Ausbeulwerkzeug im Test

Ausbeulwerkzeug im Test

Ausbeulwerkzeug: Test

DIY-Dellenentferner: Schrott oder eine echte Smart-Repair-Alternative?

Dellen im Blech sind ärgerlich – das Entfernen ist selbst mit Smart-Repair nicht ganz günstig. Doch sind DIY-Ausbeulwerkzeuge wirklich eine Alternative? AUTO BILD wollte es wissen und hat vier DIY-Dellenentferner-Werkzeuge getestet!
Egal ob durch Hagelschlag, durch einen unachtsamen Parkplatznachbarn oder durch ein Missgeschick – ist die Delle erst mal im Blech, ist sie oft nicht mehr so leicht zu entfernen. Selbst Reparaturen im Smart-Repair-Verfahren sind aufwendig und dementsprechend teuer. So kann es durchaus vorkommen, dass für das Entfernen einer kleinen Delle schon mehrere Hundert Euro bezahlt werden müssen. Der eine oder andere Autofahrer kommt hier schon mal ins Überlegen, ob man die Delle nicht selbst entfernen könnte – schließlich ist das Internet voll mit DIY-Ausbeulwerkzeug. Doch kann so was überhaupt funktionieren? Oder richtet man damit nur noch mehr Schaden an? AUTO BILD hat vier DIY-Dellenentferner getestet!

Ausbeulwerkzeuge im Test: Darauf ist zu achten

Auch wenn man es umgangssprachlich so meint, sind Dellen und Beulen nicht das Gleiche. Das Wort "Delle" beschreibt die Beschädigung an der Karosserie, die durch Druck auf das Karosserieteil entstanden ist. Eine Delle ist also eine Vertiefung. Eine Beule hingegen ist eine Erhebung im Karosserieteil, ähnlich wie eine Beule, die man bekommt, wenn man sich den Kopf stößt. Es ist wichtig zu wissen, ob man eine Beule oder eine Delle in der Karosserie entfernen will, denn davon ist schließlich auch der Arbeitsschritt abhängig. Während eine Delle in der Regel aus dem Blech gezogen wird, muss eine Beule vorsichtig zurückgedrückt werden. Alle Werkzeuge konnten sowohl für die Entfernung von Dellen als auch von Beulen genutzt werden.
# Ausbeulwerkzeuge im Test Zum Angebot
1.

Presto mobiles Ausbeulsystem

Note: gut

Preis*: 14,90 Euro

2.

Randalfy Ausbeulwerkzeug

Note: befriedigend

Preis*: 53,99 Euro

3.

Manelord Ausbeulset

Note: befriedigend

Preis*: 58,99 Euro

4.

QUIXX Dellen Reparatur-Set

Note: ausreichend

Preis*: 19,95 Euro

5.

Gwotfy Saugnäpfe

Note: mangelhaft

Preis*: 15,23 Euro

*Einkaufspreis des Testprodukts
Doch Vorsicht: Nicht alle Dellen oder Beulen können mit den Werkzeugen entfernt werden – zumindest wenn man einen Lackschaden vermeiden möchte. Beim Entfernen von Dellen oder Beulen mit scharfkantigen Knicken entstehen fast immer Lackschäden. Auch auf nachlackierten Bauteilen kann es passieren, dass der Lack bei der Entfernung der Delle abplatzt; Gleiches gilt, wenn Risse im Lack zu sehen sind. In all diesen Fällen sollte die Dellen-Entfernung einem Profi überlassen werden, um ärgerliche und teure Folgeschäden zu vermeiden. Die DIY-Ausbeulwerkzeuge können nur an Dellen oder Beulen auf glatten Karosserieteilen angewendet werden.

Die Ausbeulwerkzeuge im Überblick

Das Werkzeug von Randalfy funktioniert per Hebel – Presto, Quixx und Manelord benutzen ein Drehzugwerkzeug.

©Lena Trautermann/Auto Bild

Das Testfeld besteht aus vier Ausbeulwerkzeug-Sets der Marken Randalfy, Manelord, Quixx und Presto. Zusätzlich gibt es noch ein paar Saugnäpfe von Amazon, die ebenfalls als Ausbeulwerkzeug angeboten werden. Mit Preisen zwischen 14,90 und 58,99 Euro liegen alle Werkzeuge deutlich unter dem Preis einer Dellen-Entfernung durch Smart-Repair. Mit Ausnahme der Saugnäpfe umfasst jedes Ausbeulwerkzeug-Set jeweils eine Heißklebepistole, ein paar Heißklebestangen, Zugknöpfe und eine Vorrichtung zum Herausziehen der Dellen. Während es bei Randalfy über eine Hebelkonstruktion funktioniert, nutzen Presto, Quixx und Manelord je ein Drehzugwerkzeug. Dem Werkzeug-Set von Manelord liegt zudem ein Zughammer bei, der aber nicht in der Bewertung berücksichtigt wurde – dazu aber später mehr.

Anwendung der Ausbeulwerkzeuge

Die Klebeverbindung zwischen Blech und Zugknopf ist für das Entfernen von Dellen entscheidend. Wichtig: Blech vorher reinigen und entfetten!

©Lena Trautermann/Auto Bild

Die Dellenentferner-Sets von Randalfy, Manelord, Quixx und Presto funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Die Heißklebepistole wird mit einer Klebestange befüllt und an den Strom angeschlossen. Während die Heißklebepistole aufheizt, ist es wichtig, das Karosserieteil gründlich zu reinigen und auch zu entfetten (z. B. mit Bremsenreiniger), damit der Kleber gut haftet. Ist der Kleber heiß genug, wird er auf einen passenden Zugknopf aufgetragen, der anschließend in die Mitte der Delle geklebt wird. Dann muss der Kleber einige Minuten aushärten. Nach der kurzen Wartezeit wird das Zugwerkzeug aufgesetzt. Beim Randalfy-Werkzeug wird die Delle über das Hebelwerkzeug gezogen, bei Quixx, Presto und Manelord über das Drehzugwerkzeug. Hierbei sollte man darauf achten, dass man die Delle nicht zu sehr zieht – ansonsten wird aus der Delle eine Beule. Wann der richtige Zeitpunkt zum Aufhören ist, ist allerdings bei allen Ausbeulwerkzeugen nur sehr schwer zu erkennen, man braucht genügend Geduld und Fingerspitzengefühl. Um Beulen zu entfernen, kann man mit den Drehzugwerkzeugen von Presto und Quixx mit montiertem Zugknopf drücken, Manelord und Randalfy haben je einen kleinen Gummihammer mit Gummi-Klopfwerkzeug dabei.
Für den Zughammer aus dem Set der Firma Manelord war die Klebeverbindung nicht stark genug: Durch den plötzlichen Ruck riss der Zugknopf ab, ohne die Delle in irgendeiner Weise verändert zu haben. Besser funktionierte das Drehzugwerkzeug: Hier hielt der Kleber sehr gut, und die Delle konnte herausgezogen werden. Allerdings bestand hier eine leichte Verletzungsgefahr, denn der Kleber löste sich sehr abrupt und ließ das Drehzugwerkzeug hochspringen. Beim Hebelwerkzeug von Randalfy bestand keine Verletzungsgefahr, auch hier wurde die Delle herausgezogen, Gleiches gilt für die Sets von Presto und Quixx. Einzig das Ergebnis war beim Set vom Quixx sehr enttäuschend: Zwar war die Klebeverbindung äußerst stabil (der Zugknopf ließ sich nur noch schwer entfernen), allerdings bog sich beim Festdrehen eher das Drehzugwerkzeug durch, als dass die Delle entfernt wurde – schade! Positiv: Alle Klebereste ließen sich leicht und ohne Rückstände entfernen, kein Werkzeug hinterließ bleibende Lackschäden.

Testsieger: das beste Ausbeulwerkzeug

Das mobile Ausbeulsystem von Presto bietet die beste Auflagefläche aller getesteten Ausbeulwerkzeuge.

©Lena Trautermann/Auto Bild

Mit 102 von 130 möglichen Punkten ist das mobile Ausbeulsystem der Firma Presto der Testsieger. Der Inhalt des Sets ist sehr übersichtlich: eine Heißklebepistole, ein paar Stangen Heißkleber, ein Zugknopf mit 15 Millimeter Durchmesser, ein Zugknopf mit 20 Millimeter Durchmesser und ein eher billig wirkendes Drehzugwerkzeug sind im Set enthalten. Doch auch wenn das Drehzugwerkzeug eher billig wirkt, funktioniert es deutlich besser als die Werkzeuge der Mitstreiter. Während das Zugwerkzeug der Konkurrenz nur zwei Auflagepunkte hat, an denen viel Kraft auf das Karosserieteil wirkt, verteilt das Drehzugwerkzeug von Presto die Kraft über eine runde Auflagefläche gleichmäßiger und schonender rund um die Delle.
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Presto

Presto mobiles Ausbeulsystem

AUTO BILD-Testnote 2
  • einfache Anwendung
  • große Auflagefläche
  • kleine Delle fast verschwunden
  • große Delle deutlich besser
  • Kleberreste leicht zu entfernen

14,90

Die kleine Delle wurde beim ersten Mal gut entfernt und brauchte kaum Nacharbeit; die große Delle erforderte etwas Nacharbeit, aber mit Geduld ließ sich hier ein gutes Ergebnis erreichen. Einziger Nachteil: Die Heißklebepistole wird über den Zigarettenanzünder des Autos betrieben. Hier wäre der Betrieb über eine herkömmliche 230-Volt-Steckdose besser, niemand muss unterwegs plötzlich eine Delle entfernen. Für Schrauber ohne eigenen Stromanschluss am Auto ist es zwar nützlich, aber dann wäre ein etwas längeres Kabel notwendig. Doch das Ergebnis überzeugt, und mit 14,90 Euro ist das mobile Ausbeulsystem von Presto auch das günstigste DIY-Ausbeulwerkzeug im Test. Somit ist es nicht nur Test-, sondern auch Preis-Leistungs-Sieger.

Mythos: Lassen sich Dellen mit Saugnäpfen entfernen?

Handelsübliche Saugnäpfe können Beulen nichts anhaben – der Mythos stimmt also nicht.

©Lena Trautermann/Auto Bild

Man sieht es oft bei Youtube oder in anderen kleinen Internet-Videos: Dellen in Türen, Kotflügeln oder Stoßstangen werden komplett durch das Ziehen mit einem Saugnapf entfernt. Als wir einen Satz Saugnäpfe bei Amazon fanden, der mit dem Zusatz "Ausbeulwerkzeug" beworben wurde, wollten wir es einmal ausprobieren und bestellten das Set für diesen Test. Das Ergebnis war ernüchternd. Weder bei einer großen noch bei einer kleinen Delle ließ sich mit den Saugnäpfen irgendeine Besserung feststellen. Auch an einer eingedellten Fahrzeugtür, deren Blech wir vorher mit heißem Wasser erwärmten, konnten die Saugnäpfe nichts verbessern. Es bleibt also zumindest bei Karosserieteilen aus Blech nur ein Mythos – und deshalb landen die Saugnäpfe auf dem letzten Platz.

Fazit: Ist das DIY-Ausbeulwerkzeug eine Smart-Repair-Alternative?

Natürlich kann keines der DIY-Ausbeulwerkzeuge die Arbeit eines professionellen Beulendoktors ersetzen – und keines der getesteten Ausbeulsets ließ die Dellen komplett verschwinden. Trotzdem sind wir von den Ergebnissen überrascht, die mit einem DIY-Ausbeulwerkzeug möglich sind. Das Ausbeulwerkzeug der Firma Presto ließ die Dellen mit etwas Nacharbeit fast komplett verschwinden; auch die Sets von Randalfy und Manelord lieferten ein Ergebnis, das deutlich weniger auffiel als die ursprüngliche Delle. Nur die Saugnäpfe und das Dellenentferner-Set der Firma Quixx ließen die Dellen so, wie sie waren. Hier können wir keine Kaufempfehlung aussprechen. Schlussendlich lässt sich sagen, dass die DIY-Dellenentferner-Sets für Leute mit dem richtigen Fingerspitzengefühl und genügend Geduld durchaus eine günstige Alternative zum Smart-Repair darstellen können. Perfektionisten müssen aber immer noch den Weg zum Profi antreten.

So hat AUTO BILD getestet

Mit einem eigens konzipiertem Eindellwerkzeug wurden fünf große und fünf kleine Dellen mit der gleichen Kraft ins Blech gedrückt.

©Lena Trautermann/Auto Bild

Als Erstes wurden die Bedienungsanleitungen angeschaut: Wie übersichtlich sind sie verfasst? Gibt es Warnhinweise? Worauf muss man achten? Dann wurde auf den Lieferumfang und die Verarbeitungsqualität des Werkzeuges geschaut. Um zu prüfen, ob die Dellenentferner-Sets auch wirklich Dellen entfernen, musste eine alte Motorhaube vom Schrott herhalten. In die Motorhaube drückten wir mit einem eigens konzipierten Eindellwerkzeug gleichmäßige Dellen ins Blech. Damit die Dellen alle mit der gleichen Kraft ins Blech gedrückt werden konnten, wurde das Eindellwerkzeug mit einem Drehmomentschlüssel bedient. Jedes DIY-Ausbeulset musste je eine kleine und eine große Delle aus der Motorhaube entfernen. Hierbei standen die einzelnen Schritte der Anwendung, mögliche Schwierigkeiten und Risiken, sowie mögliche Verletzungsgefahren im Fokus. Schlussendlich wurde das Ergebnis begutachtet.

Autor: Lars Golly

Fotos: Lena Trautermann/Auto Bild

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