Einen weitgehend klimaneutralen Verkehr ermöglichen entweder Elektroautos – oder fossilfreie Treibstoffe. Nun nähert sich BMW mit einer weitreichenden Aussage dem klimafreundlichen Verbrenner an: Der Hersteller wird alle in Deutschland produzierten Benziner ab 2028 werksbetankt mit E-Fuels ausliefern. Eine entsprechende Absichtserklärung hat der Hersteller zusammen mit der Lother Gruppe und dem Unternehmen German eFuel One jetzt veröffentlicht.
Damit geht BMW einen weiteren Schritt, um Verbrenner weitgehend CO2-neutral zu machen. Schon seit Anfang 2025 werden alle neuen Diesel aus Deutschland mit klimafreundlichen HVO betankt. "Wir sind überzeugt, dass alle Antriebe ihren Beitrag leisten müssen zur Klimaneutralität", sagte Glenn Schmidt, bei BMW der Leiter für Nachhaltigkeit, auf einer Veranstaltung im Berliner Motorradwerk.
Clever Tanken
Tanken

Minutengenauer Spritpreis-Check

So steht der Spritpreis an Tankstellen in der Umgebung!

Preis-Check
Mit dem Schritt will BMW nach eigener Aussage eine Signalwirkung bei den Kunden erzielen. Es geht dabei um die Werksbetankung, bei der die Tanks aller in Deutschland hergestellten Pkw und Motorräder mit synthetischem Kraftstoff aus weitgehend CO2-freier Herstellung gefüllt werden. Die Erstbefüllung besteht aus fünf bis acht Litern Treibstoff, dessen Basis grünes Methanol ist. Den neuartigen Kraftstoff können nach BMW-Aussage schon jetzt alle Autos des Herstellers tanken, die E10 vertragen – also die allermeisten Benziner. Langfristig werde der Elektromotor der primäre Antriebsstrang sein, so BMW.
E-Fuel-Fläschchen zum Werksbetanken von neuen BMW
Ist blau eingefärbt, riecht aber wie normales Benzin und entspricht der DIN-Norm EN 228 für E10-Benzin: ein Gläschen E-Fuel.
Bild: Dirk Mathesius / BMW
Der Auto- und Motorradhersteller will mit den beiden Energie-Unternehmen einen Beitrag leisten, um die Bestandsflotte der Verbrenner klimafreundlich zu betreiben. Die große Herausforderung dabei: Bislang gibt es in Deutschland keine nennenswerte Herstellungsanlage für E-Fuels, in der synthetischer Sprit in industriellem Maßstab hergestellt wird.
Der wäre nötig, um die europäischen Klimaziele zu erreichen. Damit kann nicht nur die Bestandsflotte fossilfrei fahren, sondern er würde auch die Tür für Verbrenner in der Zeit nach 2035 öffnen – also nach einem möglichen Verkaufsende für Pkw mit Verbrennungsmotoren, wie sie die EU ab 2035 anvisiert.

BMW-Motorrad bei der Endkontrolle in Berlin-Spandau
Ab 2028 werden auch alle neuen BMW-Motorräder mit E-Fuel erstbetankt – hier befindet sich eines bei der Endkontrolle in der Lichtbank im BMW-Motorradwerk Berlin-Spandau.
Bild: BMW

Kommerzielle Fertigungsanlage in Niedersachsen geplant

Nun will eFuel One in Niedersachsen eine kommerzielle Fertigungsanlage bauen, in der aus importiertem E-Methanol in industriellem Maßstab E-Fuels produziert werden. Neben dem Verkauf als reiner Kraftstoff könnte auch eine Beimischung zu fossilen Kraftstoffen den sogenannten Markthochlauf ermöglichen, beispielsweise als E20. Schon jetzt könnten nach Aussage von BMW alle Benziner des Herstellers Benzin E20 oder E25 vertragen, also mit bis zu 25 Prozent Beimischung aus erneuerbarem Bio-Ethanol.
Eine höhere Beimischungsquote aber erfordert laut Christian Hanke, dem Chef der German eFuel One, bedeutende Anstrengungen. Beim Ortstermin in Berlin sagte er: "Wir sollten E20 landesweit einführen, aber da gibt es noch viele infrastrukturelle Fragen." Schließlich könnten die Tankstellenbetreiber nicht verpflichtet werden, weitere Zapfsäulen zu errichten. Bei dem Werk in Niedersachsen wäre im ersten Jahr eine Produktionsmenge von 75 Millionen Litern geplant.

Werden E-Fuels als klimaneutral anerkannt?

Es geht dabei auch um Fragen der Regulierungsbehörden: So steht die Forderung im Raum, dass Autos, die mit E-Fuels betrieben werden, von der EU als klimaneutral anerkannt werden. Die Herausforderung ist in vielerlei Hinsicht groß, aber auch das Ziel ist wichtig: Aktuell sind in Europa rund 250 Millionen Verbrenner unterwegs, die weitestgehend auf fossile Kraftstoffe angewiesen sind. Alternativ wäre daher auch eine vollständige oder auch nur teilweise Versorgung der Flotte mit klimaneutralen Treibstoffen. Zum künftigen Preis der E-Fuels gab es auf der Veranstaltung keine Aussage.
Ab 2028 fahren neue BMW-Verbrenner die ersten Kilometer ihres Autolebens klimaneutral, das ist eine umweltbewusste Ankündigung. BMW geht BMW einen weiteren Schritt in Richtung CO2-Neutralität. Allerdings steht noch viel Arbeit bevor, bis die E-Fuel-Werksbetankung steht: Das nötige Werk für den grünen Sprit muss erst noch gebaut werden. Nicht zuletzt wird der Preis über den Erfolg von E-Fuels entscheiden – und da fehlt noch jede Aussage. Aber ein Anfang ist gemacht.