Bäämm, der neue Mustang ist da! Nach dem Einzeltest in der Februar-Ausgabe von AUTO BILD SPORTSCARS liefern wir nun den ersten harten Vergleichstest. Und das gleich gegen den Maßstab unter den Sportcoupés, den BMW M4, der auch noch mit unzähligen teuren, weil meist sehr carbonhaltigen Zubehörteilen der M-Performance-Abteilung aufgedonnert wurde. Dritter im Bunde und nicht minder spektakulär: der flammneue Lexus RC F in leuchtendem Metallic-Orange. Sein riesiger "Diabolo"-Kühlerschlund möchte seine beiden Widersacher am liebsten schon vor der ersten direkten Konfrontation aufschnupfen.
Lexus RC F TVD
Guter Drifter, in schnellen Kurven aber eher untersteuernd: Der Lexux
Lexus RC F TVD Gelten Downsizing und Turboaufladung als Gebot der Stunde und einzig probates Mittel, die Welt doch noch zu retten, so setzt der Lexus ebenso wie der Ford ganz retro auf einen fünf Liter großen V8-Sauger. Immerhin 477 PS ballen sich unter der violett eloxierten Ansaugbrücke des Japaners zusammen. Auf 435 PS kommt der Mustang GT – ein US-Modell mit Performance-Package, das alle Zutaten der ab Juni beim Händler stehenden Europa-Version enthält. Unter anderem also: straffe Stoßdämpfer und Fahrwerkslager, mit Pirelli P Zero bezogene 19-Zoll-Räder, Brembo-Bremse, Sperrdifferenzial, verbesserte Kühlung. Aber eben 435 leistet statt der 418 PS des EU-Modells.
Ford Mustang GT
Der Mustang geht recht abrupt von der Haft- in die Gleitreibung über.
Ford Mustang GT Egal ob westlich oder östlich des Mississippi, allen neuen Mustangs kommt die unabhängige Hinterradaufhängung zugute – das gab's bisher nur bei den von 1999 bis 2004 gebauten, äußerst raren SVT Cobra-Versionen. Wir sind gespannt, wie sich die endlich im Hier und Jetzt angekommene Hinterachse auf dem Sachsenring schlagen wird. Wobei die Performance auf Kinderpopo-glatten Rennkursen nie das Problem eines Mustang war – was die Generation eins auf jedem Oldtimer Grand-Prix demonstriert und der 2011er Boss 302 Laguna Seca besonders eindrucksvoll auf dem Sachsenring unter Beweis stellte. Nein, gefährlicher waren stets die Anreise zum Rennen und der abendliche Heimweg. Vernarbte Landstraßen und Querfugen in schnellen Autobahnkurven brachten nicht selten die Starrachse und anschließend den Fahrer an die Grenzen.
BMW M4
Auch jenseits des Grenzbereichs lässt sich der BMW M4 gut kontrollieren.
BMW M4 DKG Der BMW M4 hat die ganze Zeit zugehört und schaut uns verständnislos aus seinen LED-Scheinwerfern an. Die 60er-Jahre-Flower-Power-Geschichten lassen ihn kalt. Eine Starrachse gab es in seiner Familie nie – kein Wunder, ist er doch ein Kind der 80er. Auf den Rennpisten dieser Welt ist er groß geworden, egal ob Rundstrecke, Slalom oder Rallye, selbst in der DTM hat er große Erfolge gefeiert. Allerdings hat auch er so einiges ausprobiert: Geboren mit vier, dann des Öfteren sechs, der Höhepunkt mit acht. Gemeint ist die Zahl der Zylinder. Heute wieder sechs in Reihe, aber bi. Den beiden Turbos verdankt er seine eherne Potenz von 550 Newtonmetern bei gerade mal 1850 Umdrehungen pro Minute.

Fazit

Auch diesen Vergleichstest gewinnt der BMW M4. Verdientermaßen, denn Fahrleistungen und Handling, aber auch Fahrsicherheit und Alltagstauglichkeit sind bombig. Die enorme Bandbreite seiner Talente sowie der hohe Perfektionsgrad haben allerdings ihren Preis. Also: "das Beste oder nichts"? Nun, nicht jeder kann sich einen M4 leisten, muss deshalb aber nicht grundsätzlich auf ein Sportcoupé verzichten. 40.000 Euro für einen Mustang GT, der nicht weniger Spaß macht, sind für viele noch machbar. Schließlich zählt manch einer diesen Betrag ungerührt für ein Kompakt-SUV auf den Tresen. Und der Lexus? Sein Basispreis liegt noch höher als der des M4, allerdings bei besserer Serienausstattung. Er richtet sich an solvente Maschinenbau-Ingenieure, an Liebhaber feiner Mechanik und komplexer Elektronik. Er ist in diesem Trio am ehesten ein Sammlerstück, die Nippon-Szene verzehrt sich nach ihm. Unser Vergleich zeigt aber noch etwas anderes. Nämlich dass V8-Saugmotoren – einen solchen hatte schließlich auch der Vorgänger des M4 – noch immer ihre Daseinsberechtigung haben. Vom unwiderstehlichen Klang ganz zu schweigen ...