Audi A1 40 TFSI vs. Mini John Cooper Works: Vergleichstest
Die letzten Kleinwagen-Spaßmacher im Duell

Mini hat den JCW neu aufgelegt und verspricht trotz Digital-Offensive echtes Mini-Feeling wie früher. Ein Vergleich mit dem Audi A1.
Bild: Toni Bader
- Manuel Iglisch
Im großen Buch der Glückskeks-Weisheiten steht er ganz oben. Der berühmte Satz zum (kleinen) Glück, das angeblich immer eine Frage der inneren Einstellung sei. Nun ja, was sollen wir dazu sagen? Außer vielleicht, dass die Lebensweisheit zum Nachtisch selten einmal so zugetroffen hat wie heute.
Das wird einem besonders dann bewusst, wenn man einmal den Blick zurück wirft auf das Kleinwagensegment von vor fünf Jahren. Dieses kunterbunte Spaß-Biotop, in dem i20 N, Fiesta ST, 208 GTi, DS3 Racing, Clio R.S. und Co für Stimmung sorgten. Und wenn man diesen wilden Haufen von einst mit dem vergleicht, was heute davon übrig geblieben ist. Die Frage lautet also schon längst nicht mehr, wer der Spaßigste unter den Kleinen ist. Vielmehr muss man eher fragen, wer überhaupt noch da ist.
Zusammen mit dem VW Polo GTI, der es diesmal jedoch leider nicht einrichten konnte. Streng genommen passt der Clinch ohne den VW allerdings auch deutlich besser. Wieso? Weil er sich so auf die beiden Lifestyler konzentriert, die sich insgeheim fürs richtig Derbe ja schon lange etwas zu fein gewesen sind.
Mini: Technik bleibt weitgehend vertraut
Daran ändert auch das nunmehr vierte Epos der Mini-Neuauflage nichts, was vor allem daran liegen mag, dass es technisch gesehen ganz generell nicht viel ändert. Der Zweiliter erstarkt ein wenig im Drehmoment, ist ansonsten aber genauso vertraut wie das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das stramm abgestimmte Adaptivfahrwerk und die restliche Dynamik-Staffage. Wenn überhaupt, so fallen am ehesten noch die neuen 18-Zöller mit Contis SportContact 7 auf, der im Konfigurator ein wenig vollmundig als "Sportreifen" angepriesen wird. Natürlich handelt es sich hier nicht um einen echten Sportreifen, sondern schlicht um die griffigere Alternative zum sonstigen Eco-Pneu, mit dem der Normverbrauch poliert wurde.

In Kurven vermisst man nicht nur die Rückmeldung, sondern auch das kesse Heck von einst.
Bild: Toni Bader
Dass Beständigkeit manchmal auch Trumpf sein kann, zeigt vor allem die Optik, die um ein paar nette Gimmicks erweitert wurde, ansonsten aber ganz Mini bleibt. Kurze Haube, farblich abgesetztes Dach, dazu Rallye-Streifen, große Glubschaugen und neuerdings auch eine kesse Abschlepp-Schlaufe, die genau dort aus dem Stoßfänger ragt, wo DTM-Renner einst ihre Öse hatten – als wenn das Leben des JCW ein fortwährender Trackday wäre.
Digitaler denn je
Wirklich neu ist am Ende tatsächlich nur der Innenraum, der sich mittlerweile voll digital und vernetzt, gleichzeitig aber auch so unsportlich wie noch nie präsentiert. Schön, wenn sich ein Auto neuerdings mit dem Smartphone aufsperren lässt und einzelne Fahrmodi mit verschiedenen Farbthemen untermalt. Nur hilft einem das ganze Neuzeit-Chichi denkbar wenig, wenn man den Drehzahlmesser auf der anderen Seite nur noch im Tausch mit der Tankanzeige bekommt.
Fahrzeugdaten | Audi A1 40 TFSI | Mini John Cooper Works |
|---|---|---|
Motorbauart/Aufladung | R4, Turbo | R4, Turbo |
Ladedruck max. | 1,3 Bar | 2,0 Bar |
Einbaulage | vorn quer | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1984 cm³ | 1998 cm³ |
Leistung kW (PS) bei 1/min | 152 (207)/4600-6000 | 170 (231)/5000-6000 |
Literleistung | 104 PS/l | 116 PS/l |
Drehmoment Nm bei 1/min | 320/1500-4500 | 380/1500-4000 |
Getriebe | 7-Gang-Doppelkupplung | 7-Gang-Doppelkupplung |
Antriebsart | Vorderrad | Vorderrad |
Maße L/B/H | 4029/1740*/1409 mm | 3876/1744*/1452 mm |
Radstand | 2547 mm | 2495 mm |
Tank-/Kofferraumvolumen | 40/335 l | 44/210 l |
WLTP-Verbrauch auf 100 km | 6,5 l Super | 6,7 l Super |
Grundpreis | 33.050 € | 40.650 € |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 34.100 € | 42.000 € |
Ganz davon abgesehen, dass die Darstellung des Digital-Displays ohnehin einer komplett verwackelten Logik folgt. Grundsätzlich ist der mittlere Teil der 240-mm-Scheibe nämlich als Auswahl-Menü gedacht, weshalb die zum Fahren relevanten Daten eine Ebene darüber fix angepinnt wurden. So weit, so logisch! Nun kann man sich im mittleren Bereich allerdings auch die Fahrdaten in Groß einblenden lassen, unter anderem in Form eines nett gemachten Retro-Tachos, der auf den ersten Blick durchaus charmant aussieht. Auf den zweiten Blick fällt einem jedoch auf, dass er genau dieselben Werte anzeigt, die eine Ebene darüber dauerhaft eingeblendet werden.
Audi: Reife statt Digital-Experimente
Binäre Unzulänglichkeiten, die der Audi noch nicht einmal vom Hörensagen kennt. Okay, böse Zungen würden nun anmerken, dass er dafür wahrscheinlich auch viel zu alt sei. Doch geht mit diesem Alter eben auch eine gewisse Reife einher, die man im vorliegenden Fall tatsächlich an allen Ecken und Enden spüren kann. In Sachen Haptik lässt sich der kleine Premium-Knuffel hier nämlich überhaupt nicht lumpen. Ganz im Gegenteil, seine Schalter, sein Instrumentarium und weite Teile seiner Oberflächen fassen sich deutlich besser an als in vielen Audi der Neuzeit.

Im Gegensatz zum Mini hat sich der A1 noch ein richtig kompaktes Fahrgefühl bewahrt.
Bild: Toni Bader
Antriebsseitig gebührt ihm ohnehin das Prädikat zeitlos. Denn auch wenn der Zweiliter-Allzweck-TSI hier in absolut mildester Stufe auffährt, mit 207 PS und 320 Newtonmetern, so ändert das absolut gar nichts am gewohnt engagierten Eindruck, den er einfach immer hinterlässt. Fix im Antritt, stämmig im Durchzug und selbst obenherum, wenn er seinem Leistungsplateau entgegensockelt, noch immer entschlossener als viele seiner Artgenossen.

Manch moderner Audi ist schäbiger möbliert. Ergonomie und Haptik sind top für einen Kleinwagen.
Bild: Toni Bader
Einziger Wermutstropfen ist die nicht gerade sportlich abgestimmte und auf manuelle Kommandos etwas träge reagierende S tronic, die mit ihren Übersetzungen eher in der Oberklasse anbandeln könnte als hier im Kleinst-Revier. Die Gänge sechs und sieben sind grundsätzlich Overdrives, zum Fahren benötigt werden nur die Gänge eins bis fünf. Und die spannen einen Rahmen von 0 bis Tacho 250 – mit entsprechend großen Sprüngen dazwischen.
Engeres Drehzahlband, bessere Zahlen
Tatsächlich steckt der Mini sein Drehzahlband ein gutes Stück enger ab, gerade in den unteren Gängen. Dazu kommt das durchweg höhere Drehmoment, das seinerseits in einem etwas höheren Leistung-Peak gipfelt. Ein Vorteil auf ganzer Linie also, den der Retro-Knuffel auch zielsicher in durchweg bessere Fahrleistungen umwandelt. Tempo 100 ist in 5,9 Sekunden gerissen, die 200 steht nach 22,9 Sekunden gleich doppelt auf der Uhr. Der Audi folgt mit 0,4 beziehungsweise 1,6 Sekunden Abstand.

Der Mini hat einen komplett sanierten Innenraum mit stark digitaler Note und ebenso stark konturiertem Sportlenkrad.
Bild: Toni Bader
Im Prinzip also eine klare Sache, zumal der Mini auch noch besser durchzieht und in der Spitze schneller rennt. Von den Schaltpaddles (erhältlich im A1, aber nicht im Testwagen verbaut), den deutlich umfangreicheren Fahrmodi und den strammeren Gangwechseln ganz zu schweigen. Und trotzdem ist es am Ende der Audi, der einem rein subjektiv nicht nur energischer, sondern vor allem auch leibhaftiger vorkommt. Denn irgendwie haben es die Macher des Mini geschafft, alle Schnittstellen zur Mechanik mit einer binären Pomade zuzukleistern, die jegliche Rückmeldung im Keim erstickt.
Lenkung: Audi linear, Mini synthetisch
Beispiel Lenkung: Selbige ist im A1 bestimmt kein Meisterwerk. Etwas zu leichtgängig und indifferent, gerade in die weiteren Winkel hinein. Doch sie fühlt sich linear und konsistent an und vermittelt in Ansätzen durchaus ein Gefühl für die Grenzen der Vorderachse. Ganz im Gegensatz zur Mini-Lenkung, die extrem synthetisch in der Hand liegt und ihre Lenkkräfte noch dazu ständig ändert. Beim Rangieren künstlich steif, bei langsamer Fahrt übertrieben leicht, ab 100 ein wenig lose, ehe zur Vmax die Mittellage plötzlich wieder stramm angebunden wird.

An die Performance der früheren Stars (Fiesta ST, i20 N) kommen Mini und Audi bei Weitem nicht heran.
Bild: Toni Bader
Kurzum: Das Feeling im Mini ist ein wenig artifiziell geraten. Und das wiederum ist gleich in doppelter Hinsicht ausgesprochen schade. Denn einerseits waren die Episoden eins und zwei der Neuauflage wahre Meister des Entertainments. Und andererseits verkauft sich Episode vier mit ihrer künstlich sterilen Rückmeldung schlichtweg unter Wert. Rein objektiv fährt der Mini dem Audi nämlich in fast allen Belangen gnadenlos davon.
Auch auf der Strecke, wo am Ende rund 1,3 Sekunden zwischen den beiden klaffen. Nun muss man der Fairness halber aber auch sagen, dass der Vorsprung des Mini eher auf seine Mehrleistung und die haushoch überlegenen Reifen als auf die Brillanz seines Fahrwerks zurückzuführen ist. Letzteres gibt angesichts seiner straffen Dämpfung nämlich noch immer einen Hauch zu früh nach, sobald die Querkraft angreift. Insbesondere auf der Vorderachse, die sich ab einem gewissen Punkt ziemlich beharrlich ins Untersteuern verabschiedet und den fahrerischen Einfluss damit weitestgehend minimiert. Am Ende bleibt einem nämlich nichts anderes übrig, als sich hinter dem Limit der Vorderachse anzustellen und geduldig darauf zu warten, dass die Kurve irgendwann ein Ende hat.
Max. Punktzahl | Mini | Audi | |
|---|---|---|---|
Antrieb | 60 | 26 | 23 |
Bremse | 40 | 19 | 16 |
Fahrwerk | 60 | 28 | 28 |
Lenkung | 40 | 19 | 22 |
Rundenzeit | 50 | 14 | 12 |
Emotionen | 50 | 25 | 23 |
Alltag | 50 | 33 | 35 |
Kosten | 50 | 39 | 41 |
GESAMTWERTUNG | 400 | 203 | 200 |
Ganz anders der A1, der vor dem Hintergrund der faden Mini-Performance plötzlich zu einer Art Handling-Star avanciert. Schon klar, wir übertreiben. Ernstere Ambitionen scheitern allein schon an den schmierigen Bridgestone-Reifen. Innerhalb seiner überschaubaren Grenzen fährt sich der Ingolstädter aber echt anständig; reaktionsfreudig, locker, verbindlich und in Ansätzen sogar fast agil. Und: Er meldet zurück, wie es um seinen Fahrzustand bestellt ist. Das allein ermöglicht einen viel aktiveren Umgang mit seinem Handling. Und es fühlt sich auf der Strecke auch noch deutlich leichter an. 40 Kilo klaffen zwischen den beiden Kontrahenten. Rein subjektiv könnten es auch 100 sein.
Gleiches gilt allerdings auch auf der Komfort-Seite. Denn während der Audi meist ziemlich hölzern und schroff über Verwerfungen hinwegrumpelt, fühlen sich Unebenheiten im Mini deutlich solider und besser ausgerundet an. Unter dem Aspekt hat seine entkoppelte Rückmeldung fast schon etwas Gutes.
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