BYD Seal Excellence AWD: Test
Tesla-Jäger aus China: BYD Seal kann im ersten Test überzeugen
BYD Seal im ersten Test
Können China-E-Autos wie der BYD Seal den etablierten Autobauern gefährlich werden? AUTO BILD testet die Allradlimousine im Tesla Model-3-Format.
Bild: BYD
Die Passanten schauen hin, wenn wir mit dem elektrischen BYD Seal in der Stadt um die Ecke kommen. Vor allem, wenn wir als künstliches Fahrgeräusch ein echt asiatisches Kling-Klang gewählt haben, das an eine Einschlafhilfe für Kinder erinnert. Gezeichnet vom Ex-Audi-Designer Wolfgang Egger, vermeidet der Seal alles Überdesignte, ist einfach nur angenehm anzuschauen.
Von Billigprodukt kann keine Rede sein, dieser Wagen kostet über 53.000 Euro. Ist aber auch ein All-inclusive-Angebot mit Allrad, sogar der blaue Metalliclack auf den Fotos ist Serie. Innen bietet er viel Kniefreiheit, nach oben hin begrenzen die 1,46 Meter Höhe den Platz. Die Breite der Sitze reicht auch für Mitteleuropäer, Große hätten gern längere Sitzflächen.

Platz auch für Große: Der Fond wirkt dank des riesigen Glasdachs ungemein luftig – nur beim Einstieg muss man sich etwas bücken.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Beim Einstieg in den Fond zwingt der tiefe Dachholm zum Bücken. Einmal geentert, wirkt der Fond ungemein luftig dank des riesigen und wirkungsvoll UV-geschützten Glasdachs. Man sitzt hinten nicht zu tief, bei guter Beinauflage. Nur die Kopfstützen drücken. Und: Nur wenn der Vordersitz hoch eingestellt ist, können Fondpassagiere ihre Füße darunterschieben.
Fahrzeugdaten
Modell | BYD Seal Excellence AWD |
|---|---|
Motor Bauart vorn | Asynchronelektromotor |
Leistung vorn | 160 kW (218 PS) |
Motor Bauart hinten | Synchronelektromotor |
Leistung hinten | 230 kW (313 PS) |
max. Drehmoment gesamt | 670 Nm |
Spitzenleistung gesamt | 390 kW (530 PS) |
Dauerleistung | 145 kW (197 PS) |
Vmax | 180 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 235/45 R 19 V |
Reifentyp | Continental EcoContact 6 Q |
Reichweite* | 520 km |
Verbrauch* | 18,2 kWh/100 km |
Ladeanschluss | hinten rechts (CCS) |
Batterieart | BYD-Blade-Batterie (LFP) |
Batteriekapazität | 82,5 kWh |
Ladeleistung AC/DC | bis 11/150 kW |
Ladedauer (DC, 10-80 %) | 37 Minuten |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | –/– |
Kofferraumvolumen | 400 l + 53 l vorn |
Länge/Breite/Höhe | 4800/1875–2150**/1460 mm |
Radstand | 2920 mm |
Grundpreis (vor Förderung) | 53.668 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 53.668 Euro |
In puncto Variabilität bietet der BYD nichts Besonderes: Bei umgeklappter Lehne bleibt eine Stufe, eine Längsverstellung der Fondbank existiert ebenso wenig wie eine Durchreiche.
Spracherkennung knapp unter Mercedes-Niveau
Auch sonst gibt sich der Seal innen konventioneller als etwa ein Tesla: Ein Cockpit existiert ebenso wie Startknopf und Wischerhebel. Heizung/Klima aber zwingen uns ins Zentralmenü, und die Bedienung ist nicht eindeutig. Anfangs verwendet man's gern falsch, und es zieht ungesund durch die nicht einstellbaren Ausströmer.

Konventioneller als Tesla: Der Seal hat noch Cockpit und Startknopf. Nettes Gimmick: Das Zentraldisplay lässt sich hochkant stellen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Fortschrittliches steht neben Entwicklungsfähigem: Das Format des Zentralschirms lässt sich ändern von quer auf hochkant, vorteilhaft bei Nord-Süd-Routen. Die Klimaanlage kann die Luft reinigen und ionisieren. Die Spracherkennung ist sehr verständig, kann Fenster, Klima und Reifendruck, nur die Distanz zur nächsten Wartung nicht. Insgesamt up to date und nur knapp unter Mercedes-Niveau!
Messwerte
Modell | BYD Seal Excellence AWD |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 1,8 s |
0–100 km/h | 4,0 s |
0–130 km/h | 6,3 s |
0–160 km/h | 9,8 s |
0–180 km/h | 13,1 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 1,9 s |
80–120 km/h | 2,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 2240/391 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 49/51 % |
Wendekreis links/rechts | 11,9/12,0 m |
Sitzhöhe | 550 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 35,6 m |
aus 100 km/h warm | 36,3 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 54 dB(A) |
bei 100 km/h | 59 dB(A) |
bei 130 km/h | 63 dB(A) |
bei 160 km/h | 66 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 14,0 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 21,9 kWh/100 km (+20 %) |
Sportverbrauch | 28,8 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 451 km |
Die Verkehrszeichenerkennung aber irrlichtert herum; oft differieren die Tempolimitangaben von Head-up- und Zentraldisplay. Das Mahngepiepe bei "Tempoüberschreitung" abzuschalten, erfordert vier Menüschritte. Auch der Spurhalteassistent lädt zum Abschalten ein, korrigiert er doch eckig an der Lenkung herum wie ein Fahranfänger. Der Zentralschirm birgt amüsante Übersetzungsblüten. Kostprobe: "Details finden Sie bitte dem Handbuch." Aber: Es liegt kein Handbuch bei.
Instrumente blenden stark
Das insgesamt erfreuliche Navi neigt dazu, ungebeten Autobahnen zu vermeiden. Auch die Ladeplanung ist nicht so hilfreich wie etwa bei Volvo. Sie ist teilmanuell, die Ladesäulensuche lässt sich aber filtern und ist brauchbar. Die Navigationskarte zeigt der Seal nur auf dem Zentralbildschirm an, nicht im Cockpit oder Head-up-Display. Leider spiegeln alle Oberflächen wie in älteren Koreanern: Unser Fotograf, der den BYD eigentlich mag, fluchte bei der Arbeit mehr als einmal.
Beim Fahrwerk gibt es nichts zu meckern
Die mechanische Hardware stimmt: Der Seal bremst gut und fast ohne Fading. In der Kurve drängt das Heck nach außen, bevor das tolerante ESP es sanft einfängt. Die Abstimmung bindet das Auto straff an den Asphalt, federt aber alles sauber aus – mit limousinentypisch kurzen Wegen.

Ausgewogen: Der Seal liegt straff auf der Straße, federt Unebenheiten aber sauber aus. Die Bremsen packen ordentlich zu.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Lange Wellen verarbeitet er bestens, schwingt nicht zu viel nach, schlägt nie durch und hält immer Bodenkontakt. Nur kurze Stöße bei Langsamfahrt reicht er etwas zu stark durch, rollt eher hölzern-steif ab. Die leichtgängige Lenkung wirkt wie bei vielen E-Autos etwas taub, lässt ihn aber handlich wirken.
Wertung
Modell | BYD Seal Excellence AWD |
|---|---|
Karosserie | Solider Eindruck, leidlich übersichtlich, viel Platz und Kniefreiheit vorn wie hinten. Wenig Zuladung. |
3,5/5 Punkten | |
Antrieb | Sehr starker Durchzug, aber fein dosierbar. Regelt bei 180 km/h ab. One-Pedal-Fahren fehlt. |
4/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Leistung satt. Handlich trotz 2,2 Tonnen, ESP lässt viel Heckschwung zu, regelt spät ein. |
4/5 Punkten | |
Connected Car | Nur Android Auto kabellos. Sprachsteuerung aufmerksam und schnell. Navi nur auf Zentralschirm. |
4/5 Punkten | |
Umwelt | Wie alle E-Autos lokal emissionsfrei, aber hohes Leergewicht (2240 kg). Kobaltfreie Batterie. |
4/5 Punkten | |
Komfort | Guter Grundkomfort, auf kurzen Wellen herb. Bedienung teils über Untermenüs. Assistenz ruppig. |
3,5/5 Punkten | |
Kosten | Angesichts der Leistung preiswert. Wiederverkauf ungewiss. Wartung jährlich, sechs Jahre Garantie. |
3/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 2- |
Auf unserer Rumpelstrecke knistert und knarzt nichts. Der Akku als strukturelles Element (Cell-to-Body – fortschrittlich!) schafft Steifigkeit. Auch dicke Türdichtungen und großflächig verkleidete Türrahmen zeugen von Sorgfalt. Nur vier Sekunden braucht er von null auf 100 km/h – realitätsverzerrend schnell, aber über den langen Pedalweg gut dosierbar. Bei 180 km/h regelt er weich ab.

Der hat Dampf: Tempo 100 erreicht der Seal bereits nach glatten vier Sekunden. Bei 180 km/h bremst die Elektronik den Vortrieb.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Einige Details: Die Türgriffe sehen nach Tesla aus, sind aber semimechanisch. Die Haube vorn lässt sich per Doppelzug am Hebel öffnen wie bei BMW, und die Öffnertaste des Kofferraumdeckels erinnert an den Taycan. Die Ladezeiten und die Ladeleistung (E-Auto laden: Das sollten Sie wissen) sind nur guter Durchschnitt. Allerdings bleibt Letztere hoch bis zum Schluss.
Preislich liegt BYD deutlich unter Tesla
Mit 53.668 Euro unterbietet der Seal AWD einen vergleichbaren Tesla preislich um etwa 16 Prozent – für eine Dumpingklage reicht das kaum. Die Hinterradantriebsversion mit 313 PS kommt 6000 Euro billiger und dürfte das Gros der Bestellungen ausmachen. Eine Unwägbarkeit bei den Kosten: Es gibt noch keine Versicherungstypklassen.
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