BMW i3 mit Mini-Reichweite im Alltag
Wie fährt sich ein BMW i3 mit 89 km Reichweite?

Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Vor zwei Jahren seufzte ein Kollege über den elektrischen Dauerläufer in der AUTO BILD-Testredaktion: "Nur noch 99 Kilometer im BMW i3!" Die damals mit 74 Prozent gemessene Akkukapazität ging natürlich noch weiter runter, der Kilometerstand weiter hoch: Aus 143.000 wurden 155.000 km. Die wesentliche Frage: Kann man solch ein Auto überhaupt noch fahren? Hier die Antwort!
Zu den harten Fakten: Der BMW i3 REX von 2014 ist in die Jahre gekommen. Sein original 18,8 kWh (netto) fassender Akku erlaubt voll geladen gerade mal 89 elektrische Kilometer. Das wäre eine Distanz vom Brandenburger Tor in Berlin bis Potsdam und zurück – dann muss man wieder laden. Keine 90 Kilometer Reichweite, wie fährt sich solch ein Auto?
Wenn man die zweistellige Reichweite mal ausblendet, fährt sich dieser i3 so spritzig wie jeder andere auch. Aber einige Voraussetzungen muss man beachten, also grundsätzlich im "Eco Plus"-Modus fahren, die 180 PS beim Anfahren nie voll ausnutzen und auch im Winter ohne Heizung fahren. Gerade Letzteres ist nicht immer komfortabel.
Dies im Sinn, passt das Auto auch mit knappem Elektronenvorrat weiterhin zu vielen Fahrprofilen. Allerdings muss man sich gerade bei Überlandfahrten genau über die Entfernung bis zur nächsten Ladestation im Klaren sein. Da die Reichweitenanzeige weitgehend zuverlässig ist, lässt sich das gut abschätzen.
Die Testfahrten erfolgten zwar mit einer Notfall-Option: Hinten sitzt beim REX der kleine zweizylindrige Range Extender, der bei akuter Stromnot einspringt und anstelle Huckepack mit dem Pannendienst die Fahrt nur nächsten Ladesäule ermöglicht. Mein Ehrgeiz daher: fahren bis zum Äußersten, aber ohne dass der Range Extender anspringt.

So sieht ein glücklicher i3-Fahrer aus: Der BMW taugt für alle, die mit einem kleinen E-Auto klarkommen. Wer die Wahl hat, sollte ein Modell mit dem 90- oder 120-Ah-Akku nehmen.
Bild: Matthias Brügge
Mit Mini-Reichweite durch die Stadt
Am leichtesten bewegt man den i3 mit Mini-Reichweite natürlich in der Stadt. Dort sind die Fahrdistanzen übersichtlich. Der Durchschnittsnutzer fährt hierzulande kaum weiter als 35 km, das ist ungefähr die Strecke von meinem Wohnort zur AUTO BILD-Testredaktion in Hamburg-Rahlstedt.
Und alle naselang steht eine Ladestation, am Supermarkt oder in vielen Seitenstraßen. Hier muss man nicht mit Elektronen knausern, doch weil das schnelle Beschleunigen immer Stress für den Akku bedeutet, bringt auch die Schleichfahrt Spaß.
Die großen, dünnen Räder mit minimaler Lauffläche der Dimension 155/70 R 19 sorgen für geringen Rollwiderstand und danken mit längerer Lebensdauer. Nebenher gesagt: Sie rollen zu hart ab, es ist für mich das einzige Minus an diesem Auto.

In der Stadt fühlt sich der i3 am wohlsten, aber auch über Land kann man trotz kleiner Akkukapazität gut fahren.
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
Mit kleinem Akku übers Land
Wie fährt man so übers Land? Natürlich nur unter einigen Bedingungen:
- Man sollte immer die nächste Ladestation im Kopf haben.
- Man muss die Akkuanzeige kennen.
Warum? Auf den ersten Kilometern nimmt die Restreichweite kaum ab, sinkt dann im mittleren Bereich zwischen 70 und 40 Prozent rapide ab und ist im unteren Bereich, wenn es also ernst wird, wieder exakt. Das ist am wichtigsten: Auch wenn nur noch wenige Kilometer drin sind, du kannst dem Auto vertrauen!
Das hätten wir geklärt. Und doch geht die erste Tour übers Land sehr vorsichtig vonstatten. Zunächst traue ich mich nicht auf die Autobahn, sondern fahre über Bundesstraßen von Lademöglichkeit zu Lademöglichkeit. Doch wegen der exakt planbaren Akkukapazität traue ich dem i3 mehr zu: Beherzt steuerte ich den Reichweitenzwerg auf die Autobahn, wo in 70 Kilometern ein Schnelllader wartet.
Das fühlt sich mutig an, inmitten aller Verbrenner mit Hunderten Kilometer Reichweite und E-Autos mit mindestens dreimal mehr Saft an Bord.
Das fühlt sich mutig an, inmitten aller Verbrenner mit Hunderten Kilometer Reichweite und E-Autos mit mindestens dreimal mehr Saft an Bord.

Ganz emissionsfrei in den Wald: In mehreren Lade-Etappen ist eine Fernfahrt im i3 kein Problem.
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
Doch sanft gefahren und mit maximal Tempo 100 klappt auch das. Tatsächlich hätte ich sicher noch weitere 15 Kilometer fahren können. Nach 20 Minuten laden, also nach einem Kaffee und einmal ums Eck, ist der i3 bereit für den nächsten 90-Kilometer-Sprung. Denn auch der alte Akku lässt sich schnell laden, zwar nur mit 50 kW Leistung, aber für einen kurzen Ladestopp reicht es.
Zwar werde ich nie das Gefühl los, auf der Langstrecke eigentlich mit dem falschen Auto unterwegs zu sein. Doch entgegen aller Erwartungen macht sich der i3 bestens. Nur im Winter sollte man eine kleine Decke dabeihaben, die Sitzheizung ist außer Funktion, bei geringen Temperaturen ist kein Saft übrig für die Bordheizung.
AUTO BILD Dauertest BMW i3 REX
Modell | BMW i3 REX |
|---|---|
Start | 6. März 2014 |
Preis mit Extras | 46 502 Euro |
Bisher gefahren | 155.486 km |
Testverbrauch | 17,3 kW/h |
Soll ein neuer Akku her?
Kommt die Frage, wie es weitergeht, denn der Akku wird mit der Zeit ja nicht besser. "Weiterfahren", rät Wieland Bruch, der freundliche BMW-Sprecher für Elektromobilität, ein Akkutausch wäre zu teuer, denn jedes Batterie-Modul kostet 1600 Euro. Und der kleine BMW hat acht davon. Alle zu erneuern, würde auch nur die originale E-Reichweite von rund 140 Kilometern wiederherstellen. Das lohnt eher nicht.
Fazit
Nach 155.000 Kilometern nur noch 89 km Reichweite im Akku – ist der BMW i3 damit noch ein alltagstaugliches Auto? Ich sage: ja! Du musst beim Fahren immer planen, aber es geht gut, auch über Land, wenn die nächste Ladesäule spätestens in 75 Kilometern wartet. Für mich kein Wunder: Der i3 ist ein gefragter Gebrauchter.
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