Richtig viel los ist in der kleinsten Klasse der Branche. Unter dem Namen Urban Camper sammeln sich die kompakten Wohnautos, die alle rund fünf Meter Länge messen. Sie bilden heute das ab, was vor rund sieben Jahrzehnten der VW Bulli gestartet hatte: kleine Transporter, in denen der Mensch auch schlafen, essen und alles andere machen kann, was Wohnen heißt.
Der VW Bus hat seine Rolle als unangefochtener Bestseller längst verloren. Zu Recht, gibt es als Basisfahrzeuge einige gute Alternativen, von denen Bürstner sich zwei herauspickt: den Renault Trafic und den Ford Transit Custom, einen in Größe und Gewicht abgespeckten Transit.
Ford fertigt den aktuellen Transit Custom, wie bereits seinen Vorgänger, im kürzlich erst für zwei Milliarden Euro ausgebauten Werk im türkischen Yeniköy. Eine skurrile Randnotiz der Geschichte gibt’s dazu: Der neue VW Bus T7 ist im Prinzip ein Ford Transit Custom. Er entsteht im gleichen Werk, nutzt die gleiche Technik, nur Cockpit und Front unterscheiden sich deutlich.
Bürstner Copa C 500 AWD: Fahrbericht
Am Tisch reicht der Platz für vier Personen.
Bild: Photoproduction Hanselmann Bernd Hanselmann
Die breite Angebotspalette der türkischen Ford-Tochter hatte VW gelockt. Schließlich rollt der Transit Custom nicht nur mit dem erwartbaren Zwei-Liter-Diesel und Frontantrieb vom Band, sondern auch in einer Allrad-Variante, die wir hier vorstellen.
Bei ihr treibt der Motor prinzipiell die Vorderräder an, doch je nach Bedarf schickt eine elektrohydraulisch betätigte Lamellenkupplung Drehmoment stufenlos in Richtung Heck. Weil das Steuergerät dazu die ESC-Daten nutzt, trifft es innerhalb von Millisekunden die richtige Entscheidung. Wird es extrem, bei durchdrehenden Vorderrädern zum Beispiel, schickt die Kupplung nahezu das komplette Drehmoment nach hinten.
Motorisierung 
2.0 Ford EcoBlue 
Leistung 
125 kW (170 PS) bei 3500/min 
Hubraum 
1996 cm3 
Drehmoment 
390 Nm bei 1500–2000/min 
Höchstgeschwindigkeit 
166 km/h 
Getriebe/Antrieb 
Achtstufenautomatik/ Allrad 
Tankinhalt/Kraftstoffsorte
58 l/Diesel + 20 l AdBlue 
Länge/Breite/Höhe
5050/2150/2050 mm 
Radstand/Bereifung
3100 mm/215/60 R 17 C 
Masse fahrbereit/Zuladung
ca. 2650/520 kg 
Anhängelast (gebremst/ungebremst)
2400/750 kg 
Grundpreis/Testwagenpreis 
67.650 / 79.202 Euro 
Auch die weitere Palette des Transit Custom (und des T7) ist übrigens spannend. Neben starken Plug-in-Hybriden (mit Benzinern) gibt es Varianten mit batterieelektrischen Antrieb, künftig ebenso mit Allradantrieb.

Das ist der Bürstner Copa C 500 AWD

Unser Copa kommt traditionell mit einem Zwei-Liter-Turbodiesel und All-Wheel Drive (AWD). Das hebelt seinen Grundpreis deutlich nach oben: Den Basis-Copa weist Bürstner aktuell mit 55.390 Euro aus, dazu kommen die Ausstattungslinie Active für 5000 Euro, ohne die der 170 PS starke AWD mit Achtstufenautomatik nicht bestellbar ist. Der Antrieb addiert weitere 7260 Euro, macht in Summe 67.650 Euro. Um unser schickes Testfahrzeug mit Markise, Attractive- und Holiday-Paket (damit kommt die Schlafbank an Bord) und der Sonderfarbe Grey Matter bezahlen zu können, sind am Ende sogar über 79.200 Euro fällig.
Bürstner Copa C 500 AWD: Fahrbericht
Eine praktische Außendusche liefert Bürstner für 100 Euro Aufpreis.
Bild: Photoproduction Hanselmann Bernd Hanselmann
Dafür liefert Bürstner einen routiniert gebauten Urban Camper mit einem Grundriss, der sich bestens bewährt hat – Küche samt Schränke stehen an der linken Seite, vorne gibt es drehbare Vordersitze, oben ein serienmäßiges Schlafdach mit Panorama-Funktion. Keine Überraschungen also.

Das hat der Copa C 500

Überzeugen können beim Copa nicht nur die hellen Möbel, sondern auch viele Lösungen im Detail. Dazu zählt die Sitzbank, die sehr viel leichter als bisher in ihren neuen Schienen läuft. Ein klares Plus, keine Frage, und das gilt auch für ihren schnellen Umbau zum Bett, bei dem ein passgenauer Matratzentopper (plus 259 Euro) mehr Bequemlichkeit sichert. Was bleibt, ist die Enge: Nur 1,00 mal 1,90 Meter misst die Liegefläche, da muss man sich schon sehr gern haben. Das Bett oben gewährt immerhin 17 Zentimeter mehr Breite, auch etwas länger ist es. Doch je nach Wetter kann es hinter der Zeltwand frisch werden, trotz der Zwei-Kilowatt-Diesel-Heizung (plus 1950 Euro).
Serienmäßig an Bord ist die Küche mit viel Stauraum und einer Kühlbox, der Tank fasst 39 Liter Frischwasser. Eine Toilette gibt’s nicht im Copa, jedoch eine Außendusche (für 100 Euro extra).
Bürstner Copa C 500 AWD: Fahrbericht
Sieht so schmal aus, wie es ist: Nur einen Meter Breite misst das untere Bett.
Bild: Photoproduction Hanselmann Bernd Hanselmann
Mit seinen 170 PS mangelt es dem Copa weder an Leistung noch an Drehmoment. Er lenkt sich (mittels seines skurril eckigen Lenkrads) agil wie ein Pkw, gibt sich handlich und ist dank der zwangsweise kombinierten Achtstufenautomatik auch in allen Lagen komfortabel. Es ist ein souveränes Fahren, das Ford mit seinem AWD-System nochmals auf ein höheres Level hebt. Das glänzt vor allem dadurch, dass seine Anwesenheit niemand bemerkt. Es geht ihm nicht um bessere Eigenschaften im Gelände, sondern allein um gesteigerte Sicherheit bei unschönen Zuständen auf der Straße. Wer’s trotzdem braucht, bestellt sich die Vorderachse mit Sperrdifferenzial (plus 2050 Euro).
Mit einem großen Monitor, der immerhin 13 Zoll Diagonale misst, informiert der Transit Custom den Fahrer. Das ist durchdacht gelöst bis hin zum Bild aus dem Heck, bei dem die Fahrlinien Richtung Ziel einschwenken. Auch das ist smart, so wie der gesamte Copa.

Fazit

Dass der Ford als Tourneo eine gute Basis bietet, hat sich längst herumgesprochen. Und wer zudem auf einen Allradantrieb Wert legt, bekommt ihn hier – allerdings nur samt Active-Paket und für stolze 12.260 Euro Aufpreis auf den Basistarif.