Das Basismodell einer Baureihe heißt auch gern "der Kleine". Der kleine Eins-Sechser, der kleine Zwoliter. Aber was sagen wir, wenn die Motoren noch weiter schrumpfen? Jüngstes Beispiel: Audi ersetzt im A3 seinen 1,6-Liter-Benziner mit 102 PS durch einen 1,2-Liter mit Turbo, Direkteinspritzung und 105 PS. Auf dem Heck prangt nunmehr ganz bescheiden ein verchromtes "TFSI", der kleine Hubraum wird schamhaft verschwiegen. Dabei bräuchten sich die Ingolstädter wegen der 1,2 wirklich nicht zu schämen. Dieses kleine Wunderding aus dem VW-Regal (kennen wir seit Kurzem aus Polo und A1) fühlt sich fast wie ein Zweiliter an. Es schiebt den A3 schon ab 1550 Umdrehungen mit kräftigen 175 Newtonmetern an, gewinnt sogar noch an Kraft, weil die Lichtmaschine in diesen Momenten nicht arbeitet.

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Honda Civic 1.4 i-VTEC Type S
Bild: Uli Sonntag
Honda spart dagegen noch auf die klassische Weise. Der Formel-1-Motorenlieferant pimpt seinen 1,4-Liter mit einer variablen Ventilsteuerung (i-VTEC) auf. Doch das für den Durchzug wichtige höchste Drehmoment meldet sich erst bei 4800 Touren zur Arbeit und ist mit 127 Nm vergleichsweise schlapp. So viel zur Theorie. In der Praxis sieht der Civic 1.4 i-VTEC Type S trotz aller Sport-Attribute (Doppelauspuff, Heckflügel) im Vergleich zum A3 1.2 TFSI richtig alt aus. Wo der Audi völlig unaufgeregt in 10,9 Sekunden auf 100 spurtet und 192 Spitze erreicht, braucht der Civic S fast zwei Sekunden länger, die Puste geht ihm dann schon bei 177 km/h aus. "S" steht hier also nicht mehr für Sport, sondern eher für Schlaffi. Nur bei der Lärmentwicklung gibt er sich betont sportlich: Ab 3500 Touren beginnt der 1,4-Liter ein Höllenspektakel, sein Crescendo strapaziert die Nerven der Insassen schon ab Tempo 100. Der A3 gibt sich akustisch wesentlich dezenter.

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Audi A3 1.2 TFSI Ambition
Bild: Uli Sonntag
Ebenso beeindruckend der Verbrauch, schließlich will der Audi auch dank Start-Stopp-Automatik der sparsamste Benziner in dieser Baureihe sein. Immerhin konsumiert der neue 105-PS-Motor gegenüber seinem 102-PS-Vorgänger 1,4 Liter Super weniger. Im Test liefen 6,2 Liter durch die Direkteinspritzung. Der herkömmliche Honda-Motor braucht nur 0,2 Liter mehr. Ebenfalls eine Super-Leistung. Wer es dann auf der Straße richtig krachen lässt, der bemerkt kaum Unterschiede. Der Honda glänzt wie der Audi mit unbeirrbarem Geradeauslauf, die Bremsen stoppen diese ausgewachsenen Kompakten nach guten 36 Metern. Allerdings wirkt der Civic in flotten Kurven nicht ganz so handlich wie der A3. Der hat mit seiner Fahrwerkabstimmung der knallharten Linie endgültig abgeschworen. Trotz Sportfahrwerks (Serie bei "Ambition") bietet der A3 noch ausreichenden Komfort, der Civic muss sich auf schlechten Strecken geschlagen geben, weil er kurze Bodenwellen nur stuckernd verarbeitet.
Zur Diskussion der (nicht bewerteten) Äußerlichkeiten fordern beide heraus. Hier das Honda-Grinsegesicht, der fette Heckflügel und dreieckige Auspuffrohre. Ganz objektiv aber stört innen das Armaturen-Suchspiel. Neben dem Zündschloss wartet sogar ein Extra-Startknopf, während der Audi auf Anhieb treffsicher zu bedienen ist. Geschmackssache sein voluminöser, aber ungeschützter Schlund. An Parkkratzer denkt hier offensichtlich niemand mehr. Auch die weit ausladend öffnenden Türen könnten Gummipuffer an den Kanten gut gebrauchen, das gilt für beide. Wer Gäste in den Fond bittet, sollte sie im Audi vorher Falttechniken üben lassen, beim Honda geht das entspannter. Dafür kostet seine sperrige Sitzlehnen-Entriegelung so manchen Fingernagel. Genial der variable Kofferraum. Rücksitzfläche hochgestellt: Ein Kinderfahrrad passt stehend rein. Alle Lehnen umgeklappt: topfebener Laderaum. Was dem Civic zwar kräftig Punkte einbringt, ihn aber noch lange nicht zum Siegertyp macht.

Fazit

von Diether Rodatz
Schon nach der ersten Vergleichsfahrt war mir klar, dass der Audi A3 der klare Gewinner wird. Lahm und laut der Motor des Honda, gewöhnungsbedürftig Bedienung und Form. Doch beim Addieren der Punkte die Überraschung: Das Karosserie-Kapitel geht an Honda, beim Verbrauch ist er ebenbürtig, und da der Audi serienmäßig keine Klimaanlage bietet, holt der Honda auch dank seines günstigeren Preises am Schluss ordentlich auf.