Kollege Olaf klingt ziemlich verzweifelt: "Ich mache mir Sorgen, dass mein Saab die HU nicht packt! Eine blöde ABS- und ESP-Warnung glimmt permanent im Kombiinstrument. Ich kann drücken, was ich will, die Fehlermeldung geht nicht weg!" Schöner Versuch, aber den Zahn muss ich Olaf ziehen: Keine Hoffnung, der olle Oben-ohne-Vectra namens 9-3 wird die HU so garantiert nicht bestehen.
Wo ist die Karre? Schon beim TÜV. Olaf resigniert. Am nächsten Tag meldet sich die Werkstatt. Der schöne Schwede hat noch mehr auf dem Kerbholz: Neben der Warnmeldung fallen dem Prüfer auch blinde Scheinwerfer, Nebellichter im Fernlichtmodus, ausgeschlagene hintere Längslenkerlager und ein Hitzeschutzblech auf, das mit letzter Kraft vom Unterboden baumelt. Alles mit dem Vermerk "EM" (erheblicher Mangel) im Prüfbericht. Plakette? Keine Chance!
Reparieren mit ChatGPT
Noch drei Tage bis zur Nachprüfung: Mithilfe von ChatGPT gehen wir der hartnäckigen ABS-Warnung am Saab 9-3 auf den Grund.
Bild: Stefan Novitski
Immerhin: Vieles davon ist schnell erledigt. Neue Lager gibt es noch bei Scandix, sie werden bestellt und wenige Tage später eingebaut. Nebellicht eingestellt, Hitzeschutzblech befestigt. Kein Drama. Nur die blöde ABS-Warnleuchte nervt: Eine freie Werkstatt misst nach und meint: Radlager hinten links. Dort kommt kein Signal vom Raddrehzahlsensor. Zwei Stunden Arbeit, rund 300 Euro. Ergebnis: Der Fehler ist weiterhin da.

Auf falscher Fährte in der Werkstatt

Langsam lasse ich mich von Olafs schlechter Laune anstecken. Trotzdem versuchen wir es bei einer weiteren Werkstatt mit Saab-Testgerät. Vielleicht braucht das System den originalen Tester, um den Fehler zu löschen. Gute Idee, aber leider falsch. Auch die Saab-Spezialisten lesen aus und stellen fest: Raddrehzahlsensor hinten links ohne Signal.
Nach dem Löschen taucht der Fehler sofort wieder auf. Der Lagerwechsel war wohl für die Katz. Ihre Diagnose: vermutlich das ABS-Steuergerät. Neu nicht mehr lieferbar, also ausbauen und zur Reparatur einschicken. Dauer: mindestens zehn Tage, eher drei Wochen. Problem: die Nachprüfung in drei Tagen!

ChatGPT liefert den entscheidenden Hinweis

Gerade als ich Olaf anrufen und zur Aufgabe des Projekts Plakette raten will, frage ich aus Neugier ChatGPT. Die Antwort kommt erstaunlich klar: "Prüfe die Kabel des Raddrehzahlsensors an der Hinterachse." Ich hake bei der Werkstatt nach. Immerhin haben sowohl ein Mechaniker als auch ein Meister bereits danach geschaut. Ihr Urteil: Sichtprüfung unauffällig. Doch der künstliche Kollege bleibt hartnäckig und erklärt plausibel, warum Kabelbrüche bei älteren Autos generell und speziell bei diesem Saab viel häufiger vorkommen als defekte Steuergeräte.
Reparieren mit ChatGPT
Die KI schaut auf Befehl auch in Foren nach ähnlich gelagerten Problemen. Und das viel schneller, als Menschen lesen können.
Bild: Screenshot ChatGPT
Also nehmen Kollege Bernd Volkens und ich den Saab noch einmal spontan auf die Bühne. Mithilfe der KI finden wir den passenden Schaltplan, öffnen Steckverbindungen und messen Leitungen durch. Bei einem Kabel ist der Widerstand unendlich hoch. Ein Kabelbruch ist also tatsächlich der Grund für den Ausfall des ABS-Systems, auch wenn äußerlich nichts zu sehen ist. Wir ziehen das Kabel komplett aus dem Kanal. Und plötzlich liegt die Ursache vor uns: ein gekapptes Stück Leitung. Kabelbruch, tatsächlich.
Reparieren mit ChatGPT
Nach dem Herausziehen des Kabels aus der Hülle wird die Ursache sichtbar: Die Leitung ist an einer Stelle gebrochen. Daher kein Signal.
Bild: AUTO BILD/Daniel Ewen
Zum Testen verbinden wir die beiden Enden mit einem Verbinder und drehen die Zündung an. Fehler verschwunden? Bernd schaut aufs Armaturenbrett, dann auf das Kombiinstrument: Und tatsächlich, nach dem Einschalten der Zündung geht die Warnlampe aus. Am Ende war es nur ein gebrochenes Kabel, eine Reparatur für ein paar Euro!

Nicht zu fassen, dass zwei Werkstätten den Fehler nicht gefunden haben. Was soll's: Problem behoben, Nachprüfung bestanden!
Für Laien wirkt selbst ein simples gebrochenes Kabel schnell wie ein aussichtsloser Fall. Erst recht, wenn sich auch Fachleute in der Werkstatt auf einem Irrweg befinden. Die KI half effektiv, Diagnosen zu hinterfragen und Fehler schrittweise einzugrenzen.