Nach den Rekordständen der jüngsten Zeit sind die Benzin- und Spritpreise wieder um mehrere Cent pro Liter gesunken. So kostete Superbenzin pro Liter im Schnitt 2,218 Euro, Super E10 2,160 Euro und Diesel 2,253 Euro (Preise vom 16. März). Doch das hohe Preisniveau von weit über 2,20 Euro bleibt. Nur: Am Ölmarkt findet sich kein Grund dafür!
Tatsächlich ist der Preis für Rohöl von den Höchstständen der vergangenen Tage weit entfernt, fiel auf unter 100 Dollar pro Barrel (159 Liter), nach einem Höchststand von deutlich über 130 Dollar am 9. März. Dennoch reiben sich Autofahrer angesichts der hohen Spritpreise die Augen. Wer kassiert hier die Autofahrer ab?

Sind beim Spritpreis Spekulanten am Werk?

Eine Vermutung äußert Sven-Christian Kindler, der haushaltspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, jetzt im "Deutschlandfunk": Er regt an, zu überprüfen, ob die stark gestiegenen Preise für Benzin und Diesel vielleicht auf illegalen Preisabsprachen der Mineralöl-Konzerne beruhen? So vermutet er "dass hier Milliardengewinne auf Kosten von Autofahrern" gemacht werden. Kindler sprach wörtlich von "Kriegsgewinnlern", die vom Krieg in der Ukraine profitieren würden.
Ähnlich äußerte sich Rolf Mützenich, SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag: "Hier sind Spekulationen am Benzinpreis erfolgt, die einen massiven Aufwuchs an den Zapfsäulen vergegenwärtigen." Auf Twitter schrieb der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne): "Mein Eindruck ist, dass ein paar Ölmultis gerade den großen Reibach machen."
Weil die Preise für Benzin und Diesel nicht in gleichem Maß wie der Ölpreis zurückgingen, hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) deshalb das Bundeskartellamt gebeten, die Situation zu prüfen. Die Behörde solle "bei jeglichem Hinweis auf missbräuchliches Verhalten tätig" werden. Das Bundeskartellamt kündigte an, alle Marktstufen zu prüfen.

"Geld bleibt zwischen Ölförderung und Tankstelle hängen"

Denn auch der ADAC übt Kritik "Trotz aller kriegsbedingter Sondereffekte und Erklärungen für die hohen Spritpreise – irgendwo zwischen Ölförderung und Tankstelle bleibt das zusätzliche Autofahrergeld hängen", sagt Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht. "Die Mineralöl-Konzerne verdienen im Raffineriegeschäft derzeit richtig gutes Geld." Das ist besonders bedauerlich, da sich mit spritsparendem Fahren allein die Tankrechnung nicht verringern lässt.

Rohöl- und Spritpreise sind aus dem Takt

Das Problem ist, dass die sich normalerweise im Takt bewegenden Preise für Rohöl und daraus gefertigte Verbrennungsprodukte, also Benzin und Diesel, voneinander entkoppelt haben. Während die Höchstpreise beim Sprit bei Rohölkosten von in der Spitze 139 Dollar noch zu erklären waren, liegt der Ölpreis nun um ein Drittel darunter.
Spritpreistafel an Tankstelle
Zuletzt mussten sich Autofahrer an Dieselpreise um 2,40 Euro, Benzinpreise um 2,30 Euro gewöhnen.
Ein möglicher Grund: Die erwartete Preisentwicklung wird an den Märkten eingepreist. Außerdem hängt der Preis vom aktuellen Angebot ab. Somit können die Rohstoffhändler die Höhe des Preises übers Verknappen oder Vergrößern des Angebotes steuern. Das bestätigt Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Tankstellenverbands ZTG: Vor allem bei Diesel und dieselähnlichen Produkten werde in Deutschland weniger produziert als verbraucht.
Ein relevanter Teil des Imports sei bisher aus Russland gekommen, doch viele Händler nähmen bereits ein mögliches Importverbot vorweg. Dadurch werde der Treibstoff knapper und damit teurer. Dazu kämen Angst und Spekulation.

So sollen Autofahrer entlastet werden

Wer raus ist aus der Preisspekulation, das sind wohl die Tankstellen selber. Sie haben kaum Möglichkeiten, die Preise mitzugestalten. Insgesamt wächst der Druck auf die Politik, mit Rabattgutscheinen oder einem Tankzuschuss die hohen Spritpreise abzufedern. Begründet wird das mit der ungenauen Wirkung, von der auch vermögende Autofahrer profitieren würden.
So warnt der Sozialverband VdK vor Entlastungen der Verbraucher "nach dem Gießkannenprinzip". Stattdessen sollte die soziale Bedürftigkeit der Empfänger berücksichtigt werden, sagte Präsidentin Verena Bentele der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Sie fordert stattdessen Gutscheine für Geringverdiener und Rentner.