Wie effizient ist die Elektroauto-Kühlung im Innenraum?
So viel Strom frisst die Klimaanlage im Elektroauto

Bild: UWE RATTAY
Elektroautos haben nur eine Energiequelle: den Akku. Während sich Verbrenner ihre Energie für Heizung und Klimaanlage in den meisten Fällen vom Motor (über Kühlwasserkreislauf bzw. riemengetriebenem Klimakompressor) ziehen, saugt das E-Auto alle Energie für elektrisch betriebene Komponenten aus dem Akku. Und diese Leistung fehlt dann für den eigentlichen Vortrieb. Kühlen kostet also, ebenso wie das Heizen des Elektroautos im Winter, Reichweite. Aber wie viel genau?
Moderne Autos sind fahrende Wärmespeicher: Schrägstehende Front- wie Heckscheibe sowie exzellente Dämmung sorgen dafür, dass sich das Fahrzeuginnere bei starker Sonneneinstrahlung gewaltig aufheizt. Wehe, wenn die Klimaanlage nicht funktioniert! Oder wenn der E-Auto-Akku leer wird, weil die Klimaanlage daraus permanent Unmengen an Strom abgezapft hat. Doch ist das überhaupt eine Gefahr?
Der ADAC hat geprüft, wie hoch der Stromverbrauch einer Klimaanlage im Elektroauto ist. Dazu wurde die neue Klimakammer des Forschungszentrums in Landsberg am Lech auf 35 Grad Celsius aufgeheizt. So simulierte der ADAC einen achtstündigen Stau in sommerlicher Gluthitze. Als Testwagen stand ein Tesla Model Y zur Verfügung, dessen Akku zu Testbeginn einen Füllstand von 60 Prozent aufwies.

Gerät man bei sommerlicher Hitze in einen Stau, muss die Klimaanlage auf Hochtouren arbeiten. Das kostet viel Energie, ohne einen Meter vorwärtszukommen.
Bild: DPA
UV-Lampen imitierten die Sonneneinstrahlung und heizten das Cockpit auf 30 bis 45 Grad Celsius auf. Außen auf der Frontscheibe entstanden zwischenzeitlich 60 Grad. Die Klimaanlage des elektrischen SUV war auf 20 Grad Celsius eingestellt. Das schaffte das Kühlaggregat nicht, hielt den Innenraum aber während der Testdauer konstant unter 25 Grad.
Pro Stunde gingen acht Kilometer weg
Die Kühlleistung betrug relativ konstant 1,5 kW – wurden die UV-Lampen umgestellt oder die Türen geöffnet, nahm dieser Wert ab bzw. zu. Während der acht Stunden im imaginären Stau verbrauchte der Tesla Model Y etwa 12 kWh, also etwas mehr als ein Sechstel (16 Prozent) des Stromvorrats im Akku. Pro Stunde ging also Strom für acht Kilometer Reichweite in die Kühlung – das entspricht zwei Prozent der Akku-Kapazität.
Das zeige, dass "E-Auto-Fahrer keine Angst haben müssen, liegen zu bleiben, falls sie bei hohen Temperaturen in einen langen Stau geraten und die Klimaanlage aktiviert lassen", resümiert ein ADAC-Sprecher. Übrigens: Auch im Winter können Elektroautos inzwischen so effizient beheizt werden, dass sie über lange Zeit warm bleiben, ohne dass der Fahrakku zu versiegen droht.
Fazit
Es muss ja nicht gleich ein 40-Kilometer-Autobahnstau sein – bereits in der Rushhour an der roten Ampel oder vor dem Bahnübergang können wir das Phänomen beobachten: Die Fahrzeugkolonne steht, und alle Motoren laufen bzw. springen trotz Start-Stopp-Automatik nach einer Weile wieder an, weil die Klimaanlage so viel Leistung abverlangt. Nur die (wenigen) E-Autos dazwischen warten still und leise – und vor allem ohne lokale Schadstoffemission –, bis der Weg wieder frei wird. Und nun haben wir es auch schwarz auf weiß, einen weiteren Kilometerstein auf dem Weg zur Erkenntnis, dass Elektromobilität die überlegene Technologie ist: Klimaanlagen in E-Autos kühlen effizienter als in Verbrennern. Ein Grund mehr, sich vor dem nächsten Autokauf auch mal bei den Batteriefahrzeugen umzuschauen.
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