So weit ist es gekommen. VW Golf, Mercedes A 200 und Audi A3 – ganz normale Kompakte mit Benzinern – sind fast schon Exoten.
Hinweis
VW Golf mit Rabatt kaufen
carwow.de
Inzwischen bevölkern zunehmend SUV, Crossover und Co. unsere Straßen, oft mit Hybrid- oder auch E-Antrieb. Im Vergleich zeigen die Klassiker VW, Benz und Audi noch mal, was sie so können.

Alle drei kommen in typischer Optik

Das Design ist jeweils im Stil des Hauses gehalten. Auch Nummer 8 ist unverkennbar ein Golf, der A3 tritt zackiger und schneidiger auf, der Benz geschlossen und harmonisch.
Audi A3 Sportback 35 TFSI S tronic Mercedes A 200 7G-DCT VW Golf 1.5 eTSI DSG
Unverkennbar: Der Mercedes setzt auf geschlossenes Design, der Audi kommt sportlicher daher, und der Golf ist und bleibt der Golf.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Beim Platzangebot nehmen sich die drei nicht viel – typische Kompaktklasse, vorn luftig und im Fond ganz ordentlich. Im VW sind die Sitze vorn sehr gut ausgeformt und bieten viel Seitenhalt. Auch im Fond sitzen Erwachsene anständig, weil relativ hoch und damit entspannt.

Golf-Infotainment arbeitet jetzt flüssiger

Die Instrumente sind ziemlich klein, die Kunststoffblende ringsum ist dafür umso größer. Das große, steil aufragende Zentraldisplay steht weit weg – man muss sich vorbeugen, um ranzukommen. Nach dem Facelift reagiert das System schneller als bisher, läuft flüssiger, die Grafiken sind klar und die legendär unsensiblen Sensorfelder jetzt beleuchtet.
VW Golf 1.5 eTSI DSG
Nicht optimal: Man muss sich nach vorne beugen, um das Touchdisplay des Golf-Infotainments zu erreichen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Verarbeitung ist routiniert, allerdings verbaut VW viel Hartplastik, und etwa an den Türrahmen im Fond ist nacktes Blech zu sehen – wie übrigens bei Mercedes und Audi auch. Frühere Golf-Generationen haben wir hochwertiger in Erinnerung.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid 
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid 
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid 
Einbaulage 
vorn quer 
vorn quer 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Zahnriemen 
Kette 
Zahnriemen 
Hubraum 
1498 cm³ 
1332 cm³ 
1498 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
110 (150)/5000 
120 + 10 (163 + 14)/5500 
110 (150)/5000 
Nm bei 1/min
250/1500 
270/k. A. 
250/1500 
Vmax
226 km/h 
225 km/h 
224 km/h 
Getriebe 
Siebengang-Doppelkupplung 
Siebengang-Doppelkupplung 
Siebengang-Doppelkupplung 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Vorderradantrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
225/40 R 18 Y 
225/45 R 18 W 
225/40 R 18 Y 
Reifentyp 
Nexen N’Fera Sport 
Michelin Pilot Sport 4 
Bridgestone Potenza S005 
Radgröße 
8 x 18" 
7,5 x 18" 
7,5 x 18" 
Abgas CO2* 
127 g/km 
143 g/km 
121 g/km 
Verbrauch* 
5,6 l 
6,3 l 
5,3 l 
Tankinhalt 
50 l 
43 l 
50 l 
Kraftstoffsorte 
Super 
Super 
Super 
Ottopartikelfilter 
Serie 
Serie 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
64 dB(A) 
68 dB(A) 
68 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1500/700 kg 
1600/720 kg 
1500/680 kg 
Stützlast 
80 kg 
80 kg 
80 kg 
Kofferraumvolumen 
380–1200 l 
350–1190 l 
381–1237 l 
Länge/Breite/Höhe 
4352/1816–1984**/1441 mm 
4428/1796–1992**/1423 mm 
4282/1789–2073**/1483 mm 
Radstand 
2635 mm 
2729 mm 
2620 mm 
Grundpreis
35.650 Euro
40.204 Euro
34.480 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
43.630 Euro
49.385 Euro
41.680 Euro
Der A3 ist klar und kühl eingerichtet, sauber verarbeitet. Auch hier mit ziemlich viel Hartplastik. Die Luftdüsen sehen aus wie bei Lamborghini – das war es dann aber auch mit den Ähnlichkeiten –, die Instrumente sind groß und gut ablesbar. Der Touchscreen ist besser in das Cockpit integriert als beim VW, leichter erreichbar.
Hinweis
Audi A3 Sportback mit Rabatt kaufen
carwow.de
Optik und Struktur gehen in Ordnung, allerdings läuft das System zäher als im renovierten Golf. Auch der A3 verfügt vorn über richtig gute Sitze, passend ausgeformt, mit Unterstützung auch im Schulterbereich, in der zweiten Reihe sitzt es sich ebenfalls angenehm.

Mercedes mit sehr guter Sprachbedienung

Der Mercedes ist, das kann man ruhig sagen, eine Spur feiner eingerichtet als VW und Audi, detailverliebter, etwa mit den sehr schönen Instrumenten und auffälligen Lüftungsdüsen. Der Multimedia-Touchscreen liegt allerdings auch hier relativ weit weg vom Fahrer, kommt aber mit der aufwendigsten Optik und logisch strukturierten Menüs, die MBUX-Sprachbedienung reagiert schneller und cleverer als die in Audi und VW, es gibt eine Extra- Bedienleiste fürs Klima und einen richtigen Lautstärkeregler.
Mercedes A 200 7G-DCT
Hochwertiger: Der Mercedes ist feiner gemacht, als Audi und VW. Und die Sprachsteuerung ist cleverer als bei der Konkurrenz.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Sitze im Benz kommen an die beiden anderen nicht ganz ran, sind weniger konturiert, mit weniger Seitenhalt. Im Fond sieht es nicht viel besser aus: Die Rückbank ist hier auffällig flach über dem Boden montiert – besonders größer gewachsene Menschen hocken da recht unglücklich in Bodennähe.

A-Klasse-Getriebe agiert unentschlossen

Angetrieben wird der Mercedes von einem 1,3-Liter-Vierzylinder-Mildhybrid mit 163 PS, die Kraftübertragung übernimmt ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Der Motor startet sanft, fühlt sich unter Last kräftig an und zieht stämmig durch. Bei höheren Touren neigt er allerdings zum Dröhnen.
Mercedes A 200 7G-DCT
Etwas ungeschliffen: Im Teillastbereich neigt die Automatik der A-Klasse zu verzögertem Anfahren und Unentschlossenheit.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Nicht ganz harmonisch läuft das Zusammenspiel mit dem Getriebe. Der A 200 fährt stets mit leichter Verzögerung an, das Getriebe wirkt im Teillastbereich unentschlossen. Auf der Landstraße oder der Autobahn legt sich dann die Nervosität.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,3 s 
2,9 s 
3,2 s 
0–100 km/h 
8,7 s 
8,2 s 
8,6 s 
0–130 km/h 
14,1 s 
13,7 s 
13,9 s 
0–160 km/h 
22,3 s 
21,8 s 
21,6 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,6 s 
4,5 s 
4,6 s 
80–120 km/h 
6,1 s 
6,0 s 
5,9 s 
Leergewicht/Zuladung 
1409/471 kg 
1448/472 kg 
1359/501 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
60/40 % 
59/41 % 
60/40 % 
Wendekreis links/rechts 
11,1/11,0 m 
11,0/11,0 m 
11,1/11,0 m 
Sitzhöhe 
500 mm 
520 mm 
515 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,7 m 
34,2 m 
34,0 m 
aus 100 km/h warm 
33,8 m 
34,1 m 
33,1 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
58 dB(A) 
59 dB(A) 
59 dB(A) 
bei 100 km/h 
66 dB(A) 
66 dB(A) 
67 dB(A) 
bei 130 km/h
69 dB(A)
70 dB(A)
70 dB(A)
bei 160 km/h
72 dB(A)
72 dB(A)
72 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
5,0 l S/100 km 
5,7 l S/100 km 
4,9 l S/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
6,2 l S/100 km
(+11 %)
6,9 l S/100 km
(+10 %)
6,1 l S/100 km
(+15 %)
Sportverbrauch 
8,0 l S/100 km 
8,8 l S/100 km 
7,9 l S/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
147 g/km 
164 g/km 
145 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
805 km 
620 km 
815 km 
Golf und A3 werden vom gleichen 1,5-Liter-Vierzylinder mit 150 PS angetrieben, bestens bekannt aus dem Konzern-Baukasten und ausgelegt als Mildhybrid mit Zylinderabschaltung. Für die Kraftübertagung ist hier das ebenso vertraute Siebengang- Doppelkupplungsgetriebe zuständig. Das Ensemble funktioniert etwas flüssiger als das im Benz, besser verschliffen. Auch das bisher fürs VW-DSG typische Rupfen und Ruckeln ist merklich weniger geworden.

Im A3 Sportback steckt etwas mehr Dynamik

Der 1,5-Liter selbst dreht nicht übermäßig locker (das konnte der 1,4-Liter-TSI damals besser), läuft durchaus kernig, bei höheren Drehzahlen auch brummig bis dröhnig. Im Audi bleibt es dabei insgesamt einen Hauch leiser – der A3 scheint besser gedämmt.
Audi A3 Sportback 35 TFSI S tronic
Abstimmungssache: Der A3 liegt griffiger auf der Straße als sein Technikbruder Golf, das Fahrwerk federt etwas steifer an.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Den A3 hat Audi, so viel Spaß muss sein, herzhafter abgestimmt als VW den Golf. Er federt steifer an, liegt eine Spur bissfester und griffiger. Die Lenkung arbeitet schnell und präzise, könnte – nur für unseren Geschmack – gern einen Hauch mehr Rückmeldung liefern – insgesamt alles eine sehr runde Sache.

VW setzt beim Golf auf Ausgewogenheit

VW legt bei seinen Autos traditionell Wert auf Ausgewogenheit. Und wie harmonisch, wie angenehm sich der Golf fährt, ist schon große Kunst. Genau in der Balance zwischen Komfort und Handlichkeit, unaufgeregt, aber nicht langweilig. Auch die Lenkung ist harmoniesüchtig, bleibt komplett unauffällig und folgt den Lenkbefehlen einfach intuitiv.
VW Golf 1.5 eTSI DSG
Große Kunst: VW hat das Golf-Fahrwerk perfekt abgestimmt – genau in der Mitte zwischen Komfort und Handlichkeit. Auch die Lenkung passt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Über eine angenehme, aussagefähige Lenkung verfügt der A 200 auch, kommt aber an die Lenkpräzision von Audi und VW nicht ganz heran. Als Einziger im Vergleich besaß er hier keine adaptiven Dämpfer – was überhaupt kein Verlust ist.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
563
553
527
Platz
1
2
3
Fazit
Das beste Gesamtpaket.Mit kluger Raumausnutzung und ausgewogenenFahreigenschaften.
Die etwas sportivere Variante des Golf. Mit auffälligerem Design und herzhafterer Federung.
Schöne Einrichtung, modernes Multimedia, angenehmes Fahrverhalten. Aber viel zu teuer.
Denn auch so federt der A 200 souverän, nimmt Querfugen ähnlich sensibel wie der Golf, wird nur auf langen Wellen etwas unruhiger. Im direkten Vergleich mit Audi und VW fühlt er sich etwas schwerer an, wiegt ja knapp 40 Kilogramm mehr als der A3 und fast 90 mehr als der Golf, lenkt eine Spur bedächtiger ein.

Mercedes ist deutlich teurer als Audi und VW

In der Eigenschaftswertung liegen am Ende alle drei eng zusammen – die Preise bringen die Entscheidung. Vor allem gegen den Mercedes. Denn den A 200 gibt es erst ab 40.204 Euro, den A3 ab 35.650 und den Golf ab 34.480 Euro. Manches bleibt eben, wie es immer war – und der Golf vorn.

Bildergalerie

Audi A3 Sportback 35 TFSI S tronic Mercedes A 200 7G-DCT VW Golf 1.5 eTSI DSG
VW Golf 1.5 eTSI DSG
Audi A3 Sportback 35 TFSI S tronic
Galerie "Drei Kompakte im Vergleichstest" mit 32 Bildern öffnen
Drei Kompakte im Vergleichstest

Fazit

Alle drei sind geräumige und sinnvoll motorisierte Kompakte mit guten Fahreigenschaften. Der Golf sammelt unermüdlich Punkte – größter Kofferraum, höchste Zuladung, beste Bremsen und so weiter. Der Audi spielt die Design-Karte, der Mercedes fährt jederzeit auf Augenhöhe – kostet aber einfach zu viel.