Audi präsentiert den neuen RS 5 als High-Performance-GT mit Biturbo-V6. Reicht das noch für die Konkurrenten BMW M4 und Mercedes-AMG C 63?
Guido Komp
Der letzte RS 5 war ein echter Charaktertyp, optisch wie motorisch: Die wuchtigen Kotflügel und der frei atmende Hochdrehzahl-V8 sorgten für klare Abgrenzung zur A5-Basis und jenen Schuss Individualität, der Sportcoupés zu Ikonen macht. Man darf deshalb schon fragen, warum sich Audi allein durch die Betitelung des neuen RS 5 als High-Performance-GT jedem sportlichen Schlagabtausch schon im Vorfeld zu entziehen sucht. Egal, wir haben den flammneuen Ingolstädter trotzdem zum Vergleich mit dem BMW M4 Competition und dem Mercedes-AMG C 63 S Coupé gebeten.
Die Lieblingsgegner kommen in scharfer Sportversion
Starkes Trio: Im Vergleich muss sich der neue RS 5 dem BMW M4 Competion und dem AMG C 63 S stellen.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
Audi GT statt Audi Sport? Das will so gar nicht passen – speziell wenn die 20-seitige Pressebroschüre derart sportliche Erwartungen weckt: Da wird von der Durchzugskraft des neuen Biturbo-V6 als "neuer Dimension" geschwärmt, der geometrische Leichtbau und eine Gewichtsreduktion um bis zu 60 Kilogramm angepriesen, um das Ganze final mit dem bereits vom RS 3 bekannten Driftversprechen auf rutschiger Fahrbahn zu krönen. Klingt doch mehr nach Nordschleifen-Touristenfahrt als gemächlicher Grand Tour, oder? Das dachten sich vermutlich auch die Konkurrenten von BMW und Mercedes-AMG, die ihre Topsportler in den fahrdynamisch nachprofilierten Versionen zum gemeinsamen Test schicken. Stramme Burschen, diese zwei, deren einschüchternde Aura den einstigen Pfundskerl RS 5 optisch schon fast ein wenig bieder wirken lässt.
Der geschliffene Techniker entfacht kaum Begeisterungsstürme
Emotional eher zurückhaltend: Der sachliche Audi ist keiner, der einem Freudentränen in die Augen treibt.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Auf der Waage platziert sich der RS 5 zwischen dem schwereren AMG und dem noch immer deutlich leichteren M4, vor allem aber auch gute 60 Kilo unter seinem Vorgänger (1795 zu 1733 kg). Den Löwenanteil an der Diät trägt dabei sein neuer Biturbo-V6. Der 2.9 TFSI, der in nahezu baugleicher Form seit letztem Jahr auch den Panamera 4S antreibt, wiegt nur 182 Kilogramm und damit 31 weniger als sein saugender V8-Vorgänger. Eine gute Performance-Kur, die neben mehr Drehmoment (plus 170 Nm) auch eine deutlich ausgeglichenere Achslastverteilung bescheren soll. Der Druck auf den silbernen Startknopf sorgt jedoch erst einmal für gedämpfte Stimmung: Wer mit einem RS-Modell die brunftige Soundkulisse des Fünfzylinders im RS 3 oder den wummernden V8-Sound von RS 6/RS 7 verbindet, wird vom dünnstimmigen Fauchen, das der V6 nach kurzem Anlassploppen durch die schwarzen Auspuffblenden säuselt, enttäuscht sein.So ist es die Vorfreude, den neuen Motor zum ersten Mal richtig von der Leine lassen zu können, welche die ersten Kilometer zur Autobahn bestimmt. Zwar sitzt es sich mal wieder zu hoch im Audi-Gestühl, die gute Übersicht über die seitlich abfallende Motorhaube lässt den RS 5 aber subjektiv kompakter als seine beiden Konkurrenten wirken.
Längsdynamisch kann der Ringträger überzeugen
Schneller ist hier keiner: Mit 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h lässt der RS 5 die Konkurrenz hinter sich.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Der Abrollkomfort hat spürbar gewonnen, die optionalen Adaptivdämpfer filtern Unebenheiten gewissenhaft aus dem Asphalt. Erst in schnellen Autobahnkurven und beim harten Abbremsen aus sehr hohen Geschwindigkeiten gerät der RS 5 im Comfort-Modus in ein leichtes Taumeln. Für Schnellfahrten jenseits der 250 km/h empfiehlt sich deshalb die Auto-Stellung, die gekonnt zwischen softem Comfort- und dem sehr straffen Dynamik-Setting wechselt. Und schnell ist der neue RS 5 natürlich auch: Mit gemessenen 3,6 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h unterbietet er seine Werksangabe um drei Zehntelsekunden. Sicher, ein Hauch an motorischer Überdosis war schon im Spiel, doch wie dieser Audi beim Launchen die volle Kraft seiner gemessenen 637 Nm (Werksangabe 600 Nm) in den Wandler presst, ist schon richtig gnadenlos.
In Fahrt fühlt sich der Allrad-Abzug dann aber überraschend unspektakulär an: Bereits ab 1900 Umdrehungen steht das volle Drehmoment zur Verfügung, die Leistungsentfaltung verläuft bis hoch zum Begrenzer so gleichmäßig wie eine Rolltreppenfahrt im Fast-Forward-Mode.
Alle Details zum Vergleich der drei Sportcoupés finden Sie in der Bildergalerie.
Fazit
von
Guido Komp
Der neue Audi RS 5 erfüllt die Komfortansprüche an einen kultivierten Gran Turismo mit hoher Souveränität. Ein fahragiler S5 plus mit deutlich emotionalerem Kick hätte uns dennoch besser gefallen. Im Vergleich zum Audi-Baukasten, der die guten Handling-Anlagen des kleinen Bruders am Ende mit übertriebener Härte ausbremst, rüsten BMW und Mercedes ihre Sportcoupés wesentlich handfester auf. Das ausgeglichenste Sportcoupé kommt dabei von AMG, das sportlichste nach wie vor von BMW.