Sanft brabbelt der Sechszylinder unter der langen Motorhaube. Die Haifischnase schneidet den Wind in zwei Teile. Im Innenraum orientiert sich das Cockpit am Fahrer, der alle Instrumente gut im Blick hat. Mit einem satten Drehmoment ausgestattet, lässt sich der Sechszylinder geschmeidig und schaltfaul fahren.

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Doch wenn es unter der Fußsohle juckt, können die Reifen auch gierig in den Asphalt beißen. Und das in einem eher hochbeinigen, kompakten Zweitürer. Keine Frage: Der BMW 3er der ersten Generation ist eine reine Fahrmaschine. Noch heute.
Mit dem 3er führt BMW 1975 ein überaus erfolgreiches Modell ein. Über 20 Millionen 3er verkauft BMW innerhalb von 50 Jahren. Der 3er bleibt damit lange das wirtschaftlich wichtigste Modell von BMW.
50 Jahre 3er BMW
50 Jahre 3er: Vom E21 bis heute – BMWs Erfolgsbaureihe im Generationenvergleich.
Bild: BMW AG
Dabei ist im Juni 1975 nicht ganz klar, ob das Konzept aufgeht. Der Vorgänger BMW 02 ist etwas in die Jahre gekommen, begeistert aber mit seinen starken Vierzylindermotoren und der leichten Karosserie immer noch fahraktive Autofahrer. Klein, handlich und sportlich kommt er bei den Fans in den 70ern an. Als sie den ersten 3er auf der IAA sehen, rümpfen viele die Nase: Der 3er wirkt für viele Fans zu groß, zu schwer, zu langsam und zu schwach – vor allem im Vergleich zum leichten 2002 turbo mit seinen 170 PS.

Ölpreisschock Mitte der 70er Jahre

Doch BMW sieht einen Markt für mehr Komfort und Luxus unterhalb des 5er, der seit 1972 verkauft wird, und will mit feiner Motorentechnologie in einem Kompaktwagen neue Kunden ansprechen. Einige Designelemente wie Haifischnase, Doppelniere, kurze Überhänge und Doppelscheinwerfer entwickeln die Designer beim ersten 3er weiter, um 02er-Kunden nicht allzu stark zu verprellen.
Weitere Details wie das fahrerorientierte Cockpit, der "Hofmeister-Knick" an der C-Säule und eine komfortable Innenausstattung werden zur Blaupause nachfolgender Modelle. Chefdesigner Paul Bracq setzt auf Dynamik und Sportlichkeit, Stattlichkeit und Prestige – mit Zutaten aus der Oberklasse, ohne dabei den Alltagsnutzen zu vernachlässigen.
BMW E21
Alles im Blick: fahrerorientiertes Cockpit und klare Instrumente, typisch BMW (E21)
Bild: Fabian Hoberg
Allerdings sind die Zeiten Mitte der 1970er-Jahre hart. Der erste Ölpreisschock von 1973 steckt bei Herstellern und Autofahrern noch im Tank. Daher arbeiten beim 3er unter der Haube zuerst sparsame Vierzylindermotoren mit Vergaser für Normalbenzin. Der 316 als 1010 Kilogramm leichtes Basismodell leistet immerhin 90 PS und fährt 160 km/h schnell – allerdings für rund 13.980 Deutsche Mark. Zum Vergleich: Das Urmeter VW Käfer 1303 mit seinen 44 PS gibt es bereits ab 8355 Mark.
Für den Aufpreis bietet BMW aber nicht nur mehr Platz und Leistung, sondern auch Oberklasse-Ambiente: Ein dicker Teppich auf dem Boden und bequeme Sitze verwöhnen die Insassen, und ein umfangreiches Cockpit versorgt den Piloten mit Infos – eben wie in einer Oberklasse.

Der 3er wird sportlich, ohne Sportwagen zu sein

Leistungshungrigen BMW-Fans fehlt allerdings immer noch die Power. Und BMW liefert 1977. Wie in den größeren Modellen pflanzen die Bayern auch im 3er Sechszylindermotoren ein. Der 320 leistet 122 PS, ein Jahr später kommt die Topvariante 323i mit 143 PS auf den Markt. Ein starker Antrieb in einer komfortablen und kompakten Karosserie ist damals neu, ja nahezu konkurrenzlos. Der 3er wird sportlich, ohne Sportwagen zu sein.
Genau das macht die erste 3er-Reihe heute noch aus. Während Ford Escort RS, Opel Kadett GT/E oder VW Golf GTI eher sportlich-hart abgestimmt sind und um die 110 PS leisten, kombiniert der 3er BMW Platz und Komfort mit ausreichend Leistung.
BMW E21
Der Reihensechszylinder im BMW E21.
Bild: Fabian Hoberg
Wie im 323i. Der neu entwickelte 2,3-Liter-Reihensechszylinder mit mechanischer Saugrohreinspritzung, elektronischem Motormanagement und Transistorzündung leistet 143 PS bei 5800 Touren und 190 Newtonmeter Drehmoment bei 4500 Touren. Sind Wasser und Öl erst einmal auf Betriebstemperatur, zieht der 3er seinen Smoking aus und streift den engen Jogger über. Die fünf Gänge lassen sich über den kurzen Schalthebel auf dem dicken Kardantunnel schnell wechseln.
Der Sechszylinder hängt gut am Gas, schnurrt zufrieden vor den Füßen, vor allem bei mittleren Drehzahlen. Derweil entfleuchen die Abgase durch die Doppelrohr-Auspuffanlage. Zweiter und dritter Gang liegen schon bei rund 2500 Touren an, der vierte Gang folgt bereits ab 60 km/h. In Sachen Laufkultur und Geschmeidigkeit kommt kein anderes Triebwerk an den Sechszylinder heran, vor allem nicht in einem Kompakten aus dieser Zeit.

Der 323i sprintet 3er in 9,5 Sekunden auf 100 km/h

Doch der 323i kann auch anders. Aus dem Stand sprintet der 3er in 9,5 Sekunden auf 100 km/h, auf der Autobahn muss sich der 323i mit einer Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h nicht verstecken. Gut, die 185/70 R13 87H kommen schnell an ihre Grenzen, winseln in der ersten schnell gefahrenen Kurve um Gnade. Dann wackelt kurz das Heck, stempelt ein Rad und will ein anderes heben. Sportlich-straff hat BMW das Fahrwerk abgestimmt, ohne sportwagenhart zu sein. Vorne arbeitet eine McPherson-Einzelradaufhängung, hinten Schräglenker und Federbeine.
BMW E30
Mit dem E30 wird der 3er endgültig zum Maßstab der Mittelklasse, rund 2,3 Millionen Modelle hat BMW produziert.
Bild: Fabian Kirchbauer; BMW AG
Die Bremse verlangt etwas mehr Druck als heute üblich, und die elastische Zahnstangenlenkung mit dem großen Lenkrad hat mit der Straffheit und Präzision moderner Autos wenig zu tun. Doch trotz der hohen Sitzposition werden Piloten schnell eins mit dem ersten 3er. Schon nach wenigen Minuten Fahrt ertappt man sich bei einer typischen 3er-Lässigkeit: mit der linken Hand lenken, während die rechte Hand auf dem Schalthebel parkt. Die Augen freuen sich über ein analoges Cockpit mit großen Rundinstrumenten für Geschwindigkeit und Drehzahl sowie zwei kleinen für Tankanzeige und Kühlwassertemperatur. Wer braucht mehr Infos?

Der BMW E21 wird zum Millionenseller

Bis Ende 1983 entstehen 1,36 Millionen Fahrzeuge des E21, rund die Hälfte davon geht in den Export. Neben der zweitürigen Limousine bietet Karosserieschneider Baur auf Basis des E21 zwischen 1977 und 1982 ein Topcabriolet an, von dem 4595 Stück gebaut werden. Dazu kommen Tuning-Varianten wie ab 1978 der Alpina B6 2.8 und etliche Motorsport-Fahrzeuge wie für die Gruppe 5. Auch das BMW Art Car von Roy Lichtenstein aus dem Jahr 1977 basiert auf dem ersten 3er.
BMW E21
Der Anfang von allem: Der BMW E21 begründet 1975 die 3er-Erfolgsgeschichte.
Bild: Fabian Kirchbauer; BMW AG
Im Laufe der Zeit bietet BMW acht Motorvarianten mit einer Leistung zwischen 75 PS (315) und 143 PS (323i) an. Doppelscheinwerfer erhalten die Modelle mit mindestens zwei Litern Hubraum. Bei gut einem Drittel des E21 arbeitet unter der Haube ein Sechszylinder, am häufigsten im 320. Der E21 wird zum ersten Millionenseller von BMW und zum Wegbereiter raus aus der Nische hin zum Weltkonzern.
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Mittlerweile baut BMW den 3er in der siebten Generation. Aus dem 4,35 Meter kurzen Kompakten ist ein bis zu 4,80 Meter langes Mittelklasseauto geworden. Doch diese Kombination aus starkem Frontmotor mit Hinterradantrieb bleibt ebenso erhalten wie die Freude am Fahren. Herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag, E21.