Alfa Romeo 164

Alfa Romeo 164 (1988-1998)

Aus Freude am Schrauben

Liebe tut manchmal weh. Der 164er verdreht manchem Romeo den Kopf - und bricht ihm dann das Herz. Der Technik-Teufel sitzt im Detail.

Karosserie und Elektrik

Lieben heißt leiden. Wer kennt diese Weisheit besser als Alfa-Fahrer? Wer einen guten gebrauchten 164er sucht, leidet besonders. Die ersten Baujahre nervten schon als Neuwagen mit schlampiger Verarbeitung, die selbst mit viel MĂŒhe kaum nachgebessert werden konnte. Mit Elektrik-Defekten muss man leben lernen, wobei hier unterschiedliche Reaktionen bei 164-Besitzern zu beobachten sind: Wer aus einem Japan-Derivat umsteigt, wird rasch verzweifeln. Besitzer eines Alfa 33 hingegen bemerken gerne, dass die Kontroll-Lampen des 164 gar nicht so hĂ€ufig blinken. Hier manipulieren aber unehrliche VerkĂ€ufer gern und kappen den Anschluss der LĂ€mpchen. Ein Druck auf die Test-Taste im Cockpit lĂ€sst alle Kontrollen mit Ausnahme der ABS-Lampe aufblinken - und schon herrscht Gewissheit.

Der 164 basiert auf der Typ-4-Plattform, die von Fiat, Alfa, Lancia und Saab entwickelt wurde. Das sollte Kosten senken und die QualitĂ€t heben. Beim Blech ist das gelungen, dank Teilverzinkung trotzt der 164 wacker der braunen Pest. Im Gegensatz zu seinen Federbeinen, die vor allem bei frĂŒhen Baujahren gern am Federteller rosten. Bricht diese Korrosionsstelle wĂ€hrend einer Kurvenfahrt, kann es brenzlig werden. Das Fahrwerk hĂ€lt aber noch weitere Überraschungen parat. "Schwimmt" der Alfa in der Kurve, sollte die HebebĂŒhne das Fahrtziel sein. Profis erkennen sofort, ob die Achslager verschlissen sind. Leider kann hier nicht wie bei anderen Typen das Lager aus seiner FĂŒhrung ausgepresst und ersetzt werden. Vielmehr ist ein kompletter Tausch der vorderen Querlenker und meist auch der hinteren LĂ€ngslenker nötig.

LĂ€utet wĂ€hrend des Werkstattaufenthalts das Telefon, ersucht der Meister wahrscheinlich um Erlaubnis zum Bremsentausch. An der Vorderachse ersetzen sportliche Fahrer alle 15.000 Kilometer die Klötze. GrundsĂ€tzlich empfehlen wir Originalersatzteile, doch hier gilt eine Ausnahme: In Alfa-Kreisen erfreuen sich Bremsen der Marke Ferodo großer Beliebtheit. Sie sollen wesentlich haltbarer sein, allerdings haben wir dies noch nie getestet. An der Hinterachse nervt wiederholt die defekte Feststellbremse. Je nach Art des Defektes kann man den Bremssattel ĂŒberholen oder besser gleich erneuern - keine Arbeit fĂŒr Freizeit-Schrauber, hier wird Pfusch rasch lebensgefĂ€hrlich.

Motor und Antrieb

Ebenso sollte der Motor auch nur in wissende HĂ€nde gelangen, denn bei schlampiger Arbeit zeigt sich der Italiener sehr nachtragend. Das Werk schreibt je nach Motorisierung einen Zahnriemenwechsel-Intervall von 80.000 bis 120.000 Kilometern vor. Wer sich daran hĂ€lt, kann den Motor auch gleich tauschen, denn meist reißt der Riemen schon vorher. Alfa-Kenner empfehlen schon bei 60.000 km einen neuen Riemen und minimieren so das Motorschaden-Risiko. Bis 95 verbaute Alfa noch wenig zuverlĂ€ssige hydraulische Zahnriemenspanner, die schon viele Triebwerke auf dem Gewissen haben. Der spĂ€ter verwendete mechanische Spanner kann aber nachgerĂŒstet werden.

Ebenso ein Problem der Ă€lteren Fahrzeuge ist die Wasserpumpe. Ein Austausch kostet im Markenbetrieb inklusive Arbeitszeit und Steuer rund 380 Euro. Arbeitsintensiv wird es, wenn der Ölverbrauch weit ĂŒber einen Liter pro 1000 Kilometer steigt. Dann wollen die Ventilschaftdichtungen gewechselt werden, dazu muss man auch die Nockenwelle ausbauen. Sind die Nocken eingelaufen, fehlt es dem Motor an Kraft und es lohnt eine komplette Zylinderkopf-Überholung. Dabei kann man bei jĂŒngeren Fahrzeugen mit hydraulischem Ventilspielausgleich die Hydraulikstössel tauschen, wenn sich diese zuvor mit lauten Klappern bemerkbar machten.

SĂ€mtliche MĂ€ngel und Reparatur-Tipps rĂŒcken den 164 rasch in falsches Licht. Wenige Limousinen dieser Klasse sind vergleichbar gĂŒnstig am Gebrauchtwagenmarkt und bieten diese Fahrfreude. Leider sind zahlreiche Autos in HĂ€nden mit wenig Geld und sehen selten einen Marken-Mechaniker. Ein großer Alfa Romeo ist eben kein Auto fĂŒr schmale Brieftaschen und wird nach Billig-Reparaturen rasch zum Problemfall. Neben abgestempeltem Serviceheft, gutem Zustand und niedriger Laufleistung sollte auch der VerkĂ€ufer einen vertrauenerweckenden Eindruck hinterlassen. Alfa-Kauf ist Vertrauenssache.

Historie, SchwÀchen, Kosten

Modellgeschichte 11/88 EinfĂŒhrung in Deutschland mit Zweiliter-Vierzylinder (143 PS) oder Dreiliter-V6 (184 PS) 6/90 Quadrofoglio Verde (grĂŒnes Kleeblatt) mit Rundumspoilersatz und auf 200 PS angehobener Leistung 9/91 Zweiliter-V6-Turbo, 205 PS 9/92 Modellpflege, zu erkennen an Ellipsoid-Scheinwerfer. Quadrofoglio Super mit 210 PS, 24V mit 232 PS 1/94 Fahrerairbag und Gurtstraffer Serie, neuer 2,5-l-TD mit 125 PS 9/98 Modellwechsel zum 166

Schwachstellen ‱ Ölverlust an Motor (rechts) und Getriebe tritt beim 164 sehr hĂ€ufig auf, kommt teuer in der Beseitigung ‱ Motoren neigen zu Überhitzungen, was oft Folgeschaden eines gerissenen Keilriemens oder defekten Thermoschalters ist. Beim V6 sind dann in der Regel gleich zwei Zylinderkopfdichtungen zu wechseln ‱ Zahnriemen sorgen bei sĂ€mtlichen Maschinen fĂŒr kapitale MotorschĂ€den ‱ Elektrik hĂ€lt einige Überraschungen bereit, eine SpezialitĂ€t sind falschen Alarm anzeigende Kontrollleuchten ‱ Bremsanlage weist hohen Verschleiß an Scheiben und BelĂ€gen auf

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Alfa 164 3.0 V6 Super, 132 kW/180 PS, Bj. 94. AuffĂ€llig ist, dass ausgerechnet die oft benötigten Verschleißteile der Bremsen sehr teuer sind. Kein Wunder, dass viele Alfisti im freien Handel kaufen.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Alfa 164 offenbart bei der Hauptuntersuchung ein breites MĂ€ngelspektrum. Am ausgeprĂ€gtesten ist der Ölverlust an Motor und Getriebe, der bei Ă€lteren Baujahren besorgniserregende Ausmaße erreicht. Außerdem leidet die Bremsanlage unter dem oft forschen Fahrstil der Alfisti - Bremsscheiben und -belĂ€gen ist da keine lange Lebensdauer beschieden. Haltbar sind jedoch Bremsleitungen und -schlĂ€uche, ganz im Gegensatz zu den Lenkgelenken." Gunnar Dahm, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Alfa 164 3.0 V6 Super (132 kW/180 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 325 Euro im Jahr/Euro 1 Testverbrauch: Werksangabe 12,4 Liter, gemessen 12,2 Liter (S) Versicherung: Vollkasko (32/500 Euro SB): 2404 Euro; Teilkasko (38/150 Euro SB): 643 Euro; Haftpflicht (22): 1240 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife fĂŒr Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer. Kosten: etwa 250 bis 400 Euro Wertverlust: VierjĂ€hrige verlieren rund 71 Prozent vom Neupreis (HĂ€ndlerverkaufspreis), danach jĂ€hrlich um 1500 Euro Verlust
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