Die älteren unter uns erinnern sich: Es gab eine Zeit, als der Urban Camper noch nicht erfunden war, zumindest nicht als Segment mit diesem Namen. Wer maximalen Freizeitnutzen auf minimalem Raum suchte, griff zum Multivan von VW.
Der war so teuer wie werthaltig, das Konzept ausgereift und unschlagbar praktisch. Was es nicht besaß: einen Kopierschutz. Für Kunden ist dies ein Gewinn, denn die stark gestiegene Nachfrage brachte weitere Anbieter auf die Spur – so auch Bürstner mit dem Copa, den der Hersteller aus Kehl am Rhein nun in einer überarbeiteten Auflage vorstellt. Seine Basis: der Ford Tourneo Custom.
Bürstner liefert zunächst den Copa C 500 aus, der um 40 Zentimeter längere C 530 harrt aktuell in Wartestellung, bis alle technischen Themen gelöst sind. Sein Layout wird anders ausfallen – er hat Toilette und Dusche an Bord.
Luftig fällt das neue Aufstelldach des Copa aus. Geschlossen reißt der Ford knapp die wichtige Zwei-Meter-Marke.
Bild: Magali Hauser / AUTO BILD
Der C 500 dagegen ist ein waschechter Urban Camper der handlichen Fünf-Meter-Klasse. Sein Layout überrascht nicht: An der linken Seitenwand steht eine komplett ausgestattete Küche, die drehbaren Vordersitze bilden mit einer optionalen Schlafsitzbank eine Sitzgruppe für vier. Bei ihm muss eine Außendusche genügen, auch für eine Toilette reicht der Platz nicht aus.
Schlafplätze bietet der C 500 auf einer optionalen Klappbank (Holiday-Paket, 6199 Euro), zudem serienmäßig im Obergeschoss, das Bürstner mit einem neuen Aufstelldach erschließt. Ansonsten bleibt die Ford-Karosserie unverändert, abgesehen vom Dekor und einer kleinen Klappe hinten links, unter der sich der Anschluss für Landstrom verbirgt.

Das klassische Camper-Layout übernimmt auch der Copa C 500.
Bild: Magali Hauser / AUTO BILD

Das hat der Bürstner Copa C 500

Viel Neues hat der Copa C 500 an Bord, viel Optimiertes, auch wenn er zunächst nach wenig Überraschung aussieht. Beispiele gefällig? Die neue Sitzbank bietet eine hohe Lehne, darunter ein Fach oder eine Möglichkeit zum Durchladen von langem Gerät wie Skiern. Bei der Schlaffläche kann sie allerdings nicht zaubern – 1,90 Meter Länge müssen genügen, auch die Breite von einem Meter führt dazu, dass unten am besten nur ein Erwachsener oder zwei Kinder schlafen.
Motorisierung
2,0 Ford EcoBlue 
Leistung
125 kW (170 PS) bei 3500/min 
Drehmoment
390 Nm bei 1500–2500/min 
Höchstgeschwindigkeit
ca. 170 km/h 
Getriebe/Antrieb
Achtstufenautomatik/Vorderrad 
Tankinhalt/Kraftstoffsorte
58 l/Diesel 
Länge/Breite/Höhe
5050/2150/2050 mm 
Masse fahrbereit/Zuladung
ca. 2430/695 kg 
Anhängelast (gebremst/ungebremst)
2500/750 kg 
Grundpreis/Testwagenpreis
54.990 Euro / 74.524 Euro 
Mit dem Holiday-Paket sind (ebenfalls optimierte) Verdunkelungen an Bord, zudem praktische Zurrösen. Oben fällt nicht nur das Bettenformat etwas üppiger aus (1,97 x 1,17 Meter), sondern auch der Ausblick begeistert dank großflächig zu öffnender Zeltbahnen.
Unter der Bank lassen sich lange Gepäckstücke durchladen. Das praktische Fach ist neu an Bord des Copa.
Bild: Magali Hauser / AUTO BILD
Ebenso serienmäßig an Bord des Copa ist ein Küchenblock mit geräumigen Fächern für Kochutensilien und Vorräte. Die von oben beladbare Kühlbox fasst 36 Liter, bis zu 39 Liter Frischwasser können an Bord gebunkert werden. Deutlich kleiner fällt der Abwassertank mit 21 Litern aus. Eine Dieselheizung montiert Bürstner nur auf Wunsch und für 1950 Euro Zuzahlung.

So fährt der Bürstner

Ford liefert den Tourneo Custom mit dem 2,0-Liter-EcoBlue-Diesel, der nach Wahl 136 oder 170 PS bietet und seine Kraft über die Vorderräder auf die Straße bringt. Der Testwagen zeigte sich mit 170 PS und Automatik (im Paket plus 4760 Euro) überaus angemessen motorisiert, die Antriebseinflüsse hielten sich dabei dezent im Hintergrund. Wünsche bleiben hier keine offen, es sei denn, ein Allradantrieb wäre wichtig, doch den kann Bürstner auf Wunsch ebenfalls liefern.
Unter einer gemeinsamen Abdeckung bietet der Copa eine Spüle und zwei Flammen.
Bild: Magali Hauser / AUTO BILD
Gegen Aufpreis ist ein Fahrassistenzpaket an Bord, das unter anderem eine optimierte Notbremsautomatik liefert, alle Verkehrszeichen erkennt und die Geschwindigkeit adaptiv regeln kann. Doch auch ab Werk stehen bereits viele Helfer parat, inklusive Spurhalter und Falschfahrer-Warnsystem, der großzügige 13-Zoll-Monitor in Cockpitmitte ebenso.
Etwas gewöhnungsbedürftig – oder sagen wir: exotisch – fällt das unrunde Lenkrad aus, für das sich Ford entschieden hat. Beim Fahren stören die seltsamen Ecken und Kanten dann allerdings nicht.
Die Lackierung in Grey Matters wirkt schick, kostet aber 2160 Euro extra.
Bild: Magali Hauser / AUTO BILD
Bürstner sieht in der Wahl des Tourneo Custom die besten Chancen für alternative Antriebe. Wer in der Urban-Camper-Klasse keinen Dieselmotor möchte, sondern sich für eine Plug-in-Hybrid-Lösung oder einen Elektroantrieb interessiert, sollte bei Ford künftig problemlos bedient werden.

Fazit

Der neue Copa C 500 wird die Urban-Camper-Szene bereichern, nicht revolutionieren. Er bietet aufgrund seiner vielen Qualitäten im Detail und der Antriebsvielfalt von Ford ein überzeugendes Paket – zu einem am Ende selbstbewussten Preis.