BYD Seal U (2024): China-E-SUV im Test
So wird der BYD Seal U zum ernsten Herausforderer für VW ID.4 & Co.
Kurz nachdem BYD gegen Tesla Model 3 und VW ID.7 den schmucken Seal ins Rennen geschickt hat, bekommt die Limousine jetzt einen praktischen SUV-Bruder. Erste Fahrt!
Bild: AUTO BILD
Im Wasser sind Seehunde zwar Einzelgänger, doch an Land kommen sie gerne in Gemeinschaft. Erst recht, bei BYD. Denn nur ein paar Monate, nachdem die Chinesen gegen Tesla Model 3 und VW ID.7 den schmucken Seal ins Rennen geschickt haben, bekommt der Seehund aus Shenzen jetzt einen praktischen Bruder und reitet noch im Februar als Seal U auf der SUV-Welle.
Und wo man sonst den vermeintlichen Mehrwert der geräumigeren Karosse meist teuer bezahlen muss, ist es bei den Chinesen anders herum: Während der Seal nach jüngsten Preissenkung bei 44.990 Euro startet, gibt's den Seal U schon für 3000 Euro weniger.
Allerdings gibt's dafür eben nicht nur eine neue Verpackung, die ähnlich schmuck und schnörkellos ist wie die der Limousine. Sondern auch die Technik ist eine andere: Der Seal U nutzt nämlich noch eine Mischplattform und kommt vor allem mit einem bescheideneren Antrieb.
Wo es in der Limousine bis zu 530 PS gibt, müssen hier die 218 PS des Frontmotors reichen. Und wo der flache Seal ziemlich knackig abgestimmt ist, als wolle er dem BMW i4 um die Ohren fahren, gibt sich das SUV sehr viel gemütlicher, fährt weniger engagiert und lässt das Band zwischen Fahrer und Fahrbahn spürbar schleifen. Macht nichts, der Seal U ist ja auch nicht so spritzig: Statt 3,8 leistet er sich im besten Fall 9,3 Sekunden von 0 auf 100, und Schluss ist bei 175 statt sonst immerhin bei 180 km/h.

Auch der Seal U folgt der "Ocean Aesthetics"-Linie und sieht deshalb besonders strömungsgünstig aus – wie ein Fisch, frisch aus dem Wasser.
Bild: BYD
Die Energie dafür liefern Batterien mit 72 oder 87 kWh, die im Normzyklus für solide 420 oder 500 Kilometer reichen (E-Auto-Reichweite: der große Vergleich). Nur an der Ladesäule machen die sonst so scharfen Blade-Zellen der Chinesen einen schlechten Schnitt: Denn Wechselstrom schlucken sie bis maximal 11 und Gleichstrom nur bis 140 kW. Da sind die Konkurrenten besser, und die Seal-Limousine mit immerhin 150 kW auch. (Schnellladen: So funktioniert die Technik)
BYD Seal U betont nobel
Kaum Unterschiede gibt es – natürlich außer beim Platz und vor allem beim mit 552 bis 1440 Litern riesigen Kofferraum – in der Kabine: Genau wie der Seal wirkt auch der Seal U deshalb betont nobel, fühlt sich überall fein und vornehm an und leistet sich – zum Beispiel um den Wählhebel fürs Getriebe – den gleichen Zierrat aus Bleikristall-Imitat wie BMW bei Siebener & Co. Dazu gibt es eine großflächige Ambientebeleuchtung in Türen sowie im teilweise transparenten Cockpit und ein wie so oft bei den Chinesen ziemlich verspieltes Infotainment mit einem drehbaren XXL-Tablet vor der Mittelkonsole samt Selfie-Kamera und Karaoke-Mikrofon.

Vornehme Materialien, große Displays und wie immer ein riesiges Tablet in der Mitte, das sich auf Knopfdruck um 90 Grad dreht – so schindet BYD bei uns mächtig Eindruck.
Bild: BYD
Ja, das SUV nutzt eine ältere Plattform, die nicht explizit für den E-Antrieb entwickelt wurde. Deshalb hat es auch einen kürzeren Radstand und entsprechend weniger Platz im Fond. Und einen Frunk sucht man beim SUV – anders als bei der Limousine – ebenfalls vergebens. Doch machen die Chinesen aus der Not eine Tugend und kontern die nachlassende Euphorie fürs Elektroauto mit ihrem ersten Plug-in-Hybrid für Europa.
Den gibt's wahrscheinlich für deutlich weniger Geld, dafür aber mit deutlich größerem Aktionsradius. In China bietet BYD den Teilzeitstromer mit 17- oder 31-kWh-Akku und 120 oder 200 Kilometern Reichweite an.

Riesiger Kofferraum: 552 bis 1440 Litern passen hier rein.
Bild: BYD
Erst die schnittige und sportliche Seal-Limousine, jetzt der praktische Seal U und bald der Seal Y als sportliche Speerspitze mit dicken Backen und qualmenden Reifen – so bringen die Chinesen Leben ins Elektrobecken und beweisen uns allen, dass ein Seehund tatsächlich selten allein kommt.
Technische Daten und Preis: BYD Seal U
- Motor Synchronmotor 3
- Leistung 160 kW (218 PS)
- max. Drehmoment 330 Nm
- Antrieb Frontantrieb
- L/B/H 4785/1890/1668 mm
- Leergewicht 2557 kg
- 0–100 km/h 9,3 s
- Topspeed 175 km/h
- Batterie 72/87 kWh
- Reichweite max. 500 km
- Preis ab 41.990 Euro
Fazit
Ja, es gibt elektrische SUV mit mehr Power und besserer Performance an der Ladesäule. Doch das Design ist cool, die Ausstattung üppig, der Akku groß und der Preis dafür fast schon bescheiden. So wird der Seal U zu einem harten Herausforderer für Autos wie den VW ID.4 oder den Tesla Model Y. Und dass sich Zauderer damit bald im Plug-in-Hybrid an die elektrische Zukunft herantasten können, macht den Platzhirschen das Leben sicher nicht leichter.
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