Ranking: Soviel Ruß stoßen Benziner aus

autohaus24: Nachfrage nach Dieseln und Benzinern – Update

Nachfrage nach Dieseln steigt etwas

Die Nachfrage nach Euro-6-Dieseln hat wieder angezogen. Vom Normalniveau ist sie aber noch weit entfernt, wie die aktuelle Auswertung von autohaus24 zeigt.

Während bei VW, Seat und Audi die Nachfrage einbricht, wirkt sich der Skandal bei Skoda kaum aus. 

Die Verunsicherung bei den deutschen Autokäufern ist nach wie vor groß. Das zeigt die aktuelle Auswertung von autohaus24. Demnach ist die Nachfrage nach Diesel-Neuwagen seit Bekanntwerden des Abgasskandals bis zum 6. Oktober 2015 um 15 Prozent gesunken – und zwar über alle Marken hinweg. Bei den Volkswagen-Marken VW, Audi, Seat und Skoda gingen die Konfigurationen um 18 Prozent zurück.
Am zurückhaltendsten sind die Kaufinteressenten laut autohaus24 bei der Kernmarke VW, hier gingen die Anfragen um ein Drittel zurück (29 Prozent). Sehr skeptisch sind sie auch bei Audi (minus 21) und bei Seat, wo die Nachfrage um 16 Prozent sank. Kaum spürbar sind dagegen die Auswirkungen bei der Marke Skoda: Laut dem Autoportal ist die Nachfrage mit minus einem Prozent nahezu unverändert. 

Friedhof der VW-Schummel-Diesel in den USA

Auch Euro6-Diesel werden misstrauisch beäugt

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Unterm Strich zeigt sich also, dass sich die Situation wieder etwas normalisiert hat; in der vergangenen Woche war die Nachfrage markenübergreifend um 20, bei VW-Marken um 22 Prozent eingebrochen. Dennoch scheinen viele Autofahrer nach wie nd auch grundsätzlich Dieselfahrzeugen gegenüber skeptisch zu sein, auch wenn es sich nicht um Volkswagen-Fahrzeuge und um Euro6-Diesel handelt, die laut Hersteller "definitiv" nicht manipuliert wurden. Kurz: Alles, was Diesel ist, wird misstrauisch beäugt. 

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst heißt es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gibt das zu.

Wie viele Autos sind betroffen?

Der Skandal hat riesige Ausmaße. Allein bei den Fahrzeugen mit dem manipulierten Motor EA 189 sind weltweit bis zu elf Millionen Autos der Marken VW, Skoda, Seat und Audi betroffen, acht Millionen davon in Europa. In den USA wurden 482.000 Dieselfahrzeuge manipuliert, und zwar bei VW Jetta, Golf, Beetle, Passat und Audi A3 der Baujahre 2009 bis 2015. In Deutschland wurden seit 2008 2,8 Millionen Autos mit dem fraglichen Motor EA 189 zugelassen; 2,4 Millionen davon sind aktuell noch auf den Straßen unterwegs und werden zurückgerufen. Konkret geht es um ...

Welche Autos sind betroffen?

... die Vierzylinder-Diesel 1.2 TDI (geringe Stückzahl), 1.6 TDI und 2.0 TDI mit Euro-5-Norm, die zwischen 2009 und 2014 von VW, Audi, Seat und Skoda verbaut wurden. In Deutschland steckt der Mogelmotor in 577.000 Audi der Baureihen A1, A3, A4, A6, TT, Q3 und Q5. Bei Skoda sind betroffen: Fabia II (Baujahre 2009 bis 2014), Roomster (Baujahre 2009 bis 2015), Rapid (Baujahre 2011 bis 2015), Yeti (Baujahre 2009 bis 2015), Octavia II (Baujahre 2009 bis 2013) und Superb II (Baujahre 2009 bis 2015). Bei VW in den USA sind es: Golf, Jetta, Beetle, Passat. In Deutschland ...

Welche Autos sind betroffen?

... sind unter anderem Golf VI, Passat VII und Tiguan I betroffen, weitere Modelle hat VW noch nicht genannt. Seat verweist auf seine Internetseite. Kunden von VW können auf der Webseite info.volkswagen.de mithilfe ihrer Fahrgestellnummer prüfen, ob das eigene Auto betroffen ist. Skoda, Seat und Audi bieten diesen Service ebenfalls an: Unter skoda-auto.de, seat.de und audi.de gibt es entsprechende Infoseiten.

Was wird VW noch vorgeworfen?

Der Abgasskandal weitet sich zunächst sechs Wochen nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe aus und erfasste die CO2-Emissionen von Fahrzeugen. Am 3. November gibt VW bekannt, dass es bei rund 800.000 Fahrzeugen zu "Unregelmäßigkeiten" bei der Angabe von CO2-Werten und damit des Verbrauchs bei der Typzulassung gegeben hat. Inzwischen ergaben laut VW interne Prüfungen und Messkontrollen, dass es keine rechtswidrige Veränderung der Verbrauchsangaben und CO2-Werte gab. Nur für wenige Modellvarianten müssen die Verbrauchswerte leicht angepasst werden.

Welche Modelle sind dies?

Polo 1,0 l TSI BlueMotion 70 kW EU6 7-Gang-DSG
Scirocco 2,0 l TDI BMT 135 kW EU6 6-Gang-Schaltgetriebe
Jetta 1,2 l TSI BMT 77 kW EU6 6-Gang-Schaltgetriebe
Jetta 2,0 l TDI BMT 81 kW EU6 5-Gang-Schaltgetriebe
Golf Cabriolet 2,0 l TDI BMT 81 kW EU6 5-Gang-Schaltgetriebe
Golf 2,0 l TDI BMT 110 kW EU6 6-Gang-Schaltgetriebe
Passat Alltrack 2,0 l TSI 4MOTION BMT 162 kW EU6 7-Gang-DSG
Passat Variant 2,0 l TDI SCR 4MOTION BMT 176 kW EU6 7-Gang-DSG
Passat Variant 1,4 l TSI ACT 4MOTION BMT 110 kW EU6 6-Gang-Schaltgetriebe

Wer ist die EPA und was macht sie?

Autohersteller müssen bei der EPA (United States Environmental Protection Agency) ihre Modelle testen lassen, um die Genehmigung für einen Verkauf der Autos in den USA zu erhalten. Die Behörde gilt als mächtige Institution. Weil für Stickoxid in den USA strenge Grenzwerte bestehen, geht die EPA streng gegen Verstöße vor. Volkswagen räumt beim Motor EA 189 die Vorwürfe schnell ein. Beim 3.0-Liter TDI dementiert der Hersteller die Vorwürfe zunächst, um Ende November doch den Einbau einer "unzureichend dokumentierten Software" einzuräumen.

Wie geht es weiter mit betroffenen Autos?

Die technische Umrüstung der Dieselmotoren mit Manipulations-Software wird  einfacher als befürchtet. Für die beiden größeren Antriebe hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Vorschläge aus Wolfsburg genehmigt. So sollen die in der EU verkauften Wagen umgerüstet werden:

Wie sollen 2,0-Liter-TDIs umgerüstet werden?

Vom Motortyp EA 189 mit 2,0 Liter Hubraum sind rund 5,2 Millionen Autos betroffen. Bei denen ist nur Software-Update nötig. Geschätzte Arbeitszeit pro Motor etwa 30 Minuten.

Wie sollen 1,6-Liter-TDIs umgerüstet werden?

Vom Motortyp EA 189 mit 1,6 Liter Hubraum sind rund drei Millionen Autos betroffen. Bei ihnen ist sowohl ein Software-Update als auch eine technische Lösung nötig, letzterer aber weniger umfangreich als zuvor angenommen - es reicht der Einbau eines Strömungstransformators (Gitternetz) vor dem Luftmassenmesser. Geschätzte Arbeitszeit pro Motor weniger als eine Stunde.

Wie sollen 1,2-Liter-TDIs umgerüstet werden?

Letzlich sind vom kleinsten EA 189 mit 1,2 Liter Hubraum rund 300.000 Autos betroffen: Auch bei ihnen reicht wie beim 2,0-Liter-Motor ein Software-Update aus.

Muss ich als VW-Halter für mein Auto geradestehen?

Wohl nicht. Das Bundesverkehrsministerium nimmt VW in die Pflicht, für Folgekosten des Abgasskandals einzustehen, sei es für Umrüstung von Autos oder Nachzahlung von Kfz-Steuern. VW sagt dies zu.

Was sind die Vorwürfe bei 3,0-Liter-Dieseln?

Anfang November wirft die US-Umweltbehörde EPA dem Volkswagenkonzern zudem vor, in den USA auch 3,0-Liter-Diesel manipuliert zu haben. Damit wären auch Porsche Cayenne, VW Touraeg und Audi A6 vom Skandal betroffen. VW betonte zunächst, "dass keine Software bei den 3-Liter-V6-Diesel-Aggregaten installiert wurde, um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern". Ende November rudert der Konzern zurück, und verweist auf eine "nicht ausreichend dokumentierte Software". Laut der EPA handelt es sich dabei um eine Abschaltevorrichtung.

Wie reagiert Audi als Entwickler der großen Diesel?

Audi, aus dessen Entwicklungsabteilung der 3,0-Liter-Diesel stammt, gibt zu, dass die eingebaute Software so nicht genehmigt wurde. Jetzt sollen die betroffenen Autos verändert und nachträglich von der US-Umweltbehörde genehmigt werden. Es geht um rund 75.000 Fahrzeuge der Typen Porsche Cayenne, VW Touareg, Audi A6, A7, A8, Q5 und Q7 ab Modelljahr 2009.

Was ist ein AECD?

Die EPA wirft VW den Einsatz eines "Auxiliary Emissions Control Device" (AECD) vor. Das ist ein Hilfsgerät zur Emissionskontrolle, das unter anderem die Motordrehzahl, den eingelegten Gang und auch die Außentemperatur erkennt. Braucht das Auto beispielsweise wegen besonders niedriger Außentemperaturen oder bei hoher Belastung mehr Leistung, schaltet das AECD die energieverbrauchende Emissionskontrolle teilweise oder sogar ganz ab. Dann hat das Auto zwar ausreichend Leistung, stößt aber auch mehr Abgase aus. Die EPA hält den Einsatz dieses AECD für eine Manipulation der Abgaswerte, Audi bestreitet dies noch und will verhandeln.

Warum hat VW die Abgaswerte manipuliert?

VW stand nach eigenen Angaben Mitte der 2000er-Jahre unter enormem Druck, einen neuen Dieselmotor zu entwickeln, der die strengen US-Grenzwerte einhalten konnte. Statt einer teuren, aufwendigen technischen Lösung habe man sich zum Einbau der wesentlich günstigeren Schummel-Software entschieden. Begünstigt wurde dieses Fehlverhalten Einzelner durch Schwachstellen in Prozessen und die Haltung in einigen Teilbereichen des Unternehmens, Regelverstöße zu tolerieren. Ohne die Manipulation auf dem Prüfstand hätten die betroffenen Autos mit dem Motor EA 189 in den USA wohl kaum eine Typzulassung bekommen.

Manipulieren auch andere Autohersteller?

Viele andere Autobauer wehren sich entschieden gegen den Vorwurf, sie würden auch Abgaswerte manipulieren (oder hätten dies in der Vergangenheit getan). Selbst wenn es so wäre, könnte es ihnen zurzeit niemand nachweisen. Volkswagen hat die Manipulationen erst zugegeben, nachdem der Hersteller von der US-Umweltbehörde EPA mit auffälligen Messwerten konfrontiert wurde. Mittlerweile hat auch der ADAC Messwerte veröffentlicht: Sie stammen ...

Manipulieren auch andere Autohersteller?

... von Euro-5- und Euro-6-Dieseln, die unter realitätsnäheren Bedingungen (WLTC statt NEFZ) getestet wurden. Die Zahlen sind zwar nicht gesetzlich relevant, aber alarmierend: Viele Modelle unterschiedlicher Hersteller, die auf dem NEFZ-Prüfstand bislang unauffällig waren, stoßen etwa bei höherer Geschwindigkeit wesentlich mehr Stickoxide aus als bislang angenommen. Ein Nachweis für eine Manipulation ist das nicht.

Wusste das denn vorher niemand?

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, betonte, ihre Behörde weise bereits seit Ende der 1990er Jahre darauf hin, "dass auch in Deutschland die realen Schadstoff-Emissionen höher sind als die Typ-Prüfwerte, die auf dem Rollenprüfstand ermittelt wurden". Eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag im Juli 2015 ergab zudem, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) von der Existenz spezieller Testbetriebs-Software wusste.

Warum wurde bislang in Deutschland nicht ermittelt?

Auch den deutschen Behörden war bekannt, dass zumindest bei manchen Fahrzeugtypen der Abgasausstoß im Straßenbetrieb deutlich höher ist als auf dem Prüfstand. Anders als in den USA hat die deutsche Umweltbehörde aber nicht wie die US-amerikanische EPA reagiert und eigene Tests durchgeführt, sondern sich auf die Herstellerangaben verlassen.

Welche Folgen hat die Affäre für VW?

Die Folgen des Abgasskandals für VW zeichnen sich mittlerweile in Grundzügen ab. In den USA erreicht VW Ende Juli die Einigung auf einen Vergleich über 15,3 Milliarden Dollar. Allerdings sind noch die Klagen mehrerer US-Bundesstaaten anhängig. Auch ist nicht raus, ob Einzelpersonen nicht weiter Sammelklagen gegen VW forcieren. Auch in Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft. Sie könnte im schlimmsten Fall den Gewinn, den VW mit den manipulierten Fahrzeugen erzielt hat, abschöpfen. Ein Risiko, das schwer zu beziffern ist.

Wer ist verantwortlich für die Manipulationen bei VW?

VW geht davon aus, dass nur ein kleiner Kreis von Mitarbeitern überhaupt von den veränderten Programmen in der Motorsteuerung wussten. Wer am Ende die Verantwortung trägt, ist offen. Vorstand und Aufsichtsrat hätten davon aber nichts gewusst. Bisher ...

Wer ist verantwortlich für die Manipulationen bei VW?

... hat VW neun Mitarbeiter beurlaubt. Konzernchef Martin Winterkorn trat kurz nach Bekanntwerden der Affäre zurück - weist aber jede persönliche Verantwortung von sich.

Was ist in den USA anders?

In den USA sind die Grenzwerte für den Ausstoß von Stickoxiden (NOx) deutlich niedriger, erlaubt sind hier nur umgerechnet ca. 44 Milligramm pro Kilometer (70 Milligramm pro Meile), in Deutschland sind es 80 Milligramm. Traditionell pochen die US-Behörden auf die Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben. Gerade in Kalifornien, wo mit die weltweit schärfsten Abgasauflagen herrschen, ist die Umweltbehörde eine mächtige Institution.
Alles zum Abgasskandal

Wechsel zum Benziner nicht unbedingt sinnvoll

Die Nachfrage nach Benzinern ist nach wie vor stabil, legte in der vergangenen Woche bei Autohaus24 sogar um sechs Prozent zu. Nur wegen des Abgasskandals vom Selbstzünder auf einen Ottomotor zu wechseln, ist laut Carolin Gabor von autohaus24 aber nicht sinnvoll: "Die Frage nach Diesel vs. Benziner stellt sich grundsätzlich und ist abhängig von der Fahrzeugnutzung." Grob gesagt: Wer häufig lange Strecken fährt, ist in der Regel mit einem Diesel gut bedient, wer eher auf Kurzstrecken unterwegs ist, sollte lieber einen Benziner wählen. Gabor: "Jetzt auf einen Benziner umzusteigen, obwohl der Dieselmotor im individuellen Fall ökonomischer wäre, empfehlen wir nicht."

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Neuwagenkauf lieber nicht hinausschieben

Carolin Gabor rät auch davon ab, den geplanten Kauf eines Neuwagens hinauszuschieben. Mit weiteren Preisnachlässen ist ihrer Einschätzung nicht zu rechnen, da Euro-6-Diesel nach aktuellem Wissenstand nicht vom Abgasskandal betroffen sind. Es sei also unwahrscheinlich, dass diese Selbstzünder in einigen Monaten günstiger angeboten werden. Im Gegenteil: "Typischerweise loben Hersteller vieler Marken im letzten Quartal Prämien für den Kauf eines Neuwagens aus. So auch in diesem Jahr. Ein Neuwagenerwerb auf das nächste Jahr zu schieben, kommt deshalb meist teurer."

Autor: Maike Schade

Stichworte:

Diesel Abgasskandal

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