BMW X3 20d xDrive: Test
Kein X für ein U: BMW X3 mit Diesel überzeugt im Test
BMW X3 20d xDrive im ersten Test
Bild: BMW Group
Mit dem X3 hat BMW vor knapp 20 Jahren so etwas wie eine Punktlandung hingelegt. Dank einiger Innovationen, wie zum Beispiel dem xDrive, durch das die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterrädern deutlich beschleunigt wurde, konnte sich das Sport Activity Vehicle (SAV), wie es BMW nennt, über die Jahre zu einem echten Bestseller entwickeln. Bis dato wurden weltweit über 3,5 Millionen X3 verkauft.
Klar, dass die Neuauflage jetzt noch eine Schippe drauflegen muss. Neben einer neuen Designsprache sowie neu interpretierten Scheinwerfern an Front und Heck sind die Außenmaße im Vergleich zum Vorgängermodell gewachsen. In der Länge misst der BMW X3 jetzt 4,76 Meter und 1,92 Meter in der Breite. Das sind in beiden Fällen knapp drei Zentimeter mehr. Erstaunlich ist, dass aber die Innenmaße bezüglich Ellbogenfreiheit für Fahrer und Beifahrer geschrumpft sind.
Im neuen X3 wird viel getoucht
Ein Umstand, der vor allem dem neuen Innenraumkonzept des X3 geschuldet ist. Dem Zeitgeist folgend, haben die Münchner aufgeräumt. Schalter oder Tasten für die Klimaanlage oder die Lüftung sind Geschichte. Jetzt wird gestrichen und sanft gedrückt, um warme oder kalte Luft in den Innenraum zu bringen.

Auch der neue BMW X3 folgt dem Trend zu weniger echten Schaltern und Knöpfen. Der gute iDrive-Controller ist zum Glück noch an Bord.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Prinzipiell geht das Konzept natürlich auf. Der Slider oder – wie es BMW nennt – die Interaction Bar mit einem Bedienfeld für die Warnblinkanlage und farbig abgesetzten Lichtelementen reagiert gut auf Berührungen. Allerdings muss sich der Fahrer dafür nach vorn beugen. Da freut es auch die Tester, dass der iDrive Controller in der Mittelkonsole geblieben ist und sämtliche Befehle oder Wünsche darüber eingegeben und gesteuert werden können.
Fahrzeugdaten
Modell | BMW X3 20d xDrive |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo |
Einbaulage | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 1995 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 145 (197)/4000 |
Nm bei 1/min | 400/1500 |
Vmax | 215 km/h |
Getriebe | Achtstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | v. 255/45 R 20, h. 285/40 R 20 Y XL |
Reifentyp | Continental SportContact 7 |
Radgröße | v. 9 x 20", h. 10,5 x 20" |
Abgas CO2 | 157 g/km |
Verbrauch* | 6,0 l/100 km |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 60 l/Diesel |
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt | S/k. A. |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2500/750 kg |
Stützlast | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 570–1700 l |
Länge/Breite/Höhe | 4755/1920–2132**/1660 mm |
Radstand | 2865 mm |
Bodenfreiheit | 216 mm |
Grundpreis | 60.400 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 65.730 Euro |
Apropos Befehle und Wünsche: BMW verfügt ja bereits über eine der umfänglichsten Sprachsteuerungen auf dem Markt. Im neuen X3 ist die unterdessen sogar in der Lage, auf geflüsterte Anfragen zu reagieren und im Flüsterton zu antworten. Wer also schlafende Kinder auf der Rücksitzbank hat, muss keine Angst mehr haben, dass die Kleinen durch ein lautes Wort geweckt werden. Und da wir uns in einem BMW X3 20d xDrive befinden, können sie über eine Gesamtdistanz von bis zu 952 Kilometern zufrieden schlummern.
Selbstzünder macht einen guten Job
Der Vierzylinder-Diesel gehört zur jüngsten Generation der von BMW angebotenen Selbstzünder. Unterstützt von einem 48-Volt-Startergenerator holt er aus zwei Liter Hubraum 197 PS und reicht maximal 400 Nm Drehmoment an die antriebsführenden Räder.

Kräftig: Der Vierzylinder-Turbodiesel holt aus zwei Litern Hubraum 197 PS und 400 Nm. Er bringt den X3 zügig in Fahrt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Verteilt wird die Kraft über die ohne Fehl und Tadel arbeitende Achtstufenautomatik, die genauso unmerklich die Gänge einlegt, wie der Startergenerator seine Unterstützung beim Anfahren oder Beschleunigen feilbietet. Im Zusammenspiel der Komponenten beschleunigt der je nach Ausstattung knapp 1,9 Tonnen schwere X3 dann auch in von uns gemessenen 7,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Wer es will, kann mit etwas Ausdauer dann auch bis zu 215 km/h schnell werden. Ja, da wäre vermutlich mehr drin, aber die CO₂-Vorgaben verhindern auch hier einen schnelleren Vortrieb.
Verbrauch bleibt erfreulich niedrig
Zu loben ist in jedem Fall die Akustik des Diesels, respektive seine Dämmung, denn auch hier bleiben die Insassen von den Arbeitsvorgängen weitgehend unbehelligt. Einzig beim spontanen Antritt knurrt der Selbstzünder etwas, um dann aber sofort fast lautlos sein Werk zu verrichten. Dafür benötigt der X3 nach AUTO BILD-Messungen 6,3 Liter im Drittelmix über 100 Kilometer. Auch sonst zeigt sich der X3 gut gedämmt. Wind und Außengeräusche waren kaum wahrnehmbar, was das SAV einmal mehr als Langläufer empfiehlt.
Zugang zu Reihe zwei erschwert
Das gilt auch für die neu konstruierten Sportsitze, die zur Serienausstattung gehören. BMW-typisch sind sie straff, werden über die Distanz aber nicht unbequem und bieten in Kurven einen guten Halt bis zu den Schultern. Im Übrigen lässt sich das Gestühl auch ganz bequem besetzen.
Anders ist das in Reihe zwei. Zwar öffnen die Türen hier ähnlich weit, aber wenn der Fahrersitz etwas weiter hinten steht, müssen die Füße elegant unter die Vordersitze gezirkelt werden. Hat man sich eingerichtet, sitzt es sich auch im Fond sehr angenehm. Was auch daran liegt, dass die Sitzwangen bis in den oberen Rücken ausgeformt sind.
Vorgeschmack auf das nächste Infotainment
Das interessiert den Fahrer natürlich weniger, der legt das Augenmerk eher auf seinen Arbeitsplatz. Bei dessen Bedienung kann man geteilter Meinung sein. Die Grundidee hinter dem Anzeige- und Bediensystem bildet das neue BMW Operating System 9, das auch gleich ein Vorgeschmack auf das zu erwartende System X ist, das zuerst in der Neuen Klasse zum Einsatz kommen wird.

Reichlich reduziert: die Infotainment-Bedienung mittels Slider beim neuen BMW Operating System 9.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Wie erwähnt sind hier wie da Knöpfe und Schalter in herkömmlicher Form nicht mehr vorhanden. Das gilt auch für die Lenkradtasten. Die ähneln jetzt denen im BMW 2er Active Tourer, nur dass die Belegung um die zentralen Wippen sensitiv ist und es ein haptisches Feedback gibt.
Messwerte
Modell | BMW X3 20d xDrive |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,4 s |
0–100 km/h | 7,4 s |
0–130 km/h | 12,7 s |
0–160 km/h | 21,6 s |
0–180 km/h | 31,1 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 4,2 s |
80–120 km/h | 5,8 s |
Leergewicht/Zuladung | 1923/612 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 50/50 % |
Wendekreis links/rechts | 11,8/12,0 m |
Sitzhöhe | 700 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | wetterbedingt nicht messbar |
aus 100 km/h warm | wetterbedingt nicht messbar |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 4,5 l D/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,3 l D/100 km (+5 %) |
Sportverbrauch | 9,4 l D/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 167 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 952 km |
Auch die Steuerung für das Licht ist links an den Blinkgeber gewandert. Was dazu führt, dass dieses Bedienelement jetzt rund ist und der Scheibenwischer auf der rechten Seite wie gehabt flach. Funktional ist daran nichts zu bemängeln, aber das optische Gleichgewicht ist empfindlich gestört.
Weite Spreizung zwischen Sport und Komfort
Nicht gestört ist das Gleichgewicht beim Fahren. Die Sportlenkung arbeitet BMW-typisch mit guter Rückmeldung und erfreut den Piloten dadurch, dass sie nicht so zappelig ist, wie man das von einigen Sportskanonen aus München kennt. Zudem bleibt sie von Antriebseinflüssen weitgehend unberührt. Das optionale adaptive Fahrwerk mit elektronisch geregelten Stoßdämpfern macht ebenfalls einen ganz hervorragenden Job.

Dank rückmeldungsreicher Sportlenkung und adaptivem Fahrwerk ist der schwere X3 durchaus dynamisch unterwegs.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Es spreizt sich weit über einen Bereich, der komfortabel genug für das sanfte Gleiten über üble Asphaltbuckel ist und straff genug, um auch mal sportlich ums Eck zu fegen. Bei sportlicher Fahrweise machen sich auch die in ihrer Steifigkeit optimierte Karosserie und eine vergrößerte Spurweite an der Hinterachse bezahlt. Auch die daraus resultierende geringere Wankneigung gefällt.
Damit sind allerdings auch schon die zwei relevanten Fahrprogramme ausgereizt. Alles andere, was sich farblich in nunmehr acht unterschiedlichen Anzeigen auf dem Zentraldisplay präsentiert, wenn der Fahrmodischalter bemüht wird, ist lediglich eine optische und zu Teilen akustische Anpassung an das jeweilige Programm. Das ist absolut überflüssig, weil es Begehrlichkeiten weckt, die als Fahrprogramm nicht erfüllt werden. Denn weder Bremsen, Dämpfer, Lenkung, Gasannahme oder das ESP werden hier auch nur ansatzweise beeinflusst.
Kratzige Kunststoffe im Innenraum
Und weil wir gerade beim Kritisieren sind, soll nicht unerwähnt bleiben, dass uns auch bei der Verarbeitung des Testwagens eine Sache besonders unangenehm ins Auge oder besser in die Hand stach. Das Plastikverbundteil am Griff der Türinnenverkleidung kratzt bei jedem Schließen der Tür über die Handfläche. Ein Umstand, der uns dazu bewog, die Finger auch mal an anderen Teilen zu reiben, um herauszufinden, ob ähnliches Ungemach droht. Und siehe da, auch in den Luftauslässen oder in der pfiffigen Verankerung für Tablets in den Rückenlehnen der Vordersitze gibt sich der Kunststoff unangenehm kratzbürstig.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das ist schade, denn insgesamt mutet der X3, was Materialien und Verarbeitung betrifft, hochwertig an. Selbst auf Kopfsteinpflaster halten sich unangenehme Nebengeräusche vornehm zurück. Wobei man das bei einem Testwagenpreis ab 60.400 Euro auch erwarten darf. Erwarten darf man für den Preis auch eine Alarmanlage, eine Bluetooth-Schnittstelle, vier USB-C-Anschlüsse, eine Drei-Zonen-Klimaautomatik und ein cloudbasiertes Navigationssystem. Und wenn das Paket Digital Premium gebucht ist, verfügt es nun auch über eine Satellitenansicht.
Wertung BMW X3 20d xDrive
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Gutes Platzangebot, 2,5 Tonnen Anhängelast, tolle Materialien, Verarbeitung im Detail zu nachlässig. | 4 / 5 |
Antrieb | Hohe Laufkultur, sauber schaltende Automatik, guter Antritt, geringer Verbrauch, ordentliche Vmax. | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Fahrsicherheit auf hohem Niveau, zielgenaue Lenkung, super Traktion, großer Wendekreis. | 4,5 / 5 |
Connected Car | Sehr guter Sprachassistent mit Flüsterfunktion, Navi optional mit Satellitenansicht, viele Apps. | 4,5 / 5 |
Umwelt | Recht groß, geringer CO2-Ausstoß, stattliches Leergewicht, recycelte Materialien, nach außen leise. | 2,5 / 5 |
Komfort | Gute Sportsitze in Serie, sehr gute Geräuschdämmung, üppiges Angebot an Assistenzsystemen. | 4 / 5 |
Kosten | Hoher Anschaffungspreis, recht niedrige Steuer und Versicherung, drei Jahre Garantie, teure Inspektion. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2 |
Wer das Geld dafür investiert, der wird zudem mit Apps aus den Bereichen Videostreaming, darunter Joyn, Tagesschau und ZDF oder Spotify, sowie In-Car-Gaming beglückt. Wie notwendig das für das jeweilige Fahrvergnügen oder die Fahrsicherheit ist, möge jeder selbst entscheiden.
Teilautonomes Fahren ist möglich
Die Fahrsicherheit kann auf jeden Fall erhöhen, wer sich den Driving Assistant Professional ins Auto holt. Der ermöglicht ein teilautomatisiertes Fahren mit Spurwechselassistent, Streckenverlaufsregelung und aktiver Navigationsführung. Darin eingeschlossen sind sowohl die Geschwindigkeitsregelung als auch der Spurführungsassistent, der sich an die jeweilige Verkehrssituation anpasst. Hinzu kommt, dass der Spurhalteassistent mit einem aktiven Seitenkollisionsschutz, einer Vorfahrts- und Falschfahrwarnung sowie einer Querverkehrswarnung vorn gekoppelt ist.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auch Nothalte- und Rettungsgassenassistent sollen nicht unerwähnt bleiben. Warum? Weil es momentan weder Fahrzeuge aus Übersee noch aus dem Reich der Mitte gibt, die so feinnervig und präzise arbeiten. Das schließt ein, dass der Fahrer nie das Gefühl hat, bevormundet oder gar übergangen zu werden, wenn die Systeme regeln.
Mehr Ladevolumen als der Vorgänger
Wer am Ende des Tages so behütet und entspannt über die Piste rollt, kann das auch mit entsprechendem Gepäck tun. Der X3 20d bietet 570 bis 1700 Liter Stauraum. Das sind 20 bis 100 Liter mehr, als der Vorgänger zur Verfügung stellt. Auch im neuen X3 verschwindet das Gepäcknetz in einem Fach unter dem doppelten Ladeboden.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Verändert hat sich der Griff zum Herausziehen der Kofferraumabdeckung. Der spannt jetzt als großes Plastikstück mit Eingriff eine dünne Plane, die bei Bedarf das Gepäckabteil überdeckt. Die Ein-Klick-Automatik zum Einrollen gibt es nicht mehr. Schade drum. Der Erfolg von X3 Nummer vier dürfte sich aber trotzdem einstellen.
Fazit
Der BMW X3 ist und bleibt wohl ein Erfolgsmodell. Die Neuerungen in der Bedienung sind gewöhnungsbedürftig, die Qualitätskritik ist sicher nur eine Momentaufnahme. Insgesamt erfreut das SAV gerade als Diesel mit seiner Laufruhe, dem gut abgestimmten Fahrwerk und einer präzisen Lenkung. Einzig der Preis ist eine Kröte, die es zu schlucken gilt. AUTO BILD-Testnote: 2
Service-Links


































