Tempo darf auch im feinen Kleid daherkommen. Rasse mit Leib und Seele sozusagen. So, wie es der neue BMW M440i xDrive Gran Coupé macht. Sechszylinder-Benziner unter der Haube, Allradantrieb, Coupé in Grundform, vier Türen, große Heckklappe – anders und elegant irgendwie. Und der M440i ist in seiner rassigen Extravaganz nicht einmal ein Einzelkämpfer.
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Von seiner Gattung gibt es mehr. Den Kia Stinger GT 3.3 T-GDI AWD zum Beispiel. Auch er trägt den selten gewordenen Fließheckanzug, lässt einen Sechszylinder zu Wort kommen und drückt ähnlich viel Kraft in seine Automatik – nämlich 366 PS; der BMW kommt auf 374 Pferdestärken. Nur 360 PS wirft der Peugeot 508 Hybrid4 360 PSE e-EAT8 in die Waagschale.
Peugeot 508
Peugeot 508: Fließheck mit Hybrid. Dazu schwarzer Zierrat und die selbstbewussten Finnen an den Schürzen.

Zwar auf etwas andere Weise als BMW und Kia, doch in sehr appetitlicher Verpackung. Wir finden sogar: Der 508 mit seinem scharfen Blick und dem prägnanten Leuchtenband am Heck gehört zu den rassigsten Limousinen-Schnitten der Mittelklasse. Der 508 PSE generiert seine Leistung aus einem typischen Plug-in-Hybrid-Paket. Leichte Elektrokost trifft dabei auf schwere Turbobeilage in Form eines 1.6-Vierzylinder-Benziners. Macht immerhin 520 Newtonmeter Systemdrehmoment.

Peugeot reagiert auf Lenkbefehle nervös und eckig

Tatsächlich steht ihm dieser Motor aber nicht so gut, wie es die Papierwerte erwarten lassen. Denn trotz Hilfe durch die E-Maschine muss sich der 1.6er unter Last und bei hohem Tempo abmühen. Er bestätigt das über ein krakeelendes Geräuschverhalten und eine typische Vierzylinder-Vibration um 5000 Touren herum. Zudem reagiert das Automatikgetriebe hektisch bei Kickdown-Befehlen und mag auch die Übersetzungsübergänge nicht so verschliffen gestalten, wie man es heutzutage erwarten darf.
Auf Lenkbefehle reagiert der Peugeot irgendwie nervös und eckig – ein lässiger Gleiter ist er trotz schnittiger Gestalt und moderner Plug-in-Attitüde letztlich also nicht. Zumal auch die Federung eher spröde arbeitet. Kanten im Asphalt filtert er nämlich nur unwillig weg.
Kia Stinger
Der 3,3-Liter-V6 im Stinger klingt gut, geht gut, trinkt aber leider auch gut.

Langsam ist der Peugeot trotz kleinem PS-Nachteil aber nicht. Unsere Messwerte zeigen, dass der Franzose im Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h den minimal schwereren und stärkeren Kia abhängen kann. Und: Sein Antriebskonzept funktioniert bestens, wenn es ums Spritsparen geht. Auf 100 Kilometer kommt der 508 mit 5,5 Liter Super (plus Stromverbrauch) aus. In Euro und Cent umgerechnet, wäre das ein Quäntchen effizienter als der BMW. 

Kia mit 11,6 Liter Durchschnittsverbrauch

Am anderen Ende dieser Fahnenstange weht der Kia-Wimpel. 11,6 Liter Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer sind unzeitgemäß. 3,3 Liter Hubraum wollen halt mit Sprit gefüllt werden, das hemmt die dickste Aufladung nicht. Ohnehin spürt man hier den Turbocharakter deutlich. Der Wagen kommt mit dem starken Leistungseinsatz aber bestens klar.
Technische Daten
BMW M440i xDrive Gran Coupé
Kia Stinger 3.3 T-GDI AWD
Peugeot 508 Hybrid4 360 PSE
Abzweigung
Motorbauart
Abzweigung
Abzweigung
Aufladung/Antriebsart
Abzweigung
Abzweigung
Hubraum
Abzweigung
Abzweigung
kW (PS) Systemleistung
Abzweigung
Abzweigung
kW (PS) b. 1/min (Verbrennungsmotor)
Abzweigung
Abzweigung
kW (PS) E-Motor(en)
Abzweigung
Abzweigung
Getriebe
Abzweigung
Abzweigung
Antriebsart
Abzweigung
Abzweigung
Maße L/B/H
Abzweigung
Abzweigung
Tank-/Kofferraumvolumen
Abzweigung
Abzweigung
Basispreis
Abzweigung
Abzweigung
Testwagenpreis
Abzweigung
R6
Turbo/Benziner, Mildhybrid
2998 cm³
k.a.
275 (374)/5500-6500
8 (11)
8-Stufen-Wandlerautomatik
Allrad
4783/2073/1442 mm
59 l/470–1290 l
68.100 Euro
75.990 Euro
V6
Biturbo/Benziner
3342 cm³
k.a.
269 (366)/6000
k.a.
8-Stufen-Wandlerautomatik
Allrad
4830/2045/1400 mm
60 l/406–1114 l
58.900 Euro
58.900 Euro
R4, Turbo, + 2 E-Motoren
Turbo/Benziner, Plug-in-Hybrid
1598 cm³
265 (360)
147 (200)/6000
81 (110); 83 (112)(vorn/hinten)
8-Stufen-Wandlerautomatik
Allrad
4750/2079/1403 mm
43 l/487–1537 l
66.640 Euro
60 659 (Preis nach Abzug der Umweltprämie (5981,25 € inkl. MwSt.)

Der Allradantrieb – vorrangig hinten mit Kräften befüttert – lässt kein Newtonmeterchen durchgehen. Allerdings zupft die Hinterachs-Differenzialsperre gelegentlich unhöflich im Antriebsstrang, spürbar etwa als ruckendes Abbiegen unter stärkerem Lenkeinschlag. Ansonsten: klasse! Der V6 geht, dreht, klingt und bereitet sowohl beim lässigen Kreuzen als auch beim wütenden Auswringen mächtig Laune. Dazu passt die verbindliche Lenkung mit gut angepasster Servounterstützung.

Genau so etwas würden wir uns vom BMW wünschen. Gibt es aber nicht. Stattdessen: typische Synthetik um die Mittellage und wenig Spannkraft auf den ersten paar Grad Lenkeinschlag. Grobmotoriker spüren's kaum, Feinfahrer nervt's gewaltig. Aber: Das ist im Grunde unser einziger Kritikpunkt. Der Rest: ein Fest. Der M440i spielt Gleiter und Sportler in einem, betört über den seidigen Sechszylinder. Der per Twinscroll aufgeladene 3.0er kann kultiviert summen, unter saftigem Ladedruck mächtig zuhauen, fein ausdrehen und emsig flott aus dem Schiebebetrieb heraus wieder ans Eingemachte gehen.
BMW M440i
Hübsch? Bewerten wir nicht. Fest steht: Der M440i ist Fahrmaschine und Reisebegleiter gleichzeitig.

Außerdem trägt ein 48-Volt-Netz mit immerhin 11 PS zur Entlastung des Benziners bei. Dazu ist das Getriebe beeindruckend wandlungsfähig. Der BMW mag beim Anfahren würdevoll ablegen und unmerklich weitere Übersetzungen beimischen oder kantig in die Puschen kommen (im Fahrprogramm Sport plus), dabei die Fahrstufen fühlbar durchsemmeln. So muss das sein. Auch das Fahrwerk zählen wir zu den besten der Klasse. Trittfest, in der Federung kommod (in Comfort) bis fit-trainiert auf Spannung (in den S-Stufen), dazu mit klarer Traktion gesegnet – im 4er Gran Coupé steckt wahrlich reichlich BMW-Fahrkompetenz. Schade: Trotz grandiosem Motor ist der Verbrauch hoch.

M440i mit prallstem Technikpaket dieser Liga

Hier hilft dem BMW auch sein 48-Volt-Mildhybridsystem nicht viel. Trost: Im M440i steckt wohl das prallste Technikpaket dieser Liga. Umfangreiche Online-Vernetzung (z. B. Smartphone-Spiegelung per Funk), das Maximum an Fahrassistenz (inklusive absolut tauglichem Notfallassistenten) oder auch eine sehr verständige Sprachbedienung unterstützen auf Wunsch die Insassen. Außerdem findet der Fahrer sehr schnell einen simplen Weg durch die Bedienstruktur des 4ers.
BMW, Kia , Peugeit
Schluckspechte: Hinter großen Fließheck-Klappen bieten Kia, BMW und Peugeot viel Laderaum. Stinger bis 1114, 4er bis 1290 und 508 bis 1537 Liter.

Im Kia sieht das finsterer aus. Außer "Vorwahltasten" hat der Fahrer nur eine Chance, sich erfolgreich durch die Bedienebenen zu hangeln, wenn er mit ausgestrecktem Arm auf den Piktogrammen des Berührbildschirms umhertippt. Die Klimaregler sitzen zudem arg tief, die Temperaturanzeigen weit darüber im Bildschirm. Im Peugeot sieht es ähnlich aus – der Touchscreen ist das Schlüsselerlebnis. An die schrägen Anzeigen, die man oberhalb des Lenkrads anpeilt, gewöhnt man sich dafür schnell. Zudem entschädigt der 508 über eine feudale Komfortausstattung ab Werk. Passt ja auch bestens zum feinen Auftritt.

Fazit

Das Karosseriekonzept des M440i ist speziell, seine Fähigkeiten sind unbestreitbar gut – und typisch BMW. So bieten die Münchener eindeutig das beste Konzept in dieser Liga. Der Kia lebt von seinem Motor. Herrlich, dass es so was noch gibt. Im Peugeot steckt bei aller Eleganz und Stattlichkeit beachtliches Sparpotenzial.

Von

Berend Sanders