Zufall? Oder Absicht? Das neue Hyundai rollt zum ersten Vergleichstest exakt im gleichen Rot vor wie der Audi A5. Reine Angriffslust. Und ein selbstbewusster Auftritt, denn mit dem sportlichen Zweitürer sehen sich die Koreaner offenbar schon auf Augenhöhe mit den deutschen Premiummarken. Sogar VW erkennt Hyundai als "starke neue Kraft" an. Na, wenn das kein Ritterschlag ist. Der rote Fernost-Flitzer darf also durchaus als Kampfansage an den vornehmen A5 gelten. Zumal der Genesis mit einem Preisvorteil von rund 9000 Euro sowie fünf statt zwei Jahren Garantie Coupéliebhaber derart heftig anflirtet, dass selbst patriotische "Made-in-Germany-Verfechter" schwach werden könnten.

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Der 2+2-Sitzer erreicht mit 4,63 Metern exakt A5-Länge, auch die Motoren liegen auf dem Papier gleichauf: Audis Vierzylinder holt aus zwei Liter Hubraum 211 PS, das gleich große Hyundai-Triebwerk sogar 214 PS – beide natürlich mit Turbo. Das lässt ein spannendes Duell erwarten. Bei der Agilität sollte der Hyundai sogar vorn liegen. Zielt er doch mit seinem neuen Hinterradantrieb (aus Korea, Respekt!) in Richtung BMW, während der Audi als Fronttriebler keine Handlingwunder vollbringen kann. Entsprechend vorlaut legt der Hyundai los. Bereits beim Druck auf den Startknopf – Keyless-Go gibt es gegen Aufpreis – nervt der Vierzylinder. Er klingt keine Spur sportlich, sondern brummig, unangenehm laut. Besonders auf der Autobahn müssen Hyundai-Fahrer sich einiges anhören. Zum kräftigen Motorrumoren gesellt sich gleich eine ganze Sammlung von Dröhnfrequenzen. Heftige Reifen- und Windgeräusche untermalen das Wummern der Kardanwelle.

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Hyundai Genesis Coupé
Hart und unharmonisch: Bei jedem Tempo nervt das Hyundai-Fahrwerk mit Stuckern.
Außerdem treibt das zu kurz übersetzte und äußerst störrisch zu schaltende Getriebe die Drehzahlen so hoch, dass der Turbomotor zum hemmungslosen Säufer wird: 9,9 Liter – und damit 1,9 mehr als im Audi – sind nicht mehr Stand der Technik. Direkteinspritzung, Start-Stopp und Schaltanzeige – im A5 selbstverständlich – kennt das Korea-Coupé nicht. Zwar legt der Hyundai nach einem kleinen Turboloch subjektiv mächtig los, doch die Messdaten beweisen: Der A5 hängt ihn sehr deutlich ab. Was ist da nur im Antrieb los? Mehr Leistung, mehr Verbrauch, weniger Gewicht und trotzdem langsamer – so sieht eine Niederlage auf ganzer Linie aus. Auch das Genesis-Fahrwerk zeigt erschreckende Schwächen. Klar, 19-Zoll-Reifen der 40er-Serie lassen keinen Sänftenkomfort zu. Doch so hart und unharmonisch muss es nun wirklich nicht sein: Ob bei Schritttempo in der Stadt oder 200 km/h auf der Autobahn – überall stört das Coupé mit lästigem Stuckern. Auf welligen Pisten hopst der Genesis sogar wild zwischen Graben und Gegenfahrbahn hin und her. Kaum zu glauben, dass dieses Auto von Ingenieuren der deutschen Hyundai-Zentrale in Rüsselsheim abgestimmt wurde.
So ein Zappelphilipp fordert eine feste Hand. Doch mit präziser Lenkung kann er ebenfalls nicht dienen, obwohl er als Hecktriebler die besten Voraussetzungen dafür hat. Stattdessen spricht sie verzögert an, zeigt wenig Rückmeldung und neigt im Extremfall sogar zum Verhärten. Mag sein, dass den Entwicklern diese Marotten bewusst waren und sie deshalb die elektronische Fahrhilfe entsprechend rigide ausgelegt haben. So spricht das ESP bereits bei schneller Geradeausfahrt über Bodenwellen an. Der Regeleingriff erinnert an einen Pauker, der ungezogene Schüler mit Rohrstock-Schlägen bändigt. Nein, Freunde, für Autos gibt es feinere Erziehungsmethoden. Selbst wer dem Koreaner all das nachsieht, wird spätestens beim Nutzwertvergleich mit dem Audi nachdenklich. Bei gleicher Länge und größerem Radstand fasst sein Kofferraum über 100 Liter weniger. Das Gepäck muss durch eine schmale Luke mit hoher Ladekante in den Kofferraum gefädelt werden.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi A5

Audi A5
Ganz klar das bessere Auto: Der Audi A5 liegt in allen Kategorien deutlich vorne.
Wer in den Audi umsteigt, fühlt sich jedenfalls sofort wohler: In allen Belangen zeigt der A5 spürbar bessere Manieren. Statt den Halbstarken gibt er lieber den Genießer. Ein seriöser Typ mit sportlicher Note. Schon der Abrollkomfort zeigt krasse Unterschiede. Selbst auf buckeligsten Straßen zittert und stampft der Audi nur leicht. Darüber hinaus heben die fast perfekte Sitzposition sowie feinste Materialanmutung den Audi deutlich über den Hyundai. Und erst der Motor: Leise und so gut wie vibrationsfrei, zeigt er dem Krawallbruder aus Korea, was Laufkultur made in Germany bedeutet. Und das ist nicht despektierlich gemeint. Zudem lässt sich der Audi schaltfaul fahren und wirkt viel gelassener. Sein Geheimnis: Mehr Drehmoment (350 statt 302 Newtonmeter) bei niedrigeren Drehzahlen erlaubt eine "längere" Übersetzung. Bei 130 km/h auf der Autobahn dreht der Ingolstädter entspannte 2400/min, der Genesis gleich 1000 Touren mehr.
Und wo stecken im Hyundai all die kleinen Finessen, die den A5 auszeichnen? Kein Komfort-Blinker, kein selbsttätig öffnender Heckdeckel, kein tiefenjustierbares Lenkrad, von Technikoptionen wie Totwinkelwarner oder aktivem Fahrwerk ganz zu schweigen. Darum: Dass der Hyundai so rot daherkommt, ist weder Zufall noch Absicht, sondern eher Scham.

Fazit

Oje, was ist nur aus dem Hyundai Coupé geworden! Ich mochte den frontgetriebenen Vorgänger. Er war mein Geheimtipp für Coupéfans, die keinen VW Scirocco mögen. Und nun das: Der Genesis ist größer, stärker und will in der gehobenen Liga mitspielen. Aber dafür reicht es nicht. Innen bietet er weniger Platz als der Audi A5, und sein lauter Vierzylinder wirkt veraltet und säuft. Also: Wenn schon Genesis, dann bitte den V6 mit Automatik.