Clubman JCW gegen S3 Sportback

Audi S3 Sportback, Mini Clubman JCW: Test

Clubman JCW gegen S3 Sportback

300 PS kann man heiß servieren wie im Mini JCW Clubman. Oder obercool wie im Audi S3. Zwei sportliche Kompakte im Vergleich.
Platz 1 mit 507 von 750 Punkten: Audi S3 Sportback quattro. Vielseitiger, hochwertiger, sicherer, komfortabler. Und teurer. Nichts davon wird Mini-Fans dazu bringen, den stillen S3 zu wählen (Ersparnis bei carwow.de mindestens 6825 Euro.)
Platz 2 mit 489 von 750 Punkten: Mini JCW Clubman. Ein echter Kompakter, aber agiler, härter, bunter und vor allem anders. Nichts davon wird Audi-Kunden umsteigen lassen. (Ersparnis bei carwow.de mindestens 7184 Euro.)
Was ist das: hat sechs Türen, Allrad und 306 PS? Die Antworten A) Schulbus und B) Schneekatze sind falsch. Richtig ist: der stärkste Mini Clubman, die Kombi-Variante des gar nicht mehr so kleinen Engländers, die beweist, wie sehr die Marke gewachsen ist. Der John Cooper Works Clubman All4, so sein gedrechselter Name, ist nüchtern betrachtet ein enger Verwandter des neuen BMW 1er. Also ein Kompakter, nur mit richtig Pfeffer. Und damit ein Konkurrent des Audi S3 Sportback. Bei dem ist zumindest der Name viel kürzer, viel schärfer. Wer ist hier der wahre Mini?

Der Clubman John Cooper Works hat echtes Kompakt-Talent

Der Clubman John Cooper Works ist nicht nur sportlich, er hat auch mehr Platz als sein Konkurrent.

Optisch kommt nur einer infrage. Mit weiß-roter Kriegsbemalung, Dachspoiler und All4-Signets an den Backen erfüllt der Clubman, was die Käufer und Marken-DNA von ihm erwarten: auffallen, der heißeste Hund der Saison sein. Nichts für Mauerblümchen. Auch das Interieur wird man lieben oder hassen, weil das Cockpit partout alles anders macht. Allein diese zerklüfteten Oberflächen: Müssen Hipster eigentlich nie putzen? Und sollte der Mini-Fahrer an der grünen Ampel nicht gleich losfahren, kann er sie vielleicht gar nicht sehen. Das tiefe Dach kostet Rundumsicht, genau wie die geteilte Heckscheibe, die im Rückspiegel aussieht wie eine dicke Hornbrille. Jetzt aber genug gemosert. Der Mini hat nicht nur Kompakt-Format, sondern – überraschend – auch Kompakt-Talent. Wer hätte gedacht, dass die Knie auf der Rückbank mehr Platz haben als im Audi? Und dass sein Kofferraum größer ist? Diese Hecktür ist sogar hilfreich – für kleines Gepäck öffnet man einfach nur die rechte Klappe.

Der ausgereifte S3 setzt optisch ganz auf Understatement

Optisch zurückhaltend: Dass der Audi in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 ist, sieht man ihm kaum an.

Praktiker fühlen sich im S3 wohler. Der ist ja langsam ein Auslaufmodell und im sechsten Jahr eher von der alten Schule: sattelfeste Audi-Verarbeitung, Allesregler-Knubbel auf der Mittelkonsole, das Display kann im Cockpit wegtauchen. Danke, das ist Digital-Diät auf Knopfdruck! Diesen Trick wird der Nachfolger 2020 nicht mehr können. Nur die karobesteppten Sportsitze tun dem S3 keinen Gefallen: Sie haben weniger Seitenhalt als der Mini, zudem rauben dicke Lehnen den Hinterbänklern Platz. Ein Familienauto wird der Audi nicht mehr. Eher ein Understatement-Sportler. So unauffällig der S3 auftritt, so fährt er sich auch. Sein 2,0-Liter reißt so leise und laufruhig an, dass man sich ganz aufs Staunen konzentrieren kann. Kein Turbopfeifen, kein Räderscharren (der Allrad vollstreckt wie ein Mafiakiller), in dieser Umgebung zeigt sogar das DSG Benehmen und schaltet ruckfrei wie selten erlebt.
So beherrscht der S3 das komfortable Kilometerfressen ebenso wie den heißen Landstraßenritt, wo die Lenkung mit verlässlicher Präzision gefällt und das adaptive, breit gespreizte Fahrwerk seinen Aufpreis (980 Euro) rechtfertigt. In "Dynamic" fahren die Dämpfer die Krallen aus, in "Komfort" kriegen sie trotz der flachen 19-Zoll-Räder so was wie Flauschigkeit hin. Nur in Löcher poltert der S3 mit seiner überdämpften Zugstufe böse hinein.

Beim Fahrkomfort liegt der Mini hinter seinem Konkurrenten

Harter Hund: Das Fahrwerk des Clubman informiert jederzeit detailliert über den Straßenzustand.

So hart wie der Audi nur auf Rüttelpisten federt, geht der Clubman immer zu Werke. Das findet man entweder nervig oder eben Mini-like: unterhaltsam, wie kurze Federwege den Straßenzustandsbericht ständig in den Rücken tackern. Und sobald die Straßen richtig schlecht werden, kriegen die Hände mit der leichtgängigen Lenkung allerhand zu tun. Je besser die Straße, desto entspannter der Clubman. Der Vierzylinder darf kräftiger raspeln und röhren als der im S3, er geht auch besser, als das Werk verspricht: 4,7 Sekunden auf 100, mit Rückenwind rennt er irre 270. Doch wer Kurven gern sportlich nimmt, wird enttäuscht: Dann schiebt der Allradler schon mal über die Vorderräder. Genau wie der Audi, immerhin lässt der Mini sich bei abgeschaltetem ESP zu leichten Hecktänzeleien verführen. Aber was soll’s? Die beiden sind doch keine Renngeräte, jedenfalls nicht im Vergleich zu Pistenfeilen wie Civic Type R oder Mégane RS mit leichterem Frontantrieb.
Nein, Clubman und S3 sind rollende Manifeste des besonderen Geschmacks. Allein durch den Basispreis von rund 45.000 Euro – und da geht der Spaß erst los: Der Mini-Händler ist reichhaltiger bestückt als jede Damen-Boutique, alles lecker, alles teuer. Bei Audi sind ab Werk ein paar Assistenten mehr an Bord, aber wirklich Mini ist beim S3 auch nur eins: der Name.
Das Fazit von Joachim Staat: "Der Mini kriegt den Spagat hin, ein Kompakter und trotzdem verrückt zu sein. Beim S3 fährt schon Wehmut mit: Der Audi ist immer noch gut, dieser Reife könnten wir mal nachtrauern."

Clubman JCW gegen S3 Sportback

Audi S3 Sportback Mini Clubman JCWAudi S3 Sportback

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