Skepsis macht sich breit, als ich zum ersten Mal dem BMW CE 04 gegenüberstehe. Das Design ist außergewöhnlich – ob im positiven oder negativen Sinne, liegt wohl im Auge des Betrachters – und auffällig. Ob's zweckmäßig ist, wird sich zeigen, wenn mich der E-Roller eine Woche lang im Alltag begleiten wird. Mit 42 PS und einer Beschleunigung von 2,6 Sekunden von 0 auf 50 km/h laut Hersteller liefert das Bike aber zumindest schon mal anständige Fahrwerte.

Das gefällt mir an der BMW CE 04

Das erste Mal richtig Gas geben an der Ampel ist ein richtiger Überraschungsmoment. Obwohl ich vorgewarnt wurde, habe ich mit so einer Kraft bei so viel Gewicht (immerhin satte 231 Kilogramm!) nicht wirklich gerechnet. Ein Hoch auf den Elektroantrieb, denn die Antriebskraft ist auf den Punkt da und presst mich förmlich nach hinten. Das macht Spaß und erschreckt zugleich, denn zack, ist das Tempolimit in der Stadt auch schon erreicht. 
Das alleinstehende Rad mit Einarmschwinge streckt den Roller auf 2,28 m.
Durch den langen Radstand und den niedrigen Schwerpunkt ist auch die Kurvenlage ein echter Fun-Faktor. Mit den unterschiedlichen Modi kann ich morgens entweder ganz entspannt zur Arbeit fahren – und dabei auch noch Akkusaft sparen – oder im Dynamik-Modus auch mal richtig aufdrehen und mit mehr Schwung durch den Morgenverkehr cruisen.

Die unterschiedlichen Fahr-Modi

Da unser Testfahrzeug das Dynamik-Paket besitzt, stehen uns statt der üblichen drei gleich vier Fahr-Modi zur Verfügung: Eco, Rain, Road und Dynamik. Besonders letzterer ist im Anzug eine echte Wucht, hat aber auch den kleinen Nachteil, dass die Rekuperation deutlich stärker ist. Gewöhnungsbedürftig und gerade am Anfang manchmal etwas nervig, denn das Fahrzeug gerät regelrecht ins Stocken, selbst wenn ich nur wenig Gas wegnehmen will. Die anderen Modi fahren sich da doch deutlich entspannter (vor allem der Eco-Modus), wenn auch nicht ganz so spritzig.
Die Fahrmodi lassen sich auch während des Fahrens mit einer Taste am rechten Griff wechseln.

Das gefällt mir nicht am Elektro-Großroller

Die Maße des Rollers sind nichts für kleine Menschen – oder welche mit kurzen Beinen. Die Sitzbank ist extrem breit, was dazu führt, dass ich (1,67 Meter) nicht mit beiden Füßen gleichzeitig auf dem Boden ankomme. Das hohe Gewicht trägt sein Übriges dazu bei, dass sich das Anhalten etwas wackelig anfühlt.
Durch das einzelne Rad hinten lässt sich gerade im Rückwärtsgang der Abstand nach hinten schwer einschätzen. Weiterer Kritikpunkt meinerseits: das Verladen! Der Roller ist über und über mit Plastikteilen bedeckt. Will man ihn in einem Transporter oder auf einem Anhänger transportieren, besteht das Problem: wohin mit den Gurten? An den Rahmen kommt man nirgendwo ran, auch der Lenker ist überall verkleidet. Einzige Möglichkeit ist das Befestigen an den Griffen. Geht, ist aber nicht schön, wenn man bedenkt, wie viel Druck dann beim Festzurren auf dem Gasgriff lastet.
Abgespactes Design: Damit fällt man im Straßenverkehr so richtig auf.
Weitere kleine Kritikpunkte, wie zum Beispiel das Fahren mit einem Sozius, wurden bereits von anderen Kollegen angemerkt – und dem kann ich mich ihm nur anschließen. (Zum Alltagstest von Lars Hänsch-Petersen)

Für wen ist der BMW CE 04 geeignet?

Nach einer Woche mit dem BMW CE 04 ist für mich klar, dass dieses Fahrzeug in meinem Alltag keinen Platz finden wird. Und dabei frage ich mich sogar, für wen er überhaupt geeignet sein soll. Für Menschen auf dem Land? Dafür ist die Reichweite (130 Kilometer nach WMTC-Norm) zu kurz bemessen. Auch wenn dort viele sicherlich die Möglichkeit haben, vor der eigenen Haustür zu laden – mit Wallbox oder Schukostecker. 
Für Menschen in der Stadt? Die Reichweite passt, doch das Laden könnte zum Problem werden. Wer keine Lust hat, sich immer an öffentlichen Ladesäulen anzustellen oder keine eigene Wallbox hat, der guckt in die Röhre. Hier sind Roller mit herausnehmbaren Akkus deutlich im Vorteil. 
Ein weiteres Ausschlusskriterium ist für viele sicherlich auch der Preis. Der BMW CE 04 startet bei 12.000 Euro. Das uns zur Verfügung gestellte Modell liegt laut Konfiguration auf der Herstellerseite sogar bei über 13.500 Euro. Da werden Großstadt-Pendler, die unbedingt einen vollelektrischen Roller fahren wollen, schon für die Hälfte des Geldes bei anderen Herstellern fündig.
Der BMW CE 04 schafft in meinen Augen nicht den Spagat zwischen günstigem City-Pendler und spaßigem Freizeit-Motorrad.

Zum Fahrerprofil von Lisa Busse

Lisa Busse hat in der Regel einen Arbeitsweg von sieben Kilometern quer durch Hamburg. Mindestens zweimal die Woche ist allerdings eine Strecke von 110 km in die Heimatstadt zu bewältigen. Statt im dichten Hamburger Straßenverkehr das Auto zu nutzen, fährt sie meist lieber U-Bahn. Am Wochenende geht es dann allerdings aufs Bike – genauer gesagt: offroad mit einer KTM SXF 250.
AUTO BILD-Test-Historie BMW CE 04:

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Lisa Busse