Schnellster BMW. Mit nichts anderem gibt sich Tuner AC Schnitzer zufrieden, und das seit vielen Jahren. Beispiele? 2007 fuhr man mit dem zehnzylindrigen GP3.10 7:55 Minuten auf der Nordschleife und holte mit 318,1 km/h den Weltrekord für flüssiggasbetriebene Fahrzeuge. 2011 dann der erste Auftritt auf dem Sachsenring, gleich Diesel-Rekord mit einem umgebauten Z4 99d.

Es folgten sensationelle Auftritte mit dem 1er M Coupé (1:35,80 Min.) und dem M4 beim Rekordtag (1:31,80 Min.). Aktuell ist der BMW-Rekord auf dem Sachsenring in anderen Händen (Lightweight M4: 1:29,73 Min.). Aber man ist zumindest mit dem M8 Gran Coupé schnellste Limousine (1:31,34 Min.). Sie haben richtig gelesen, die Zeiten haben sich dramatisch geändert. Unglaublich, wozu diese teilweise doch schweren Autos imstande sind – und es mit den Sportwagen aufnehmen.
AC Schnitzer BMW M4 Competition
Die farbige Motoroptik gibt es für 535 Euro. Das Zusatzsteuergerät für 590 PS kostet 5925 Euro, inklusive Garantie.

2022: AC Schnitzer hat als einer der ersten Veredler den neuen M4 nachgeschärft. Klares Ziel: Angriff auf die Krone. "AC-M 4600" ist dabei aber nur die Vorhut, quasi das erste Abtasten mit dem neuen Material, bevor man im Sommer zur großen Rekordjagd ausholen will. Für den "ersten Schuss" kommt aber trotzdem schon so ziemlich alles an Bord, was schnell macht.

AC Schnitzer M4 590 statt 510 PS

Der Sechszylinder-Biturbo leistet per Zusatzsteuergerät schon 590 statt 510 PS. Später sollen dann 610 PS möglich sein. Für kernigere Töne ist der Nachschalldämpfer gegen ein Schnitzer-Teil mit vier 110 Millimeter dicken Ofenrohren ausgetauscht worden.
Für die Show gibt es Frontsplitter, Winglets, Dachspoiler und einen Heckflügel mit angesagter Schwanenhals-Aufhängung. Das serienmäßige Adaptivfahrwerk musste einem verstellbaren Rennsport-Gewindefahrwerk weichen.
In den Radhäusern stecken leichte, geschmiedete AC3. Schwarz lackiert, 10 x 20 Zoll groß rundum. Besohlt mit 285er und 295er Michelin Cup 2. Fazit: im Vergleich zur Serie breitere Vorderachse, Gewindefahrwerk, spezielle Spurlenker für die Hinterachse und griffige Michelins – klingt schon in der Theorie schneller als die Serie. Und die war 2021 bereits extrem schnell. Abwarten, vor dem Sachsenring muss sich der M4 erst mal auf der Straße und dem Flugplatz beweisen.
AC Schnitzer BMW M4 Competition
Mit dem Plus an Power und mechanischem Grip beschleunigt der M4 extrem engagiert aus den Ecken heraus.

Das Schöne an den Schnitzer-Autos: Eine Runde am Ring funktioniert genauso gut, wie zum Bummeln in die Stadt zu fahren. Kein prolliges Auspuffgedröhne, keine störenden Schweller und Spoiler, kein On-off-Gas. Und Rückenschmerzen bekommt man mit dem Fahrwerk auch nicht. Sein bevorzugtes Revier sind aber Landstraßen und Autobahnen.

In 3,5 Sekunden auf Tempo 100

Der aufgedrehte Sechszylinder-Biturbo gibt seine Kraft überraschend gleichmäßig ab. Selbst nah am Drehzahlbegrenzer ist deutlich mehr Druck vorhanden als beim Serien-M4. 250 Sachen sind im Nu erreicht, bis 290 dauert es doch etwas länger. Vielleicht bremsen die Spoiler etwas, sei es drum, schnell ist er.
Was sagt das Messgerät? Per Launch Control und mit warmen Cup-Reifen geht es fast schlupffrei aus dem Startblock. Werksangabe sind 3,9 Sekunden, das Supertest-Auto schaffte 3,6, der Schnitzer ist noch mal eine Zehntel schneller. Auch bis 200 ist das graue Coupé knapp vorn, bei 250 sieht das Werksauto dann aber nur noch die Rücklichter. Der Sound? Deutlich männlicher als die Serie.
AC Schnitzer BMW M4 Competition
Rohrgeflecht, vier 110er Rohre mit Carbon blenden das sieht nicht nur nach guter Musik aus, das klingt auch richtig gut.

Ab zum Sachsenring, Schnitzer-Entwickler Roman Fenners will wissen, wo man steht. Zuerst ein paar Runden auf den softeren Michelin Pilot Sport 4 S. Sensationell, wie das Ding einlenkt und gierig der Ideallinie folgt. Die Zusatzpower ist spürbar, die Fahrwerksabstimmung erhöht den mechanischen Grip des M4 deutlich. Zeit? 1:32,92, eine Sekunde schneller als die Serie mit dem gleichen Pneu. Dann die Cup 2 aus den Heizdecken gepellt und los.
Keine Rutscher im Omega, die Dreifachlinks in einer Linie, ein echter Traktionsheld. An zwei, drei Ecken ist die Hinterachse noch etwas zu locker, mit noch mehr Reifengrip aber lösbar. Mit 1;31,60 Minuten ist klar: Die Rekordmarke der Konkurrenz sollte 2022 fallen.

Technische Daten und Preis: AC Schnitzer BMW M4 Competition

Motorbauart: R6
Aufladung: Biturbo
Einbaulage: vorn längs
Ventile/Nockenwellen: 4 pro Zylinder/4
Hubraum: 2993 cm³
kW (PS) b. 1/min: 434 (590)/6500
Literleistung: 197 PS/l
Nm b. 1/min: 750/3500-4500
Getriebe: 8-Stufen-Automatik
Antriebsart: Hinterrad
Bremsen vorn: 400 mm innenbel./gelocht
Bremsen hinten: 380 mm innenbel./gelocht
Bremsscheibenmaterial: Carbon-Keramik
Radgröße vorn – hinten: 10 x 20 – 10 x 20
Reifengröße vorn – hinten: 285/30 R 20 – 295/30 R 20
Reifentyp Michelin Pilot Sport Cup 2
L/B/H: 4794/1887/1373 mm
Radstand: 2857 mm
Tank-/Kofferraumvolumen: 59/440 l
Normverbrauch • CO2: 9,9 l/100 km • 227 g/km
Abgasnorm: Euro 6d
Basispreis: 92.000 Euro
Testwagenpreis: 142.644 Euro

Fazit

Der Schnitzer-M4 pulverisiert nicht nur die Rundenzeit des Serienautos, das Aachener Coupé ist auch geradeaus spürbar dynamischer. Der Rundenrekord ist eigentlich nur noch reine Form- und Reifensache.