ADAC: neues Testlabor für Elektroautos
Extrem-Simulationen für Tesla und Co

Bild: ADAC
- Manuel Bauer
Das Thema Reichweite ist einer der großen Knackpunkte der Elektromobilität, der nach wie vor viele Menschen vom Kauf eines E-Autos abschreckt. Zwar gibt es mittlerweile Fahrzeuge, die zumindest theoretisch 800 Kilometer und mehr mit einer Akkuladung zurücklegen können – die kann allerdings kaum jemand bezahlen.
Hinzu kommt, dass die tatsächliche Reichweite von vielen Faktoren abhängt, die Hersteller bei ihren Angaben oft nicht mit einkalkulieren. Dazu gehören etwa die schwankenden Außentemperaturen, die individuelle Fahrweise, die Nutzung weiterer Verbraucher (darunter die Klimaanlage) sowie andere Unwägbarkeiten, etwa ein Stau. Um zu diesen Szenarien aussagekräftigere Angaben machen zu können, hat der ADAC nun ein neues Testlabor eröffnet.
Der neue Allrad-Prüfstand mit Klimakammer und Schnellladetechnik im ADAC Technik Zentrum in Landsberg am Lech kann unterschiedlichste Extremsituationen simulieren, um Energieverbrauch und -effizienz sowie Reichweite und Ladeverhalten von Elektroautos in allen erdenklichen Lebenslagen zu testen. Hier sind Außentemperaturen von minus 20 bis plus 40 Grad Celsius möglich.
Zum Auftakt musste ein Tesla Model Y einen simulierten achtstündigen Stau in brüllender Sommerhitze über sich ergehen lassen, wie er in der aktuellen Urlaubssaison keine Seltenheit auf Europas Straßen ist. Der Wagen startete mit einem Akkustand von 60 Prozent in den Test und wurde die gesamte Zeit über im Camping-Modus betrieben, der eine durchgängige Klimatisierung auf 20 Grad Celsius bewirkte.
E-Auto deutlich effizienter als Verbrenner
Die Außentemperatur wurde mithilfe von UV-Lampen auf bis zu 35 Grad Celsius hochgeschraubt, wodurch sich das Armaturenbrett des Tesla auf bis zu 45 Grad Celsius erhitzte. Die Außenseite der Windschutzscheibe erreichte gar Temperaturen von 60 Grad Celsius. Dennoch stieg die Temperatur im Kopf- und Fußbereich des Innenraums nie über 25 Grad Celsius.
Die Überraschung: Dieses vermeintliche Albtraumszenario für E-Auto-Fahrer entpuppte sich am Ende des Tages als weit weniger dramatisch, als man annehmen könnte. Die Klimaanlage benötigte laut ADAC abgesehen von kleineren Schwankungen durchgehend 1,5 Kilowatt Strom und verbrauchte während des gesamten Tests überschaubare 12 Kilowattstunden an Energie.
Das entspricht 16 Prozent des Batterieladezustands und einem Reichweitenverlust von acht Kilometern pro Stunde. Unterm Strich verlor das Model Y durch die extreme Belastung also 64 Kilometer an Reichweitenpotenzial. Damit bestand es den Test laut ADAC mit einer besseren Effizienz als ein vergleichbarer Verbrenner. Der würde dem Automobilclub zufolge in der simulierten Situation zwischen einem und 1,5 Liter Kraftstoff pro Stunde verbrauchen und dabei umweltschädliche Abgase erzeugen.
Das entspricht umgerechnet 10 bis 15 Kilowattstunden pro Stunde oder 80 bis 120 Kilowattstunden für den gesamten Testzeitraum. Da hat das E-Auto mit seinen 12 Kilowattstunden Gesamtverbrauch die Nase deutlich vorn. Laut ADAC ist das Testergebnis eine klare Entwarnung für E-Auto-Fahrer – die müssen bei ausreichend Restkapazität keine Angst davor haben, in einem Stau die Klimaanlage laufen zu lassen.
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