Design, Emotion, Tradition. Kaum eine Marke verkörpert diese Attribute so wie die mit dem Mailänder Kreuz und der gekrönten Schlange im Wappen.
Tragen darf es seit 2024 der Junior. Der hieß auch kurz mal Milano, aber das ist eine ganz eigene Geschichte. Wir möchten der Frage nachgehen, welcher Junior mehr die Attribute von Alfa Romeo verkörpert – der Hybrid oder das E-Auto.

Überblick: Welcher Alfa Romeo Junior passt zu wem?

  • Alfa Romeo Junior Ibrida: Der Ibrida eignet sich für Fahrer, die Alfa-Romeo-Design mögen, aber keine Kompromisse bei Reichweite und Alltagstauglichkeit eingehen wollen.
  • Alfa Romeo Junior Elettrica: Der Elettrica passt zu Fahrern, die überwiegend im urbanen Umfeld unterwegs sind und den komfortableren und harmonischeren Antrieb bevorzugen.
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Alfa Romeo

Junior Elettrica

Alfa Romeo Junior Elettrica

In Fahrt zeigen sich deutliche Unterschiede

Optische Anleihen an 8C Competizione und Giulia TZ sollen für Italo-Flair sorgen – zumindest verspricht es der Katalog. Auf der Straße kommt das allerdings nicht immer an. In Sachen Antrieb ist der Elettrica mit einem guten Espresso, der Ibrida mit warmer Milch vergleichbar. Schon vor dem Start nervig: der Startknopf mit Gedenkminute statt -sekunde. Während der E-Motor für guten Schub sorgt, wirkt der Hybrid erst bei höherem Tempo im Ansatz lebendig.
Alfa Romeo Junior Elettrico Alfa Romeo Junior Ibrida
Vorteil Stromer: Der Elettrica überzeugt im Test mit dem insgesamt harmonischeren Antrieb – auch wenn der Ibrida nach Messwerten der schnellere Alfa Romeo Junior ist.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Sechsgang-Doppelkuppler zeigt sich in den unteren Gängen hin und wieder unsicher, ruckelt gern mal vor sich hin – ein Problem, das der Elettrica naturgemäß nicht kennt und dadurch in dieser Hinsicht stimmiger wirkt. Rekuperieren können beide, aber nur einstufig. Klappt einwandfrei, ist aber tatsächlich etwas weniger angenehm als bei der Konkurrenz.

Klarer Reichweitenvorteil für den Ibrida

Keine echte Konkurrenz gibt es bei den zwei Junioren im Kapitel Reichweite. Im Test trennen sie rund 414 Kilometer von Säule zu Säule – klarer Sieg für den Ibrida. Mit seinen 331 Kilometern Testreichweite ist der Elettrica am Ende eher ein Kandidat für die Großstadt und den gelegentlichen Wochenendausflug. Er lädt mit 11 kW AC und maximal 100 kW DC – das passt für die Klasse.
Alfa Romeo Junior Elettrico Alfa Romeo Junior Ibrida
Deutlich vorne: Wenn es um die Reichweite geht, sollte es der Benziner sein. Er schlägt den Stromer mit 745 zu 331 Kilometern.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Über den Federungskomfort können wir indessen bei beiden nicht klagen. Dazu muss gesagt sein, dass auch hier der Elettrica aufgrund seines höheren Gewichts (+92 Kilogramm) ein besseres Bild abgibt. Er federt souveräner als sein hybrides Geschwisterkind.
In flotten Kurven neigt die Karosserie bei beiden jedoch zu Aufbaubewegungen. In Sachen Lenkung spendiert Alfa eine hauseigene Abstimmung, die allerdings bei schnellen Richtungswechseln eine gewisse Verbindlichkeit vermissen lässt.

Üppiger Hartplastik-Einsatz im Innenraum

Der Innenraum des Junior überzeugt mit eigenständiger Sportlichkeit und bereichert je nach Ausstattung sogar mit Alcantara. Angesichts des üppigen Hartplastik-Einsatzes kommt das aber kaum zur Geltung. Bei einem Grundpreis von fast 31.000 Euro erwarten wir etwas mehr Flair.
Alfa Romeo Junior
Das geht besser: Die gesamte Oberseite des Armaturenträgers besteht aus Hartplastik. Gut hingegen: Alcantara am Lenkrad und in der Mittelkonsole.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Schuld ist wohl der Sparzwang bei Stellantis: Alfa verbaut beim Junior viel aus dem Konzernregal – Touchdisplay, Startknopf, Fahrmodus-Schalter und die Lenkradtasten kommen uns doch sehr bekannt vor.
Alfa Romeo Junior
Trotz ausgeschnittener Vordersitze: Der Fond bleibt eng, hier sitzen nur kleine Passagiere auf Dauer bequem – auch wenn die Kopffreiheit üppig ist.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im Fond sitzen allein Bambini über einen längeren Zeitraum bequem. Pluspunkt: die üppige Kopffreiheit. Vorn sitzt es sich solide auf dem regulären Gestühl, zur Wahl steht aber auch ein sehr sportlicher, eng geschnittener Sabelt-Sitz mit Ausschnitten (2500 Euro im Paket ab Linie Ti) – vor dem Kauf auf jeden Fall mal reinsetzen.

Grundpreise über 30.000 Euro

Bleibt das Thema mit dem Kauf und damit den Kosten. Für das Esperienza (Erlebnis) Alfa Romeo Junior braucht es mindestens 30.450 Euro, der Elettrica kostet ab 39.500 Euro. Happig! Dafür gäbe es eine lebenslange Versorgung mit Gelato in Italien. Zum Glück ist die Liste der optionalen Ausstattung nicht mehr allzu lang.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor
Elektromotor
Dreizylinder, Turbo, Mildhybrid
Leistung/Systemleistung
115 kW (156 PS)
107 kW (145 PS)
Drehmoment
260 Nm
230 Nm
0–100 km/h
9,0 s
8,9 s
Vmax
150 km/h
200 km/h
Antrieb/Getriebe
Vorderrad/Einganggetriebe
Vorderrad/Sechsgang-Doppelkupplung
Verbrauch/Reichweite (WLTP)
15,1 kWh/100 km/410 km
4,8 l S/100 km/k. A.
Testverbrauch/Reichweite
16,6 kWh/100 km/331 km
5,9 l S/100 km/745 km
Batteriekapazität/Tank
51 kWh (netto)
44l
Länge/Breite/Höhe
4173/1781-1981/1533 mm
4173/1781-1981/1533 mm
Radstand
2562 mm
2562 mm
Kofferraum
415–1280 l
400–1265 l
Leergewicht/Zuladung
1599/441 kg
1507/458 kg
Anhänge-/Stützlast
–/–
1100/48 kg
Typklassen (HPF/TK/VK)
14/19/25
17/18/25
Grundpreis
39.500 Euro
30.450 Euro
Kraftstoff-/Stromkosten (60.000 km)*
4382,40 Euro
7080 Euro
Wartung (4Jahre)
1000 Euro
1800 Euro
Steuer (4 Jahre)
0 Euro
208 Euro
Versicherung (HPF/VK 4 Jahre)
6288,80 Euro
6317,04 Euro
Wertverlust (4 Jahre; 60.000 km)**
22.199 Euro
14.399,81 Euro
Gesamt
33.870,20 Euro
29.804,85 Euro
Kosten pro Kilometer
0,56 Euro
0,50 Euro
Beim reinen Blick auf den Euro pro Kilometer trennt beide wenig. Gewaltig ist dagegen der Wertverlust nach nur vier Jahren – keine Überraschung bei der rasanten Entwicklung in der E-Mobilität. Wichtig ist daher ein gründlicher Blick auf Fahrprofil und Haltedauer. Die eher geringe Reichweite des Elettrica, der hohe Wertverlust und die teurere Anschaffung schmerzen.
Schwächen im Antrieb kompensiert der Ibrida schlicht über den Preis – und der ist letztlich attraktiver. Damit entscheidet der Ibrida das Rennen der Junioren am Ende klar für sich.

Die wichtigsten Fragen zum Alfa Romeo Junior

Welcher Antrieb ist wirtschaftlich sinnvoller?

Der Junior Ibrida startet bei 30.450 Euro und ist damit deutlich günstiger als der Junior Elettrica, der ab 39.500 Euro erhältlich ist. Zudem spricht der erwartete Wertverlust eher für den Hybrid. So gewinnt der Ibrida auch bei den Kilometerkosten mit 0,50 Euro zu 0,56 Euro gegen den Elettrica.

Wer bietet die besseren Fahrleistungen?

Der Ibrida sprintet mit 8,9 Sekunden eine Zehntel schneller auf Tempo 100 als der Elettrica. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit schlägt der Benziner den Stromer mit 200 zu 150 km/h.

Mit welchem kommt man weiter?

Bei einem Testverbrauch von 5,9 l/100 km reicht eine Tankfüllung beim Ibrida für 745 Kilometer. Der Elettrica schafft mit seinem 51 kWh großen Akku bei einem Testverbrauch von 16,6 kWh/100 km nur 331 Kilometer.

Fazit

von AUTO BILD
Ein Charaktertyp, dieser Junior! Auf der Stellantis-Plattform schafft Alfa Romeo mit Blick auf die Tradition viel Design, aber zu wenig Emotion – echtes Italo-Flair will sich nicht einstellen, egal ob Elettrica oder Ibrida.