Audi Concept C: Fahrbericht, erster Test
Dieser Audi fühlt sich wie ein Neubeginn an

Dein erstes Mal vergisst du nie. Das gilt auch für die Jungfernfahrt mit dem Audi TT. Und falls die Erinnerung doch verblasst sein sollte, ist sie jetzt wieder voll da. Denn als einer der Ersten durfte ich eine Runde im Concept C drehen, mit dem die Herren der Ringe die Geschichte des Kult-Coupés in zwei Jahren fortschreiben wollen.
Bild: Audi
Es ist zwar schon mehr als 25 Jahre her, doch ich weiß es noch wie gestern und kann mich an jede Kurve erinnern, durch die ich damals gefahren bin. Und das waren viele. Sehr viele. Schließlich führte die Strecke durch die Toskana und Umbrien – und aussteigen wollte ich erst, als der Tank leer war.
Das war 1998. Aber deine erste Fahrt im Audi TT vergisst du nie. Ja, es gab früher mal den Quattro oder den RS2. Doch danach kam so lange nichts bei Audi, dass der kleine Sportwagen tatsächlich ein Erweckungserlebnis war. Nicht nur wegen seines genialen, puristischen Designs, das eine Art Bauhaus-Ära bei den Bayern eingeleitet und die Herren der Ringe über Jahre zu den Stilführern unter den Blechbiegern gemacht hat. Sondern vor allem, weil das Fahren so engagiert und authentisch war wie in einem Porsche 911, nur eben nicht so elitär und abgehoben, sondern ganz im Hier und Jetzt und für jedermann bezahlbar.

Der Audi Concept C auf Südtirols Bergstraßen.
Bild: Audi
Viel von diesem Reiz haben die Herren der Ringe in den letzten Jahren verspielt. Der zum Ende hin ziemlich ausgelaugte TT ist seit 2023 Geschichte, der große Bruder R8 auch und die Volumenmodelle vom A3 bis zum A8 sowie ihre SUV-Ableger sind auf hohem Niveau gewöhnlich und austauschbar. Weder vom Vorsprung durch Technik ist noch viel zu spüren, noch vom einstmals einzigartigen Design.
Audi Concept C: Audi sucht sich neu
Bislang zumindest. Doch jetzt wird alles anders, hat der neue Vorstandschef Gernot Döllner versprochen, gibt den tatendurstigen Aufräumer und schickt als Vorboten der guten, neuen Zeit das Concept C ins Rennen. Als gemeinsamer Nachfolger von TT und R8 soll der Zweisitzer mit faltbarem Hardtop in zwei Jahren in Serie gehen und der Generation E das gleiche Erweckungserlebnis bescheren wie mir 1998 die Jungfernfahrt in Italien.

Der gemeinsame Nachfolger von TT und R8 setzt auf Heckantrieb und ein neues Verständnis von Sportlichkeit.
Bild: Audi
Und damit ihnen das auch jeder glaubt, bleibt es nicht beim Schaulaufen auf der Showbühne. Sondern um die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten zu beweisen, entlassen die Bayern den IAA-Star ein paar Monate nach der Premiere auf die Straße und ich habe mein Déjà-vu.
Denn obwohl natürlich alles anders ist, ist es irgendwie doch gleich. Ok, statt in Umbrien und der Toskana bin ich in Südtirol, was ja zumindest irgendwie auch Italien ist. Die Straßen sind enger und die Berge höher. Der alte TT von damals ist heute nur noch Zaungast und hält sich tapfer im Windschatten und wo früher ein unvergleichlicher Fünfzylinder bollerte, flüsterte jetzt ein E-Motor. Doch als der Silberling die Passstraße hinauf surrt, ist das alte Gefühl sofort wieder da. Das ist endlich mal wieder ein Audi, so die erste Erkenntnis, der das Zeug zu etwas ganz Besonderem hat. Denn Fahren wird hier wieder zum Selbstzweck und nichts und niemand lenkt den Lenker davon ab.
Das C im Namen steht für Clarity und die Sache mit der Klarheit meinen sie wie alles rund um diesen Leuchtturm auf dem Weg in eine bessere Zukunft ernst bei Audi. Sehr ernst. Das gilt zuallererst mal für das neue, endlich wieder schnörkellose Außendesign.

AUTO BILD-Reporter Thomas Geiger am Steuer: Das Concept C verzichtet bewusst auf Ablenkung, das Fahren wird wieder zum Selbstzweck.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Zwar wirkt der Silberstreif am Audi-Horizont, mit dem auch der neue Designchef Massimo Frascella sein Coming-out hat und offenbar zugleich noch ein paar Ideen aus seiner Jaguar-Zeit und der Arbeit am Type 00 recycelt, tatsächlich so clean und cool wie der TT, wenngleich er etwas organischer und weniger geometrisch daherkommt wie das Original vor fast 30 Jahren. Doch ihre Inspiration haben die Designer von den Rennwagen der Vorkriegsjahre, die zusammen mit Mercedes den Begriff vom Silberpfeil geprägt haben. Von diesen Dienstwagen der Herren Rosemeyer, Caracciola und Co stammen nicht nur die Kühlrippen auf dem fensterlosen Rücken.
Audi Concept C: ein gewaltiger Designsprung
Sondern an sie erinnert vor allem die dunkle, schlanke, aufrechte Plastik-Plakette, die als "Vertical Frame" zum neuen Markengesicht werden und den breiten "Single Frame" ablösen soll, an dem uns binnen 20 Jahren so langsam sattgesehen haben. Egal ob E-Modell oder Verbrenner, Sportwagen oder SUV – alle künftigen Audis sollen daran zu erkennen sein, wiederholen die Bayern wie ein Mantra.
Schon außen macht Audi damit einen gewaltigen Sprung. Doch fast noch größer sind die Unterschiede bei dem ebenso sachlichen wie sinnlichen Innenleben. Denn hier gibt es nur noch ein paar ganz wenige Schalter, die sich dafür wunderbar authentisch anfühlen und vor allen Dingen auch so klingen, wenn man sie bedient und so zum Fest für die Fingerkuppen werden. Und statt von lauter digitalem Gedöns abgelenkt zu werden, verschwindet der ohnehin nur kleine Bildschirm auf Knopfdruck im Armaturenbrett, mit einem zweiten Knopfdruck geht das Dach auf, das Coupé wird zum Roadster und der Rausch der Sinne verstärkt sich noch.

Keine harten Kanten, ein Auto wie aus einem Guss.
Bild: Audi
Natürlich ist das Concept C bislang nur ein Showcar. Aber anders als üblich, taugt das nicht nur für Schrittgeschwindigkeit. Sondern es fährt. Und wie.
Man spürt einen Punch, den selbst der TT RS nicht zu bieten hatte. Als würde man aus heiterem Himmel vom Blitz getroffen, schnellt der Audi gen Horizont und dem Beifahrer stockt kurz der Atem, weil sein Auto und er sich da vielleicht doch auf ein zu großes Abenteuer eingelassen haben. Aber genau wie damals der TT giert auch das Einzelstück nach einem schweren Fuß und einer festen Hand und mit jedem Kilometer mehr taucht man weiter ab in die Erinnerung, nur dass halt jemand den Ton abgedreht hat. Man spürt, wie handlich und leicht das Auto ist und wie gut es sich in die Kurven dreht.
Schon nach wenigen Metern sind Mensch und Maschine eins, keiner denkt mehr an die monatelange Handarbeit und an den Millionenwert, sondern man genießt einfach das Fahren und lässt sich davontragen von einem Elan, wie er rar geworden ist bei Audi. Schon wenn man nur an die nächste Kurve denkt, dreht sich der Bug des 4,50 Meter kurzen Zweisitzers in die richtige Richtung, die Beschleunigung ist beinahe intuitiv und die Querkräfte minimal. Schließlich wiegt der Wagen für ein Elektroauto fast schon schlanke 1700 Kilo, und die sind außerdem noch sehr ausgeglichen verteilt. Nicht umsonst steckt die Batterie nicht im Boden wie üblich bei E-Autos, sondern wie ein Mittelmotor hinter den Sitzen direkt am Gravitationszentrum des Autos.
Und auch wenn es fürs Image irgendwie nicht passen will, dass der TT von Morgen kein Quattro ist, schadet ihm auch der Heckantrieb nicht. Im Gegenteil, macht er das Coupé noch agiler, noch leicht flüssiger. Die Lenkung ist wunderbar firm und crisp und hat so gar nichts mehr von der Beliebigkeit vieler aktueller Audi-Modelle, und das Grinsen des Fahrers geht nicht nur bis über beide Ohren. Und dabei sitzt nebendran noch ein Aufpasser, der den Spaß in vernünftigen Grenzen hält.

Bislang ist der Audi Concept C nur ein Showcar.
Bild: Audi
Schließlich haben die Bayern mit dem Concept C noch viel vor und würden das Auto deshalb gerne an einem Stück wieder mit nach Hause nehmen – nicht umsonst haben sie dafür bereits eine Straßenzulassung erwirkt. Und so solide, wie sich das Auto anfühlt, so schnell man damit eins ist und so wenig Kompromisse das Showcar im Alltag erfordert, sind die 400 Kilometer zurück nach Ingolstadt sicher mehr Lust als Last.
Nur an den Sound der Stille muss man sich erst einmal gewöhnen. Wer noch den Fünfzylinder im Ohr hat, der kann dem Summen des Stromers auf Dauer nur wenig abgewinnen und sich auch nicht von einem noch so guten Synthie-Sound vertrösten lassen. Und ob das Zwitschern der Vögel oder das Rauschen des Herbstlaubes im offenen Leisetreter auf Dauer ein Ersatz sind für die Gänsehaut auf dem Trommelfell, die einst der Fünfzylinder gezaubert hat, das wird sich erst noch zeigen müssen. Aber immerhin traut sich Audi mal, das zu versuchen, und geht das Wagnis eines offenen elektrischen Sportwagens ein.
Wie sportlich der am Ende genau wird, das wollen die Bayern noch nicht verraten. Wie sie überhaupt sehr schmallippig werden, wenn es um die Technik geht, um Daten und Details. Ja, 800 Volt für schnelle Ladezeiten sind gesetzt, und die Zwangsehe mit dem elektrischen Nachfolger von Porsche Boxster und Cayman können sie auch nicht verhehlen. Anders ließe sich so ein Projekt auch nicht rechnen in so ernsten Zeiten wie diesen. Doch schon die Leistung ist Spekulation. Aber wenn der TT RS zuletzt 400 PS hatte und Elektroautos immer ein bisschen stärker sind, könnten gut und gerne 500 Pferdestärken im Fahrzeugschein stehen.
Nur ob er jetzt 400 oder 500 Kilometer weit fährt mit einer Akku-Ladung, in unter vier oder über sechs Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und 200, 250 oder noch mehr Spitze schafft? Das steht noch in den Ringen. Und es ist eigentlich auch nicht wichtig. Denn auf Straßen wie diesen sind solche Werte ohnehin nicht herauszufahren, und es sind Straßen wie diese, für die der TT gemacht ist.
Und für die Erinnerung ans erste Mal. Denn selbst wenn die je verblasst sein sollte, ist sie jetzt wieder frisch wie am jüngsten Tag.
Fazit
Audi traut sich was. Zwar dauert es noch zwei Jahre, bis es endlich wieder einen neuen Sportwagen aus Ingolstadt gibt, und an die Idee vom elektrischen Roadster müssen wir uns erst gewöhnen. Doch allein für den Mut, es zu versuchen, gebührt den Bayern Respekt. Und für den Neuanfang erst recht. Bleibt nur zu hoffen, dass sie es ernst meinen und den Plan bis 2027 nicht wieder verwässern.
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