Heck / 8-Gang-Halbautomatik
Allrad / 8-Gang-Tiptronic
Leergewicht
768 kg
2430 kg
0–100 km/h
ca. 2,6 s
3,6 s
Höchstgeschwindigkeit
ca. 365 km/h
250 km/h
Batterie 
4 MJ (1,11 kWh)
25,9 kWh brutto
„Sie sind für völlig unterschiedliche Zwecke gebaut“, erklärt McNish. Im Rennsport geht es vielmehr darum, möglichst viel Energie möglichst schnell zu bewegen: mehr Energiedichte, „schneller rekuperieren und schneller boosten“.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie viel Strom gespeichert werden kann. Sondern wie schnell er beim Bremsen wieder eingesammelt und anschließend zum Beschleunigen genutzt wird – Runde für Runde.

So kommt Formel-1-Wissen in den RS 5

Wer jetzt allerdings glaubt, Audi schraube am Sonntagabend ein Teil aus Hülkenbergs Formel-1-Auto und montiere es am Montag in einen RS 5, wird enttäuscht. Technologietransfer funktioniert subtiler.
Der neue Audi RS 5 kombiniert V6-Biturbo und Elektromotor zu 470 kW (639 PS) Systemleistung.
Bild: Audi
McNish erinnert an Audis ersten Le-Mans-Hybrid: „Wir mussten zehn Prozent Gewicht aus dem Auto nehmen, um das Hybridsystem einzubauen und trotzdem das Gewichtslimit einzuhalten. Also mussten wir herausfinden, wie wir das Auto zehn Prozent leichter machen und gleichzeitig Festigkeit, Steifigkeit und Fahrverhalten erhalten.“
Daraus entstand Audis Ultra-Konzept, das später auch in die Entwicklung der Straßenautos einfloss. Für McNish zeigt das, dass Technologietransfer weit über einzelne Bauteile hinausgeht: „Vielmehr geht es auch darum, wie die Formel 1 mit Effizienz und Schnelligkeit zum Vorbild für das Unternehmen wird.“

Ist der RS 5 also Formel 1 für die Straße?

Nein. Und genau das ist vielleicht die interessanteste Erkenntnis. Der RS 5 hat den größeren Motor, einen großen Plug-in-Akku, quattro und muss neben Performance auch Komfort, Reichweite und Alltag können. Hülkenbergs Formel-1-Audi darf dagegen praktisch alles einer einzigen Sache opfern: der Rundenzeit.
  • Nico Hülkenberg kennt beide Welten: In Zandvoort kam er mit dem neuen Audi RS 5 an die Strecke und stieg dort in seinen Formel-1-Audi um.
Bild: Audi
Doch die Denkweise hinter beiden Autos ist mittlerweile erstaunlich ähnlich. Energie wird nicht einfach verbrannt. Sie wird zurückgewonnen, gespeichert und genau dann wieder eingesetzt, wenn sie am meisten bringt.
Und Hülkenberg? Der musste in Zandvoort nicht lange über die Unterschiede nachdenken. Er ist einfach aus dem einen Hybrid-Audi ausgestiegen und in den anderen ein.