Elektro? Wirklich?  Ja, die Anzeichen verdichten sich immer mehr, dass der nächste Vantage elektrisiert wird. Ob als purer E-Renner oder Hybrid, ist noch nicht durchgedrungen.
Kommen wir also schnell zum anfassbaren Teil der Geschichte, einem Kunstwerk namens Aston Martin V12 Vantage.
Als die Briten vor rund einem Jahr mit einem Prototyp auf der Nordschleife auftauchten, waren die Fans entzückt. Fetter Flügel, Breitbau und ein Sound zum Niederknien. Schnell war klar, Aston haut noch mal einen V12 raus, traditionell quasi.
Aston Martin V12 Vantage
Der Seitenanblick ist einfach nur wow. Da passt jede Linie in die andere, die seitlichen Finnen hinter den Vorderrädern, der perfekt gestylte Heckflügel.

Denn die Zwölfender sind nichts Neues in einem Vantage. 2007 zeigte man ein Concept Car mit dem V12 aus dem DBRS9-Rennwagen, 2009 konnte man den 510 PS starken Vantage schließlich kaufen.

2017 Beginn einer neuen Vantage-Ära

Es folgte 2012 der V12 Zagato, dann der V12 Vantage Roadster, 2013 der V12 Vantage S, der bei uns als einer der Ersten zu unserem Supertest antrat. 2015 schob man einen Vantage GT12 nach, quasi ein Straßenrennwagen mit Leichtbau und Teilen vom GT3-Renner.
Zum Modellende noch einen V12 Vantage mit den Fingerabdrücken der damals neuen Sportabteilung Aston Martin Racing, kurz: AMR, das war's. (Auch mit dem Lamborghini Aventador Ultimae gibt's noch mal so richtig auf die Zwölf!)
Aston Martin V12 Vantage
Der vom DB11 bekannte 5,2-Liter-V12-Biturbo füllt den Maschinenraum komplett aus. Der 60-Grad-V12 ist mit einer beschleunigten ZF-Automatik verbunden.

2017 dann die Hochzeit mit Mercedes-AMG und der Beginn einer neuen Vantage-Ära. Mit der AMG-Technik und frischem Design wollte man deutlich mehr als nur die üblichen Liebhaber erreichen.
Mit Erfolg, seit Baubeginn wurden deutlich mehr Autos verkauft als in den Jahren zuvor. Und der Neue mit seinem 510 PS starken AMG-V8-Biturbo fuhr wirklich gut. Nicht ganz so perfekt und schnell wie ein AMG GT, innen fehlt es auch etwas an Moderne, aber alles in allem ein wirklich guter Sportwagen.

Alle 333 Fahrzeuge innerhalb von zwei Stunden verkauft

Und das soll nun vorbei sein? Sagen wir mal so, dieser V12 Vantage ist zumindest der Abschied dieser Ära. Und den wollen wir feiern. Natürlich am besten mit einem richtigen Test. Schließlich muss das Ding mit seinen 700 PS richtig schnell sein.
Aston Martin V12 Vantage
Fanfaren im GT3-Style! Die fein in Carbon gebetteten Endrohre singen eine V12-Arie mit Hitpotenzial.

Die Erlkönige auf YouTube beeindruckten auf jeden Fall. Doch dann die Enttäuschung, es wird keine Testwagen geben, alle 333 Fahrzeuge wurden innerhalb von zwei Stunden verkauft. Nicht mal einen Fahrbericht? Im ersten Anlauf auch hier ein Nein.
Schließlich kam er doch, der ersehnte Anruf. Man könne den einen V12 Vantage, der für das hauseigene Museum gedacht ist, kurz vor seiner Stilllegung fahren. Nicht irgendwo, direkt auf den umliegenden Straßen des Aston-Martin-Werks in Gaydon nahe Birmingham.

5,2-Liter-V12-Biturbo aus dem DB11

Schön, ab in den Flieger und los. Bei Aston Martin Lagonda angekommen, erwarteten wir einen Vantage in klassischem Green oder Grau. Nichts da, ein fast Ferrari-roter V12 steht da.
Aston Martin V12 Vantage
Die optionalen, leichten Carbonschalensitze passen perfekt, auch auf Langstrecke. Das Interieur ist leider nicht so aufregend wie die Karosserie.

Kurz die Technikfeatures: 5,2-Liter-V12-Biturbo mit 700 PS aus dem DB11, schneller schaltende Achtgang-Automatik, neue Stabis (vorn 5 Prozent härter, hinten 41 Prozent weicher), steifere Federn, straffere Stützlager, versteifte Karosserie, schärfere Lenkung, 40 Millimeter breitere Spur, Breitbau, Heckflügel für 204 Kilo Abtrieb. Und: Motorhaube mit hufeisenförmiger Lüftungsöffnung als Hommage an den wilden GT12.
Rechts einsteigen, in die optionalen Carbonschalen gleiten lassen, Zündung, Start und dann Ohren auf. Herrlich, der Sound ist neu, nicht zu vergleichen. Oder doch?

Kurven kann er

Ein bisschen Lamborghini Aventador hört man auch raus. Los geht's, die Lenkung beeindruckt ab dem ersten Meter mit deutlich exakterer Arbeit, als wir das bisher von Aston Martin erlebt haben. Das neu abgestimmte Adaptivfahrwerk kopiert hingegen die Fahrbahnoberfläche recht originalgetreu ins Gesäß.
Aston Martin V12 Vantage
Unterschied zum Vantage V8? Neu gezeichnete Schürze mit größerem Grill, Carbon-Frontsplitter und Luftauslass in der Haube.

Sei's drum, das Ding sieht einfach auch aus wie ein Rennwagen. Und da verzeiht man auch ein im D-Modus tranig durch die Gänge schlurfendes Getriebe sowie die veraltete Navigation. Egal, die Straße ist frei, Feuer!
Das Getriebe pickelt die Gänge unter Volllast richtig rabiat in die Hinterachse. Diese Brutalität fehlt dem V12 leider etwas. Er brüllt zwar gut, doch 700 PS müssen noch mehr fetzen.
In seiner Leistungsgewichtsklasse gibt es Schnellere. Kurven kann er. Und wie, schnelle Biegungen durchschneist er lässig, in engen Kehren zieht er selbstsicher schwarze Striche. Das Tänzeln im Heck ist niemals fies, will aber pariert werden.
Was wäre wohl am Sachsenring drin? Die 1:34,16 Minuten des letzten F1 Edition sollte er locker um zwei Sekunden unterbieten.

Technische Daten und Preis: Aston Martin V12 Vantage

• Motor V12, Biturbo, vorn längs
• Hubraum 5204 cm3
• Leistung 515 kW (700 PS) bei 6500/min  
• max. Drehmoment 753 Nm bei 5000/min
• Antrieb Hinterrad/Achtstufenautomatik  
• L/B/H 4514/1962/1274 mm
• Leergewicht 1795 kg
• Kofferraum 346 l  
• 0–100 km/h 3,5 s
• Spitze 322 km/h
• Verbrauch 13,5 l SP
• Abgas CO2 keine Angabe
• Preis ab 299.500 Euro

Fazit

Exklusiv, sexy, verrucht, ein bisschen zickig – dieser Aston kurvt schärfer, geht deftiger und sieht wilder aus als alle bisherigen Vantage. Schade, dass es nur ein One-Night-Stand bleibt und kein Test möglich ist.