Audi Q3 SUV TFSI quattro, Mini Countryman S All4: Test
Q3 oder Countryman – wo gibt's mehr Vorsprung beim Fahren?

Wenn kompakte Allrad-SUV gefragt sind, dürfen Audi Q3 und Mini Countryman nicht fehlen. Ein Duell der feinen Hochsitze mit Benziner.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Fertig machen zum Feiern, es ist wieder Zeit für ein bayerisches Lokalderby. Nein, nicht Rekordmeister FC Bayern gegen Drittligist TSV 1860, sondern Audi Q3 gegen Mini Countryman. Richtig gelesen: Mini.
Zwei kompakte SUV im Test
Die gehören seit dem Kauf der Rover Group 1994 zu BMW – und sind bei der Trennung 2000 einfach geblieben. Der aktuelle Countryman (U25) steht also wie sein weiß-blauer Bruder X1 (U11) auf der Frontantriebsarchitektur FAAR. Kann der angeheiratete Bayer den Bajuwaren Q3 ärgern?
Zwei starke Gegner in beliebtem Segment
Okay, waschechte Bayern sind tatsächlich beide nicht. Der Audi Q3 wird hauptsächlich in Ungarn montiert, in Ingolstadt wurde aber eine zusätzliche Verbundfertigung eingerichtet. Der Countryman wird in Leipzig gebaut, ist also zumindest "made in Germany".

Q3 und Countryman treten im beliebten Segment der Kompakt-SUV um 4,50 Meter an, in diesem Test als Benziner mit Allrad.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Beim Platzangebot nehmen sich beide erst mal nicht viel. Vorn gönnt der Audi seinen Gästen mehr Beinraum und Luft um die Schultern, hinten stoßen die Knie im Mini nicht ganz so schnell an die Lehnen der Vordersitze.

Gutes Gestühl: Dank ausziehbarer Beinauflage und größerer Polster reisen auch große Fahrer im Audi Q3 ermüdungsfrei.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Polster der ersten Reihe fallen im Q3 dafür größer und nicht so zierlich wie im Mini aus, die um fünf Zentimeter ausziehbare Beinauflage lässt große Personen jubeln und ermüdungsfrei reisen. Vernünftig gepolstert und auch auf längeren Strecken bequem sind aber auch die Mini-Sitze.
Fahrzeugdaten
Modell | Audi Q3 SUV TFSI quattro | Mini Countryman S All4 |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn quer | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
Hubraum | 1984 cm³ | 1998 cm³ |
Systemleistung, kW (PS) bei 1/min | 150 (204)/4500 | 160 (218)/5000 |
Nm bei 1/min | 350/1500 | 320/1500 |
Vmax | 229 km/h | 228 km/h |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung | Siebengang-Doppelkupplung |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 255/40 R 20 V | 245/45 R 18 Y |
Reifentyp | Continental EcoContact 6 Q | Michelin Pilot Sport 4 |
Radgröße | 8 x 20" | 7,5 x 18" |
Abgas CO2 | 188 g/km | 160 g/km |
Verbrauch* | 7,7 l/100 km | 6,5 l/100 km |
Tankinhalt | 60 l | 54 l |
Kraftstoffsorte | Super | Super |
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt | Serie | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2000/750 kg | 2000/750 kg |
Stützlast | 90 kg | 80 kg |
Kofferraumvolumen | 488–1386 l | 450–1450 l |
Länge/Breite/Höhe | 4531/1859–2087**/1601 mm | 4444/1843–2069**/1661 mm |
Radstand | 2681 mm | 2692 mm |
Grundpreis | 51.200 Euro | 43.320 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 62.765 Euro | 55.270 Euro |
In der zweiten Reihe sitzen Passagiere in beiden SUV angenehm hoch über dem Boden (Audi 375, Mini 370 Millimeter), finden auch dank geteilt längs verschiebbarer Bank und neigungsverstellbarer Lehnen (bei Audi serienmäßig, bei Mini im umfangreichen Paket S für 2970 Euro) eine angenehme Sitzposition.

Gutes Raumgefühl: Im Countryman sitzt man auch hinten ordentlich, die Rückbanklehne ist in der Neigung verstellbar.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Weil der Mini insgesamt mit einer etwas aufrechteren Karosserie vorfährt, bietet er subjektiv ein minimal luftigeres Raumgefühl, auch gelingt dem Fahrer der wichtige Schulterblick im Countryman wegen der leicht größeren Fensterflächen und der nicht ganz so mächtigen D-Säule etwas besser als im Audi.
Audi-Interieur ist nicht überall premium
Bei der Qualität scheint auf den ersten Blick alles fein und auf gleichem Niveau, außerhalb des Sichtbereichs wirkt der Audi jedoch erstaunlich einfach. Außerdem neigt der Ingolstädter auf Kopfsteinpflaster etwas eher zum Knistern – durchaus merkbare Unterschiede, die aber noch keinen Unterschied in den Punkten rechtfertigen.

Das Audi-Cockpit ist übersichtlich und ordentlich verarbeitet, es geht aber noch mehr Premium. Optik und Haptik des Materials am Lenkrad haben uns nicht gefallen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Was die Bedienkonzepte angeht, kultivieren beide Hersteller zumindest in Teilen einen eigenen Weg – der nicht immer der bessere ist. Im Countryman fällt sofort das große runde Zentraldisplay auf, über das per Touch die meisten Funktionen zu steuern sind – was aufgrund des Menüaufbaus nicht immer intuitiv gelingt.
Mini-Menüs nicht immer intuitiv
Darunter versammeln sich ein Drehknubbel zum Starten sowie zwei Mini-Wippen für die Automatik und die Fahrmodi – originell und im Wortsinn gut zu begreifen. Ein zweites Display für den Fahrer fehlt, dem Piloten muss das einfache Head-up-Display mit Projektion auf eine Plastikscheibe reichen.

Minis Markenzeichen: In der Mitte steht ein rundes Touchdisplay zur Steuerung der Fahrzeugsysteme bereit – ohne funktionalen Vorteil.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Da wird der Lenker des Q3, der im Paket MMI eperience pro für 1700 Euro natürlich auch ein Head-up-Display bekommt, schon eher verwöhnt. Ein Monitor mit scharfer Grafik zeigt ihm alle gewünschten Informationen, die Navi-Karte lässt sich über die volle Breite einblenden und auch (leicht ruckelig) zoomen. Daneben können zudem Assistenzsysteme, klassische Rundinstrumente oder nur der Drehzahlmesser in den Fokus rücken. Gefällt uns!
Ganz im Gegensatz übrigens zu den haptisch unschönen Hochglanz-Tasten im Lenkrad oder dem funktional fragwürdigen Wischerhebel mit Drehrädchen für den vorderen und integrierter Schiebetaste für den hinteren Scheibenwischer. Warum genau musste Audi hier neu erfinden, was vorher schon gut gelöst war?
Keine Blöße geben sich Audi und Mini bei der Sprachassistenz. Sie beherrscht alles Wichtige, versteht auch freie Formulierungen und beantwortet Wissensfragen per KI.
Countryman verpackt etwas mehr
Geht es um Urlaub oder Umzug, kann sich der Countryman minimale Vorteile sichern. Nach dem Umlegen der geteilten Fondlehne entsteht (wie bei Audi) eine ebene Ladefläche, auf der aber eine kleine Tasche mehr verstaut werden kann. Dafür darf der Q3 16 Kilogramm mehr zuladen.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Eine Anhängerkupplung ergibt bei beiden Kontrahenten übrigens durchaus Sinn. Bis zu zwei Tonnen können im gebremsten Anhänger abgeschleppt werden, die Stützlast (Audi 90, Mini 80 kg) reicht ganz bequem für zwei E-Bikes. Bei Audi kostet der mechanisch schwenkbare Haken 960 Euro, Mini verlangt 800 Euro.
Bei Fahrleistungen und Verbrauch gewinnt der Mini
Mit jeweils mehr als 200 PS und Allradantrieb zeigen Q3 und Countryman angenehm flotte Fahrleistungen. Der geringfügig leichtere Countryman wirkt dabei wacher und leichtfüßiger, nimmt dem Q3 bis 100 km/h 0,6 Sekunden ab und baut diesen Vorsprung bis Tempo 160 auf fast zwei Sekunden aus. Gerade auf der Autobahn und bei Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h muss sich der Audi, der kein 48-Volt-Mildhybridsystem wie der Mini Countryman besitzt, doch stärker mühen.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dann klingt der Q3 dröhniger und angestrengter. Auch erscheint der Doppelkuppler im Audi zu sehr verschliffen, was sehr komfortable Übergänge bedingt, aber wenig Sportsgeist verrät. Überraschend: Trotz dieses Komfort-Charakters genehmigt sich der Q3 im Test mit 9,3 Litern deutlich mehr Sprit als der Mini mit 7,8 l/100 km.
Messwerte
Modell | Audi Q3 SUV TFSI quattro | Mini Countryman S All4 |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,6 s | 2,4 s |
0–100 km/h | 7,2 s | 6,6 s |
0–130 km/h | 11,9 s | 10,8 s |
0–160 km/h | 19,2 s | 17,3 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 3,9 s | 3,7 s |
80–120 km/h | 5,0 s | 4,7 s |
Leergewicht/Zuladung | 1739/521 kg | 1690/505 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 58/42 % | 57/43 % |
Wendekreis links/rechts | 11,5/11,6 m | 11,7/11,7 m |
Sitzhöhe | 660 mm | 635 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 35,2 m | 35,4 m |
aus 100 km/h warm | 32,4 m | 33,4 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 57 dB(A) | 57 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) | 67 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 6,3 l S/100 km | 5,7 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 9,3 l S/100 km (+21 %) | 7,8 l S/100 km (+20 %) |
Sportverbrauch | 14,9 l S/100 km | 11,9 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 220 g/km | 185 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 645 km | 692 km |
Bei Leistungsabruf klingt auch der Countryman durchaus kernig, tönt aber in angenehmeren Frequenzbereichen, die weniger gequält wirken und eher Lust an der Leistung vermitteln. Das Kompakt-SUV wirkt lebendig und frisch, scheint Freude am Fahren von der Mutter aus München mitbekommen zu haben. Nettes Gimmick: Ein längerer Zug an der linken Schaltwippe aktiviert für zehn Sekunden den Boost, der die 19 PS des 48-Volt-Systems aktiviert und alle Systeme strafft, ohne übers Menü gehen zu müssen und den Gokart-Modus zu wählen.
Im Q3 steckt mehr Fahrkomfort
Unabhängig vom Fahrprogramm vertrauen Q3 und Countryman auf eine grundsätzlich straffe Fahrwerksauslegung, der dank Adaptivdämpfern aber auch die kommode Gangart nicht ganz fremd bleibt. Der Mini bildet fiese Fahrbahnfehler allerdings immer eine Spur realistischer und nachdrücklicher ab, wo der Q3 im Anfedern geschmeidiger zu Werke geht.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auch auf langen Wellen hat der Ingolstädter seine Vorteile, reitet sie unaufgeregt und mit stoischer Ruhe ab. Leicht gekräuselte Fahrbahnen lassen den Audi allerdings nervös werden, die Vorderachse bringt dann eine leicht zittrige Unruhe ins Auto.
Platzierung
Modell | Mini Countryman S All4 | Audi Q3 SUV TFSI quattro |
|---|---|---|
Punkte* | 557 | 549 |
Platz | 1 | 2 |
Testnote | 2,1 | 2,2 |
Fazit | Ein alltagsgerechtes Kompakt-SUV mit Mini-typischem Sportsgeist. Im Vergleich zum Q3 noch verträglich eingepreist. | Kompaktes SUV, das hohen Komfort und umfangreiche Sicherheitsassistenz mitbringt. Leider zu durstig und zu teuer. |
Beim Thema Lenkung gibt es hier wie da wenig zu meckern, beide SUV reagieren ausreichend direkt und mit guter Rückmeldung. Auch die Bremsen verdienen Lob. Mit kalter Anlage stehen beide nach gut 35 Metern, bei warmen Scheiben reichen dem Q3 sehr gute 32,4 Meter, der Countryman braucht ebenfalls gute 33,4 Meter.
Audi verliert im Kostenkapitel
Kommen wir zum wohl unangenehmsten Teil dieses Vergleichs, dem lieben Geld. Schon in der Basis sind Countryman S All4 und Q3 TFSI quattro keine Schnäppchen, mit den im Test relevanten Zugaben stehen bei Mini 55.270 und bei Audi sogar 62.765 Euro auf dem Preisschild. Trotzdem belassen es die Ingolstädter bei zwei Jahren Garantie (Mini: drei Jahre). So wird dieses Duell an der Kasse entschieden.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
In der Eigenschaftswertung noch knapp vorn, verspielt der Audi den Sieg über das Kostenkapitel. Kann Hersteller-Leasing helfen? Nein! Bei 48 Monaten Laufzeit, 10.000 Kilometern pro Jahr und ohne Anzahlung ruft Mini 432 Euro monatlich auf, Audi will sogar 701 Euro sehen. Von wegen Lokalderby und feiern ...
Service-Links

































