Bovensiepen Zagato: erster Check
Der Bovensiepen Zagato ist ein BMW M4 in schön

Bild: Jan Götze
Diese Präsentation war ein Paukenschlag! In einer Zeit, in der beinahe jedes neue Auto früher oder später geleakt wird, hat es die neue Marke Bovensiepen geschafft, ihr Erstlingswerk bis zuletzt geheimzuhalten. Als das Tuch am Wochenende im Rahmen des Fuori Concorso im italienischen Cernobbio vom Auto gezogen wurde, wussten nur die allerwenigsten Anwesenden, was sie erwartet. Erster Check des neuen Bovensiepen Zagato!
Nachdem bekannt wurde, dass Alpina die Markenrechte an BMW verkauft hat, fragten sich die Fans der Traditionsmarke aus Buchloe, was aus Alpina wird. Jetzt wissen wir es, denn neben der Fokussierung auf den Klassik-Bereich werden auch in Zukunft Autos in Buchloe gebaut. Die Manufaktur Bovensiepen verspricht einzigartige Automobile zu erschaffen. Das Erstlingswerk wurde in Zusammenarbeit mit dem traditionsreichen Designstudio Zagato entwickelt – deutsche Ingenieurskunst trifft auf italienisches Design.

Bovensiepen hielt die Weltpremiere im Rahmen des Fuori Concorso im italienischen Cernobbio bis zuletzt geheim.
Bild: Jan Götze
Auf Basis des BMW M4 Cabrio
Das Ergebnis hört auf den Namen Bovensiepen Zagato, macht Sinn. Das neue Firmenlogo ist ein doppeltes B mit einem nach oben zeigenden Pfeil. Die Buchstaben stehen für Bovensiepen und Buchloe, der Pfeil soll die Richtung symbolisieren. Es soll steil nach oben gehen – und dafür wird ein enormer Aufwand betrieben.
Mindestens 250 Arbeitsstunden sollen in die Entstehung jedes einzelnen Bovensiepen Zagato fließen. Hierbei werden mehr als 400 spezifische Teile montiert. Und was übrigens an keiner Stelle der Präsentation erwähnt wurde – die Basis des Bovensiepen Zagato bildet der aktuelle BMW M4.
Sechszylinder mit 611 PS
Während Bovensiepen lediglich von einem Dreiliter-Reihensechszylinder spricht, ist klar, dass unter der Haube der S58-Motor aus dem M3 bzw. M4 steckt. In Buchloe wurde dieser jedoch umfangreich überarbeitet, sodass er sogar die stärkste Ausbaustufe von BMW M noch mal deutlich übertrifft. Im 1875 Kilo schweren Bovensiepen Zagato stehen 611 PS und 700 Nm Drehmoment bereitet, was für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 3,3 Sekunden (ein Hinweis auf Allrad?) und einen Topspeed von über 300 km/h reichen soll. Beim Gedanken an die bisherigen Modelle aus Buchloe würde es uns nicht wundern, wenn der Bovensiepen Zagato die 300-km/h-Marke letztendlich deutlich überträfe.
Norihiko Harada Chefdesigner bei Zagato (links) und Andreas Bovensiepen (rechts) feiern die Premiere des Bovensiepen Zagato.
Bild: Jan Götze
Trotz dieser beeindruckenden Leistungswerte soll der Bovensiepen Zagato kein Sportwagen, sondern ein waschechter Gran Turismo sein. Und wer hätte gedacht, dass ein BMW M4 so edel aussehen kann?
Zagato hat ganze Arbeit geleistet und auf Basis des M4 Cabrio (richtig gelesen) ein formschönes Coupé erschaffen, bei dem nur noch die Außenspiegel, die Türgriffe und die Rückleuchten an das Spenderfahrzeug erinnern. Statt XXL-Niere prangt am Bovensiepen ein deutlich dezenterer Kühlergrill aus gefrästem Edelstahl. Die Scheinwerfer lassen ihn grimmig dreinschauen, der Überhang erinnert ein wenig an den legendären E24.
Nur echt mit "Double Bubble"-Dach
Das Designhighlight ist jedoch die fließende Dachlinie mit dem für Zagato charakteristischen "Double Bubble"-Dach. Der Bovensiepen besitzt keine B-Säule, die rahmenlosen Seitenscheiben lassen sich komplett versenken – eben so, wie es sich für ein Coupé gehört. Dieses entscheidende Detail konnte nur umgesetzt werden, indem ein Cabrio als Ausgangsbasis genutzt wurde. Was erst bei genauerer Betrachtung auffällt, ist die gewölbte Glas-Heckscheibe, die die Form des Dachs gekonnt weiterführt. Grandios.
Die Rückleuchten sind BMW, der Rest ist neu. Das "Double Bubble"-Dach ist eines der prägnantesten Designmerkmale des Bovensiepen Zagato.
Bild: Jan Götze
Das Heck ist durch eine markante Abrisskante und ausgestellte Kotflügel geprägt. Die Titan-Abgasanlage wurde mit den Spezialisten von Akrapovic entwickelt. Den vier runden Endrohren entweicht ein sonorer, aber keineswegs übertriebener Sechszylinder-Sound.
Was uns neben dem Design besonders beeindruckt hat, ist die herausragende Fertigungsqualität (beinahe alle Karosserieteile bestehen übrigens aus Carbon). In Anbetracht dessen, dass die ersten Kundenfahrzeuge erst ab dem zweiten Quartal 2026 ausgeliefert werden sollen, überzeugt der Bovensiepen Zagato 001 auf ganzer Linie und wirkt bis ins letzte Detail extrem hochwertig. Kleiner Kritikpunkt: Wir hätten für das Präsentationsauto eine andere Außenfarbe gewählt, die sich stärker von Alpina abgrenzt.

Im Innenraum des Bovensiepen Zagato sieht man die BMW-Basis ganz deutlich. In Buchloe wird das gesamte Cockpit großflächig mit Lavalina-Leder ausgestattet.
Bild: Bovensiepen
Über 1,8 Kilometer Garn
So wie im Innenraum, der in einem besonders kräftigen Blauton gehalten ist. Für die Lavalina-Lederausstattung benötigen die Sattler in Buchloe rund 130 Arbeitsstunden, in denen nahezu jedes Bauteil mit feinstem Leder bezogen wird. In Summe kommen 390 einzelne Leder-Stücke und über 1,8 Kilometer Garn zum Einsatz. Bereits das normale Lavalina-Programm umfasst 16 unterschiedliche Farben, wobei Bovensiepen erklärt, dass nahezu jeder Kundenwunsch umgesetzt werden kann.
Wie es sich auf dem edlen – und betörend riechendem – Leder sitzt, durften wir im Rahmen des Fuori Concorso leider noch nicht erfahren. An der Cockpit-Architektur hat Bovensiepen übrigens nichts geändert – wozu auch?

Als Basis für den Bovensiepen Zagato dient ein BMW M4 Cabrio. Richtig gelesen, in Buchloe machen sie aus dem Cabrio ein Coupé. Nur so konnte die B-Säule entfallen und eine entsprechend fließende Dachlinie erschaffen werden.
Bild: Bovensiepen
Wie viel kostet der Bovensiepen Zagato?
Und wie geht es weiter mit dem 4,94 Meter langen Gran Turismo? Noch gibt es weder Details zum Preis noch zu den Stückzahlen. Bei Bovensiepen sprechen sie davon, dass der Zagato streng limitiert wird. Ende des Jahres sollen konkrete Informationen folgen.
Im Rahmen der Präsentation in Cernobbio wurden jedoch immer wieder Gerüchte zu mutmaßlichen Preisen laut. So soll der Bovensiepen Zagato angeblich zwischen 400.000 und 500.000 Euro kosten, was angesichts des enormen Aufwands nicht unrealistisch erscheint. Bovensiepen jedenfalls waren keine konkreten Informationen zu entlocken – im Bewahren von Geheimnissen sind sie in Buchloe eben Experten.
Fazit
Für das Familienunternehmen Bovensiepen bricht eine neue Ära an. Sich mit dem italienischen Traditions-Designhaus Zagato zusammenzutun, ist ein historischer Schritt. Look und Finish des Bovensiepen Zagato haben mich live auf Anhieb begeistert. Das Erstlingswerk könnte ein Erfolg werden – es kommt ein Stück weit auf den Preis an!
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