Ohne einen sehnsüchtigen Blick in die Vergangenheit geht es auch dieses Mal nicht. Zu schön ist die Erinnerung, als der M135i noch hinterradgetrieben durch unsere Fahrspaßwelt tobte. Zu groß die Schatten, die der F20 bis heute auf seine Nachfolger wirft. 1er wie keiner, sozusagen.
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Passend zum Turnschuhdesign schnürte ihm BMW ein Fahrgefühl, das zu Schabernack förmlich anstiftete. Ob unbeaufsichtigt beim Landstraßenschlawinern oder tollend im nassen Kreisverkehr, wo er sich mit Kupplung oder Gasstoß bereitwillig das Heck wegtreten ließ, um eine Ehrenrunde quer zu fahren: Der M135i kultivierte die Freude am Fahren so verspielt, wie es BMW-Fans lieben. Auch auf der Autobahn, wo sich echte Sportwagen sputen durften, um den starken Sechszylinder nicht dauerhaft als Nierenspiegelung in der Heckscheibe ertragen zu müssen.
BMW M135 xDrive vs. VW Golf R: Vergleichstest
Nostalgiker vermissen Turnschuhdesign und Heckantrieb der Generation F20 bis heute.
Bild: Toni Bader
Doch im Jahr 2019 kam das jähe Ende der unbeschwerten Fahrdynamik. Seit der Generation F40 setzt BMW auf eine Frontantriebsplattform und beerdigte den Reihensechszylinder-Motor im 1er. Letzterer bleibt seither dem M2 Coupé vorbehalten, während der M135i neuerdings mit Vierzylinder und Hang-on-Allrad direkt auf Audi S3 und VW Golf R zielt. Für viele 1er-Fans eine herbe Enttäuschung.
Motorbauart/Aufladung 
R4, Turbo 
R4, Turbo 
Ladedruck max. 
1,3 Bar 
1,5 Bar 
Einbaulage 
vorn quer 
vorn längs 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Hubraum 
1998 cm³ 
1984 cm³ 
Leistung bei 1/min 
221 kW (300PS)/5750-6500 
245 kW (333 PS)/5600-6500 
Drehmoment bei 1/min 
400 Nm/2000-4500 
420 Nm/2100-5500 
Getriebe 
7-Gang-Doppelkupplung 
7-Gang-Doppelkupplung 
Antriebsart 
Allrad 
Allrad 
Maße L/B /H 
4361/1800/1459 mm 
4296/1789/1454 mm 
Radstand 
2670 mm 
2639 mm 
Tank-/Kofferraumvolumen 
49/380-1200 l 
55/341-1197 l 
WLTP-Verbrauch auf 100 km 
7,8 l Super 
8,3 l Super 
Testwagenpreis
62.050 € 
63.280 € 
Wo früher locker aus der Hüfte gefahren werden konnte, lähmte den F40 freudloses Untersteuern und ein Hintern ohne Allradschmiss. Ein Hemmnis, das sich im Faceliftmodell M135 (F70) bislang fortsetzte. Doch nun keimt ein erster Funke Hoffnung – und zwar in Form des 3950 Euro teuren M-Technik-Pakets, das dem Handling und der Kurvenperformance spürbar auf die Sprünge helfen soll.

Mehr Technik für mehr Hoffnung

Die Sportkur umfasst neben Versteifungs- und Leichtbaumaßnahmen geänderte Kolbenstangen für die vorderen Stoßdämpfer, gewichtsoptimierte Alu-Stabilisatoren mit höherer Steifigkeit und zusätzliche Unterboden-Verstrebungen. Die Lenkungs- und Regelsysteme wurden neu abgestimmt, eine mechanische Differenzialsperre ist Serie. Um Gewicht zu sparen, verbaut BMW seine M-Compound-Bremsanlage und Schmiederäder mit optionalen Trackreifen. Die braucht der M135 für die Rückrunde gegen den VW Golf R allerdings auch – vor allem am Sachsenring.
BMW M135 xDrive vs. VW Golf R: Vergleichstest
Unverkennbar Golf und technisch auf Höhe der Zeit: Der R ist für viele der aktuell beste Volks-(sport)wagen.
Bild: Toni Bader
Denn analog zum Münchner rüstet sich auch der Wolfsburger mit Semislicks und dem R-Performance-Paket. Es enthält neben der Vmax-Anhebung auf 270 km/h die Fahrprofile "Special" und "Drift" für den Antrieb, die 15-fach einstellbaren Adaptivdämpfer und das variable Torque Vectoring an der Hinterachse. Sogar ein Nordschleifen-Set-up ist wählbar. Viel Technik, voll auf der Höhe der Zeit.

Innenraum: VW liefert Menü – BMW Frust

Während sich der Golf-Fahrer fröhlich sein Fahrmenü zusammentoucht, herrscht im BMW-Interieur Ernüchterung. Bis auf die griffigen Schaltwippen gibt der M135 innen keine Hinweise auf das M in seinem Namen. Sport-Taste? Fehlanzeige. Stattdessen versteckt sich das Performance-Menü schüchtern unter dem myModes-Drücker auf der billigen einteiligen Plastikfläche neben dem Wählhebel.
Die Betätigung tafelt Befremdliches wie "Silent" und "Relax" aufs Display, zwischen dem der Sport-Mode wie ein aufmüpfiger Störenfried aufflammt. Lenkung, Antrieb, ESP und Soundgenerator sind einstellbar, das Sportfahrwerk kennt nur eine Stufe: sportliche Härte. Zum Bolzen auf Trackdays sicher kein Problem. Im Alltag auf der normalen Straße wird die permanente Hoppelei bei kleinsten Unebenheiten allerdings schnell anstrengend.
BMW M135 xDrive vs. VW Golf R: Vergleichstest
Die 300 PS des BMW stehen gut im Futter. Zum engagierten Wesen passt der dieselige Sound aber gar nicht.
Bild: Toni Bader
Der 300 PS starke Vierzylinder dreht willig hoch und lässt den Turbo hörbar schnaufen, brummt ab 3000 Touren aber wie ein ausgedrehter Selbstzünder. Aus dem Stand gelauncht, zieht die Doppelkupplung den M135 verschliffen durch den ersten Gangwechsel, die Werksangabe fällt zwei Zehntel schneller. Auf Paddlezüge im Kurvenanflug serviert das Getriebe aber nicht immer den vom Fahrer erwarteten tiefstmöglichen Gang.

Motor und Getriebe: BMW kämpft mit dem Feinschliff

Die zackig anreißende, aber gefühlsarme Lenkung bleibt mit den Komponenten des M-Technik-Pakets ebenso erhalten wie der schwer zu lesende Haftungsabriss der eindimensional ins Untersteuern tendierenden Vorderachse. Über das Heck sind dem xDrive auf den Michelin-Cupreifen kaum noch Impulse zu entlocken. Die querdynamische Unterstützung über die variable Momentverteilung wird nur weit jenseits von vertretbarem Landstraßentempo spürbar. Ein Lichtblick: die zupackende und ausdauernde Compoundbremse mit ihrem gespornten Pedalgefühl.

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Reintreten und wohlfühlen? Wie es mit dem Turnschuhgefühl klappt, zeigt der Golf R, dem vom ersten Meter anzumerken ist, wessen Eltern Kind er ist. Wo BMW beim Allrad gefühlte zwei Generationen hinterherfährt, zeigt sich bei VW der Einfluss ehemaliger Porsche-Entwickler wie Karsten Schebstadt. Sie schaffen es, aus Alltagswagen eigenständige Volkssportwagen zu bauen, die ihre Performance mit einer Beiläufigkeit servieren, die man beim Fahren allzu selbstverständlich hinnimmt.
Sind die Fahrassistenten abgewimmelt und sämtliche Parameter von Schmusekomfort auf flinke Reaktionen geswitcht, fassen sich selbst Unbedarfte schnell ein Herz. Es ist dieser sofortige Vertrauensaufbau, der den Golf R beim sportlichen Fahren auszeichnet.
BMW M135 xDrive vs. VW Golf R: Vergleichstest
Früher liebten selbst VW-Tuner die schlanken M3-Spiegel von BMW. Warum haben sie heute X7-Format?
Bild: Toni Bader
Wer Kurven so richtig ambitioniert angehen will, staucht ihn vor dem Kurveneingang heftig zusammen, um mit der abrupten Gewichtsverlagerung das Heck schon ein wenig anzuturnen. Nun lässt sich der Golf mit kontrolliertem Einfahrtempo in den Radius werfen, um den Drehmomentüberschuss des Torque Vectorings aufs kurvenäußere Hinterrad zur verlagern. Jetzt Gas stehen lassen und die initiierte Gierbewegung aufrechterhalten, dann fühlt sich der Golf im sanften Allrad-Slide fast so an, als würde er seine Reifen unter sich hindurchziehen. Ein irres Gefühl, das allerdings nur so lange währt, wie man den Antriebsstrang auch unter Zug hält.

Antrieb: Der Golf hat mehr Biss

Aus dem Stand launcht der R grobschlächtiger, aber schneller als der schwächere BMW. Sein Motor profitiert vom Software-Upgrade des R-Sondermodells 20 Years, das dem Ansprechverhalten mittels Anti-Lag-Funktion auf die Sprünge hilft. Das 7-Gang-DSG schnappt nach Paddlezügen und reagiert beim Runterschalten vor Kurven intuitiver als das Getriebe des BMW.
BMW M135 xDrive vs. VW Golf R: Vergleichstest
Auf einer Runde ist der Golf klar überlegen. Allerdings bauen seine Reifen über die Distanz deutlich schneller ab.
Bild: Toni Bader
Klanglich gibt sich der R angenehm zornig, obwohl VW die Schusssalven vergangener Modelle, als Gangwechsel noch böllernd nachvertont wurden, etwas abgemildert hat. Die teuren Titanflöten von Akrapovic sind heute mehr optische Zierde als instrumentales Muss.
Am Sachsenring drücken hochsommerliche Temperaturen das Tempo beider Kandidaten. Wie auf der Landstraße ist der Golf R hier der spaßigere Hot Hatch und verliert trotz großer Hitze nur eine Sekunde auf seine bisherige Bestzeit. Besseres Handling und die höheren Topspeeds resultieren am Ende in einem Vorsprung von 1,2 Sekunden. Nur die weichen Bridgestone-Semislicks verschleißen viel schneller als die Michelins des BMW.
Antrieb 
60 
37 
33 
Bremse 
40 
30 
28 
Fahrwerk 
60 
40 
30 
Lenkung 
40 
28 
22 
Rundenzeit 
50 
25 
25 
Emotionen 
50 
34 
25 
Alltag 
50 
37 
33 
Kosten 
50 
34 
34 
GESAMTWERTUNG
400
265
230
Der M135 wird auf den Cupreifen noch fahrbarer, spurt mit stabiler Vorderachse wie auf Schienen durch die Radien und ist so zumindest subjektiv deutlich näher dran am Golf R, als es die ausgelesene Rundenzeit suggeriert. Ein blaues Wunder bleibt mit dem M-Technik-Paket aber leider aus.

Fazit

von Guido Komp
Die Ausdauer der BMW-Technik hätte das Bild über mehrere Runden drehen können. Theoretisch. In der Praxis ist der Verzicht auf Federungskomfort umso ärgerlicher, wenn der Golf auf soften Dämpfern zur Strecke flauscht und trotzdem die schnellere Zeit setzt.