Sind Kombis eigentlich die schöneren Autos? Wissen wir nicht. Was wir wissen: Bei der Wahl zum Topmodel wären diese drei auf alle Fälle dabei: BMW 530i Touring, der neue Jaguar XF Sportbrake und der Volvo V90 sehen einfach blendend aus. Und weil der Diesel gerade im Gerede ist, haben wir die drei Edellaster zur Abwechslung mal mit Benzinern ausgestattet. Alles 2,0-Liter-Vierzylinder. Klingt erst mal nicht so toll, aber wir werden sehen. Der Volvo kommt sogar mit Otto-Partikelfilter, vorbildlich.

Volvo zelebriert mit dem V90 den dezenten Luxus

Volvo V90
Hübsch: Der V90 gefällt mit scharfen Kanten und feinen Details – auch innen sieht er gut aus.
Die Schweden laufen designmäßig ja gerade zur Höchstform auf, und der V90 bestätigt das eindrucksvoll mit wunderbaren Proportionen, scharfen Kanten und feinen Details. Großartig. Dazu kommt eine bildschöne Einrichtung. Nee, das ist nicht Ikea, das ist feiner, dezenter Luxus auf skandinavisch. Auffällig natürlich der große Neun-Zoll-Touchscreen mit vielen Funktionen – an dessen Bedienung wir uns inzwischen gewöhnt haben. Die Sitze vorn, mit festen Kopfstützen, sind etwas zierlicher als etwa im BMW, passen aber bestens. Und im weitläufigen Fond hat der Volvo von allen das beste Raumangebot. Der Kofferraum schluckt 560 bis maximal 1526 Liter – das sind zwei große Reisetaschen weniger als bei BMW und Jag. Auch der XF Sportbrake ist eine eindrucksvolle Erscheinung, mit bulliger Front, gestreckter Seitenlinie und coupéartigem Heck. Passt. Das stilvolle Cockpit gefällt mit schönen Details wie dem sich bedächtig aus der Mittelkonsole heraushebenden Drehschalter für die Automatik.
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BMW kombiniert beim 5er Touring Dynamik mit Nutzwert

BMW 5er
Packesel: Neben viel Fahrfreude bringt der 5er Touring auch viel Alltagsnutzen – und die größte Zuladung.
Typisch aber auch die unlogische Menüführung und zähe Bedienung beim Zehn-Zoll-Touchscreen. Die griffigen Sportsitze vorn gehören beim R-Sport zur Serie, im luftigen Fond sind auch große Mitreisende standesgemäß untergebracht. Und in das Gepäckabteil passen 565 bis 1700 Liter, fast genauso viel wie in den BMW. Der 530i tritt auf den ersten Blick nicht ganz so forsch auf wie XF und V90. Auf den zweiten gefällt seine zurückhaltende, bis ins Detail geschliffene Eleganz. Das gilt auch für das BMW-typisch auf den Fahrer ausgerichtete Cockpit, das über eine tadellose Funktionalität und ein iDrive in Bestform verfügt. Die Komfortsitze des Testautos kosten zwar satten Aufpreis (2290 Euro), bieten aber hohe Bequemlichkeit und zigfache Verstellmöglichkeiten. Unser Bestelltipp – wenn der Etat das bei diesen Preisen noch hergibt.
Im luftigen Fond gibt es etwa so viel Raum wie im Jaguar und eine bequeme Rückbank mit angenehmer Sitzposition. Auch der Kofferraum entspricht dem XF, 570 Liter bis maximal 1700 Liter passen rein. Da haben die Bayern aber genau hingeguckt. Der BMW darf maximal 559 Kilo zuladen, der Jaguar 498 und der Volvo für einen Kombi relativ bescheidene 467 Kilo.
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Jaguar übertreibt es beim XF ein wenig mit der Sportlichkeit

Jaguar XF
Der Name ist Programm: Der XF Sportbrake soll knackig ums Eck gehen – darunter leidet der Komfort.
Der Schwede kommt als Einziger mit Frontantrieb und quer eingebautem Motor. Er braucht wie stets den größten Wendekreis (12,2 Meter) und hat, klar, ein paar Antriebseinflüsse in der Lenkung. Sein 2,0-Liter-Vierzylinder leistet 250 PS und ist ein freundlicher Typ, nicht ganz so drehfreudig wie die beiden anderen, eher gelassen. Das passt, denn der Volvo lässt dich beim Fahren in Ruhe, federt sanft, mag keine Hektik und fühlt sich an wie ein wirklich großes Auto. Nicht so toll: Der Verbrauch lag im Test mit 10,9 Litern viel zu hoch, dazu kommt der mit 55 Litern für ein Auto dieser Größe viel zu kleine Tank. Beim XF Sportbrake sind es 74 Liter, auch er bekleckert sich bei einem Testverbrauch von 9,8 Litern nicht gerade mit Ruhm. Den XF hat Jaguar betont auf Dynamik getrimmt. Sein 250-PS-Aggregat knurrt und röhrt nach Kräften, die Lenkung spricht direkt an, die Abstimmung ist stramm. Zu stramm, wenn Sie uns fragen. Klar, das vermittelt so etwas wie Sportlichkeit, ist aber unnötig und passt so nicht zum feinen Kombi.
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Beim Preis tun die drei Testkandidaten richtig weh

BMW 5er Touring Jaguar XF Sportbrake Volvo V90
Teuer: Unter 60.000 Euro geht hier gar nichts, aber die Leasingkonditionen sind sehr interessant.
Das kann der BMW besser. Die hohe Kunst beim 5er besteht darin, dass er vieles beherrscht: Er kann cremig und sanft federn, aber auch bissig und scharf um die Kurven gehen. Dann fühlt er sich so leichtfüßig an wie ein 3er. Ein Genuss! Der lebhafte 2,0-Liter-Vierzylinder mit 252 PS hängt giftig am Gas, dreht locker und macht ganz schön Betrieb. Der 1,8-Tonnen-Kombi stürmt in 6,1 Sekunden auf 100. Vermissen wir da was? Leistungsmäßig wirklich nicht, aber ein 530i war früher mal ein Reihensechser, der klang dann doch noch etwas besser. Dafür verbraucht der 530i mit 8,9 Litern am wenigsten, und in den Tank passen 68 Liter, was in Ordnung geht. Und die Preise? BMW berechnet den 530i Touring in Testausstattung mit 66.060 Euro. Der XF Sportbrake mit R-Sport liegt mit 61.525 Euro knapp 5000 Euro darunter – aber mit magerer Ausstattung. Der Volvo V90 sortiert sich mit 63.090 Euro in der Mitte ein. Interessant scheint das Leasing: Der BMW kostet 473 Euro im Monat, der Volvo 469 Euro und der Jaguar schlanke 320 Euro. Und das für ein Topmodel.

Fazit

Der 530i setzt sich eindrucksvoll in Szene, geräumig und praktisch und mit herausragenden Fahreigenschaften. Zweiter wird der V90 T5, ein Hingucker, aber mit kleinerem Gepäckabteil. Der XF Sportbrake ist eine reizvolle Alternative, Platz hat er auch. Und Stil dazu.

Von

Berend Sanders