BMW Z8: Test
Warum dieses Auto ein echter Traum-Roadster ist

Bild: Fred Roschki / AUTO BILD
Der Himmel über uns ist weiß und blau, die Wiesen sind saftig grün, der Raps steht in seiner gelben Blüte. Die Landstraße ist kurvig und eng, mal hügelig, mal eben.
Ich pilotiere einen knallroten BMW Z8, neben mir sitzt Sophie Marceau. Gerade eben, als sie mir den Weg abschneiden wollten, habe ich paar Stinger-Raketen abgefeuert, die mir die Leute von Q in den Kühlergrill meines Roadsters implantiert hatten – gute Jungs. Mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht, als mir Q heute Morgen mein Auto übergab. "Neues Modell, noch mehr Spielzeug?", fragte ich. Q nickte. Sophie stieg ein, wir fuhren los, wir fuhren schnell, wir fuhren ohne Pause.
Wir fahren immer noch ohne Ziel. "Die Straße ist nicht genug", sage ich. Sophie lächelt, wie nur das schönste aller Bond-Girls lächelt. Doch dann ohrenbetäubender Lärm von oben. Ein Hubschrauber mit einer riesigen Säge fliegt tief und tiefer, Funken schlagen, Metall kreischt, Sophie schreit. Mein schöner BMW, sie haben ihn durchgesägt. Aus der Traum!

Einer von 5703 BMW Z8, die von 2000 bis 2003 ausgeliefert wurden. Die Farbe Rot ist übrigens selten: Nur 293 hat BMW so gebaut, 137 davon mit chwarzem Interieur.
Bild: Fred Roschki / AUTO BILD
Nun ist es ja nicht so, dass dies hier der echte Dienstwagen des echten James Bond wäre. Nee, der war im Streifen "Die Welt ist nicht genug" erstens titansilber und nicht rot, somit lackiert wie 3182 von insgesamt 5703 gebauten Z8. Und zweitens erhielt die Filmcrew 1999 gleich ein paar Vorserienmodelle für die Dreharbeiten, einen davon haben sie per Hubschrauber mit Riesen-Säge wirklich in der Mitte durchtrennt, die herzlosen Filmfuzzies, diese jämmerlichen Autokulturbanausen.
Wir dürfen diesen Z8 von BMW-Classic nicht sehen wie ein profanes Fortbewegungsmittel für zwei mit Stoffmütze, wir sollten seinen kulturhistorischen Wert im Blick haben, schließlich ist er der legitime Erbe des legendären 507 von Albrecht Graf Goertz aus dem Jahr 1955. Und wir müssen mit ihm, verdammt noch mal, so umgehen, wie du mit Sophie Marceau beim ersten Date umgehen solltest, damit es noch ein zweites gibt.
Elegante Schönheit
Erst mal sanft ranpirschen. Gerade einmal 29.520 Kilometer stehen auf dem Tacho, den sie zusammen mit dem Drehzahlmesser mittig aufs Cockpit gesetzt haben, damit der Fahrer freie Sicht nach vorn hat. Na gut, derart hat Fiat beim 1999er Multipla auch argumentiert, aber hier geht es ja um eine Fahrmaschine, die nach deiner vollen Konzentration verlangt.
Konzentrieren wir uns auf die Zutatenliste. Mobilfunk-Telefon in der Mittelkonsole war Ende der 90er, Anfang der 2000er nicht mehr ganz so pornös, Navi schon. Das MIR (Multi-Informations-Radio) ist ein Gerät für den DIN-Schacht, das wie beim Audi TT hinter einer Klappe liegt, dessen Navi Sprachführung sowie Richtungspfeile auf einem kleinen Mäusekino-Display bietet. Gehen wir nicht weiter darauf ein, der informationstechnische Mief von 1999 soll nicht den zeitlosen Glanz verfälschen.
Sagen wir lieber: Die Sitze sind bequem und elektrisch, nicht so knalleng wie in einem Sportwagen, sondern so ausgeformt, dass auch Reiche mit Bauch Luft kriegen. Das Interieur ist schwarz wie bei 1895 von 3182 titansilbernen Z8, sagen die verliebten Jungs vom Z8-Club.
Verliebt, verliebt. Du bist es spätestens dann, wenn du erstens den Zündschlüssel ins Schloss im Armaturenbrett steckst und zweitens den Startknopf drückst. Eine herrliche Dopplung, die uns drittens sagt, dass der Z8 kein "Keyless Klau" hat, der die Entwendung ohne Schlüssel ermöglicht. Würdest du vielleicht auch hören, wenn er ohne dich aus der Garage fährt. Sie haben ihm den von BMW-Motorsport entwickelten 5,0-Liter-Voll- Alu-V8 eingebaut, einen hyperaktiven Spaßmacher, der bis 7000/ min dreht, 400 PS leistet und 500 Nm Drehmoment. Und der dir bereits bei 1500 Touren sagt: Mach hin, ich wär' dann mal so weit! Wir wollen jetzt keinesfalls schlafende Hunde wecken, aber diese einsame Landstraße unter weiß-blauem Himmel, weit und breit keiner in Sicht: Also das mit den 4,7 Sekunden auf 100 haben wir zwar nicht handgestoppt, aber ausprobiert.
Fahrspaß in Reinform
Schnappatmung! Wenn du diesen Roadster mit Hinterradantrieb und Sechsgang-Handschaltung so fährst, wie sich das die Spaß-Abteilung von BMW gedacht hat, wenn du dieses kleine, offene 4,40-Meter-Auto so bewegst, wie das die Ingenieure aus dem werkseigenen Freudenhaus ermöglicht haben, dann ist jeder Tritt aufs Gas wie ein Schlag in die Magengrube. Vor Glück!
Der Z8 ist so etwas wie eine bayerische Co-Produktion. Die steife und verwindungsstabile Karosserieaußenhaut besteht aus Aluminium, die Stoßfänger mit Antennen für Radio, Navi und Telefon und die Schweller aus schlagfestem Kunststoff. Sie haben die Karosse im Werk Dingolfing mit mehr als 1000 Stanznieten und 57 Meter MIG-Schweißnaht vormontiert; die ganze Chose ging dann nach München, aus Landshut kamen Stoßfänger und Schweller. Und so waren an dieser Handfertigung 100 Menschen beteiligt, jeder Motor lief vor dem Einbau 20 Minuten auf dem Prüfstand und danach 30 Kilometer auf der Testfahrt.

Edler Arbeitsplatz der Z8-Genießer: elektrisch verstellbare Lenksäule, Lenkrad mit Alu-Speichen, Bedienhebel in Alu für Tempomat, Blinker und Scheibenwischer.
Bild: Fred Roschki / AUTO BILD
Z8-Einfahrer, welch Traumjob. Grob gesagt befindet sich bei diesem Spaßgerät der Popo in der Nähe der Hinterachse und der Gasfuß beinahe auf Tuchfühlung mit der Vorderachse, und grob gesagt war es damals genau diese Geometrie, die dir als Piefke mit dem Kettcar die Tränen der Rührung abgerungen haben. Nur dass du hier nicht strampeln musst, du musst nur Gas geben. Und runterschalten. Und noch mehr Gas geben. Der Z8 bietet mit seinem niedrigen Schwerpunkt, der perfekten Achslastverteilung von 50 zu 50 Prozent und seiner verwindungssteifen Struktur die besten Voraussetzungen für den ganz großen Fahrspaß. Das ist Kettcar-Feeling für uns Jungs, die mit fünf schon Männer waren.
Ein Bayer zum träumen
Natürlich haben wir denen von BMW dann doch nicht den ganzen 73-Liter-Tank leergefahren, wir wissen ja, was sich gehört. Erstens hast du ruck, zuck raus, was der Typ kann, weil dein Kopf nach ein paar Kilometern ganz Karussell ist. Zweitens schluckt der Achtender 14,5 Liter vom teuren Super Plus, und zwar im Schnitt. Beim Stadtverbrauch gibt BMW 21,1 Liter zu, und den "Immer-wieder-0-auf-100-Durst" wollen wir gar nicht wissen. Lasst uns lieber noch paar Geschichten erzählen.

Der Motor stammt aus dem BMW M5 der Baureihe E39 (1998-2003): V8 mit fünf Liter Hubraum, 400 PS und 500 Nm Drehmoment.
Bild: Fred Roschki / AUTO BILD
Zum Beispiel die Aktion bei der "BMW Mobile Tradition". Sommer 1999, der Z8 war längst fertig, und die Planungen für die Weltpremiere auf der IAA im September liefen, da stand er mehrere Wochen streng bewacht und abgeschottet wie ein Hollywood-Star in einem gut ausgeleuchteten Raum an der Schleißheimer Straße in München. Nur Promis und die reichsten der zahlungskräftigen Kunden durften kurz gucken. BMW war auf gute Miene zum hohen Preis aus, denn sie wollten für den Z8 satte 235.000 Mark haben. In dieser Liga waren sie bis dahin nicht unterwegs gewesen.
Und sie waren es bis zum Ende der Bauzeit 2003 nicht. Da stand der Roadster mit 127.000 Euro in der Liste, der stärkste 7er, ein 760i in lang und mit V12, kostete ganze 11.000 Euro weniger.
Der Himmel über uns ist immer noch weiß-blau, die Landstraße kurvig und eng, mal hügelig, mal eben. Drehen wir noch ’ne Runde, vielleicht geht das nie wieder, gebraucht bist du bei 200.000 Euro, je nach Zustand mehr. Und dann lächelt noch nicht mal Sophie Marceau vom Beifahrersitz.
Fazit
Mein lieber Kollege Wolfgang König schrieb vor über 20 Jahren über den Z8: "Für den Alltag fast zu schade." Wolfgang, du hattest wie immer recht. Machen wir uns nix vor: 200.000 Euro für einen Z8, da sind wir Volksschul-Dorfjungs raus. Doof eigentlich, denn den Z8 haben sie aus dem Vollen gefräst. Bester Motor trifft auf feinstes Fahrwerk. Für den Alltag fast zu schade.
Service-Links










