BMW M5/Audi RS 7 Sportback/Mercedes E 63 AMG S: Test
Das Imperium schlägt zurück
Nach seinem Traumeinstand von vor drei Jahren geriet der BMW-V8 zuletzt etwas ins Hintertreffen. Nun holt er im stärksten M-Modell zum Gegenschlag aus. Drei Biturbos zwischen Realität und Delirium.
Stefan Helmreich
Video: M5 vs. RS 7 und E 63
Stärkster M5 aller Zeiten
Wir müssen uns entschuldigen, in aller Form. Und zwar beim BMW M5, denn – ganz ehrlich, wir haben uns lustig gemacht über ihn, hinter seinem Rücken, wie Teenager. Fremdschämen ausdrücklich erwünscht. Auslöser des Ganzen war der vergangene Großkampftag in dieser Liga: M6 Gran Coupé gegen RS 7 Sportback, Panamera Turbo und CLS 63 S. Ein Jahr ist das nun her. Damals vermöbelte die Allradfraktion BMW nach Strich und Faden. Im Sprint, auf der Rennstrecke, in der Endabrechnung. Mit Hinterradantrieb, so lautete unsere ebenso unweigerliche wie voreilige Schlussfolgerung, wird in dieser Klasse nichts mehr zu gewinnen sein. Zu wild, zu ungezogen und übermotorisiert schimpften wir den chancenlosen M6 damals. Und was ist die Konsequenz? Ein Sondermodell des konzeptionell identischen M5: noch wilder, noch zügelloser und mit noch mehr Bums. Kann unmöglich funktionieren, haben wir gesagt. Und gewitzelt, dass das ja Verhältnisse seien wie in Amerika, wo man fahrdynamische Probleme für gewöhnlich ja auch rein motorisch löst. Kennen Sie dieses Gefühl, wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt?
Porsche kneift
Doch der Reihe nach: Der M5 hat Geburtstag! Runde dreißig ist er geworden, der Bursche. Und das will trefflich gefeiert werden: zum einen mit der Fangemeinde, denen die M-GmbH 300 Exemplare mittels Ladedruck um 40 auf 600 PS aufbläst; zum anderen in einem ausgelassenen Vergleich mit den Kollegen. Drei gute alte Feinde waren eingeladen: Erstens der Mercedes E 63 AMG, der zu solchen Events grundsätzlich nur noch als allradgetriebenes S-Modell erscheint. Zweitens Audi, die für eine Limousinen-Party nichts Passenderes mehr im Schrank haben als das Sportback-Dress des RS 7. Und drittens Porsche, die es leider jedoch nicht einrichten wollten. Vermutlich hatte man sich in Zuffenhausen an den unrühmlichen dritten Platz im erwähnten Vergleich von einst erinnert. Wie urteilten wir über den Panamera Turbo damals? Dass es auch mit dem S-Modell nicht anders ausgegangen wäre. Und ohne hier irgendwas vorwegzunehmen: Dazu stehen wir immer noch!
Audi RS 7 Sportback: Geschwindigkeit als ultimative Gewaltverherrlichung.
Bild: Sebastian Koch
Audi RS 7 Sportback Vor allem der Audi entkoppelt Tempo und Dramatik völlig voneinander. Er ist so etwas wie die Mon-Chérie-Version unter den drei Betäubungsmitteln. Zart, aromatisch, bei übermäßigem Genuss aber genauso berauschend wie das harte Zeug. Sein hochprozentiger Vierliter dreht butterweich, schlägt mit Samthandschuhen zu statt mit der blanken Faust, harmoniert damit aber bestens mit dem diskreten Fahrgefühl. Unterkühlt schimpfen ihn seine Kritiker, endcool sagen Hightech-Gourmets. Und auch die Modellpflege ändert an den geschiedenen Geistern nichts.
AMG in Reinkultur
Motor und Fahrverhalten des E 63 AMG muten rustikaler an als bei seinen Konkurrenten.
Bild: Werk
Mercedes E 63 AMG S Im Getriebe wirkt der Mercedes jedenfalls deutlich behäbiger. Sein nass gekuppelter Automat reagiert nur pomadig auf Paddelbefehle, nimmt beim Runterschalten jedes Mal das Schleppmoment des Motors mit und rotzt seine Gänge selbst im sportlichsten Modus nie so verbissen rein. Haar in der Suppe? Nein, die Nadel im Heuhaufen. Allein schon weil sich der E 63 im Vergleich zum aalglatten Audi noch so richtig schön handfest fährt. Gefühlsechte Lenkung, blitzsauberes Pedalgefühl, leibhaftiger Motor. Er verkörpert Traditionssport statt Dynamik zwei Punkt null, wirkt organisch statt geschmacksverstärkt – und ist, nachdem sich nun auch immer mehr AMG-Versionen der Rundum-Digitalisierung anschließen, einer der Letzten, die die Philosophien der Gemeinden Untertürkheim und Affalterbach noch in all ihrer Ursprünglichkeit kultivieren.
Im BMW M5 sollte man beim Vollgasgeben die Bodenbeschaffenheit ins Kalkül ziehen.
Bild: Sebastian Koch
BMW M5 "30 Jahre M5" Der M5 ist die letzte Stufe der Eskalation. Hier, überhaupt und wohl auf absehbare Zeit. Beim Kaltstart grölen die vier Titanrohre noch wie eine Horde versoffener Hooligans, stimmen dann jedoch ein derart ergreifendes Halleluja an, dass selbst Audianern das Wasser in die Augen steigt. Stilrichtung? Irgendwo zwischen Final Countdown und Renntourenwagen aus den Siebzigern. Erst Bass, dann Trompeten, Fanfaren zum Schluss und dazwischen immer wieder die Beats des DKG, das mit seinen krassen Schaltzeiten sinnbildlich für den Widersinn dieses Autos steht. Vielleicht ist der Ober-Bayer die Antwort auf eine Frage, die nie jemand gestellt hat. Vielleicht ist er aller offenen Fragen Antwort.
Fazit
von
Stefan Helmreich
Reduziert man diese drei hier auf ihren Sinn und Zweck, fahren Mercedes und Audi ein einsames Rennen um den Sieg. Beide fahren völlig unkompliziert, beide gehen wie die Angst, beide sind sauschnell, und beide erfüllen exakt die Ansprüche, die die jeweiligen Markenanhänger an sie stellen. Doch zu ihrem Leidwesen gibt es da noch diesen BMW. Nicht irgendeinen, sondern den stärksten und aberwitzigsten jemals. Mit seiner überbordenden Potenz und der Unfähigkeit, sie auf die Straße zu bringen, schießt er – nach Limousinenverhältnissen gemessen – zwar weit übers Ziel hinaus, trifft irgendwie aber doch voll ins Schwarze. Der euphorische Klang, diese sadistische Veranlagung des DKG, dieser nukleare Schub, diese Agilität im Heck – völlig entartet, aber zum Niederknien. Um es auf den Punkt zu bringen: RS 7 und E 63 S sind Partner fürs Leben, der Jubiläums-M5 einer für die besonderen Momente darin.