Cabriofahren im Winter
Darauf sollten Sie bei Kälte, Schnee und Eis beim Cabriofahren achten

Cabriofahren funktioniert auch im Winter. Doch Frost, Schnee und Streusalz können Verdeck und Mechanik zusetzen. AUTO BILD verrät, wann das Dach besser geschlossen bleibt und wie Sie Ihr Cabrio richtig durch die kalte Jahreszeit bringen.
Bild: Angelika Emmerling
Cabrio nur im Sommer? Von wegen. Dicke Jacke, Sitzheizung an, Mütze auf und Dach runter: Eine Ausfahrt im Cabrio kann auch im Winter Spaß machen. Gerade an sonnigen, trockenen Tagen lässt sich offen fahren, ohne zu frieren. Moderne Cabrios halten den Innenraum mit Heizung, Sitzheizung, Windschott und teilweise sogar Nackenheizung erstaunlich warm.
Doch bevor das Verdeck bei Minusgraden im Kasten verschwindet, sollten Cabriofahrer ein paar Dinge beachten. Denn was dem Fahrer Spaß macht, kann Dach, Dichtungen und Mechanik im ungünstigsten Fall ziemlich strapazieren.
Verdeck bei Frost besser geschlossen lassen
Besondere Vorsicht ist bei Cabrios mit Stoffverdeck angesagt. Bei sehr niedrigen Temperaturen wird das Verdeckmaterial steifer. Auch Kunststoffscheiben, wie sie vor allem bei älteren Cabrios zu finden sind, können bei Kälte spröde werden. Durch das Falten beim Öffnen steigt dann das Risiko für Knicke oder sogar Risse.
Deshalb gilt: Ist das Verdeck durchgefroren, mit Schnee bedeckt oder vereist, bleibt es geschlossen. Erst Schnee und Eis entfernen und das Fahrzeug beziehungsweise Verdeck ausreichend erwärmen lassen. Auch die Bedienungsanleitung kann Temperaturgrenzen oder besondere Hinweise für den Verdeckbetrieb nennen.
Abläufe kontrollieren
Dieser Punkt wird gern vergessen: Cabrios besitzen Wasserabläufe, über die Regenwasser aus dem Bereich von Verdeck und Karosserie abgeleitet wird. Laub, Schmutz und andere Ablagerungen können diese Kanäle zusetzen.

Abläufe reinigen: Sind sie verstopft, wird das Cabrio im schlimmsten Fall zum Schwimmbecken.
Bild: Berndt Andresen
Dann sucht sich das Wasser einen anderen Weg. Im schlimmsten Fall landet es im Innenraum oder Kofferraum und verursacht dort Feuchtigkeit, beschlagene Scheiben, Korrosion oder Probleme mit elektrischen Bauteilen.
Deshalb Abläufe gerade im Herbst und Winter regelmäßig kontrollieren und nach Herstellervorgabe reinigen. Nicht wahllos mit Draht oder Schraubendreher darin herumstochern, denn dabei können Ablaufschläuche beschädigt oder gelöst werden.
Dichtungen brauchen Pflege
Feuchtigkeit und Frost setzen auch den zahlreichen Dichtungen rund um Türen, Seitenscheiben und Verdeck zu. Frieren Scheiben oder Dichtungen aneinander fest, sollte man weder gewaltsam an der Tür ziehen noch elektrische Fensterheber immer wieder betätigen.

Gelenke schmieren: Das Schmiermittel verdrängt zusätzlich Feuchtigkeit und verringert so die Gefahr des Einfrierens.
Bild: Berndt Andresen
Vorbeugen lässt sich mit regelmäßiger Reinigung und einem geeigneten Gummipflegemittel. Besonders wichtig ist das bei Cabrios mit rahmenlosen Seitenscheiben, die beim Öffnen der Tür automatisch ein kleines Stück herunterfahren.
Stoffverdeck regelmäßig reinigen
Im Winter landen nicht nur Regen und Schnee auf dem Dach. Straßenschmutz und Salz können dem gesamten Fahrzeug zusetzen. Ein Stoffverdeck sollte deshalb regelmäßig gereinigt werden.
Dabei unbedingt auf die Materialverträglichkeit der Reiniger achten. Grober Schmutz lässt sich vorsichtig abbürsten, für eine gründliche Reinigung gibt es spezielle Cabrioverdeck-Reiniger. Je nach Verdeckmaterial und Herstellervorgabe kann anschließend eine Imprägnierung sinnvoll sein.

Imprägnieren schützt vor Schmutz. Für die Dichtigkeit moderner Cabrioverdecke ist es dagegen nicht nötig.
Bild: Berndt Andresen
Wichtig: Ein Stoffverdeck nicht nass zusammenfalten und anschließend über längere Zeit geöffnet lassen. Feuchtigkeit im zusammengelegten Dach kann Flecken, Stockbildung und unangenehme Gerüche begünstigen.
Streusalz ist der größere Gegner
Für die Karosserie macht es grundsätzlich keinen Unterschied, ob über ihr ein Stoffdach oder ein Blechdach sitzt. Problematisch ist vielmehr das Salz auf winterlichen Straßen.
Streusalz und Feuchtigkeit fördern Korrosion, vor allem an bereits vorgeschädigten Stellen. Eine regelmäßige Fahrzeugwäsche inklusive Radkästen und Unterboden ist deshalb auch beim Cabrio sinnvoll. Nach dem Winter lohnt sich ein genauer Blick auf Unterboden, Fahrwerk und Bremsen.
Waschanlage: Darf ein Cabrio hinein?
Grundsätzlich können viele moderne Cabrios durch eine Waschanlage fahren. Entscheidend sind allerdings die Vorgaben des Fahrzeugherstellers. Vor allem bei älteren Stoffverdecken ist eine schonende Waschanlage ratsam.

Moderne Cabrios dürfen in die Waschstraße. Schonender fürs Verdeck bleibt aber die Handwäsche.
Bild: Berndt Andresen
Besondere Vorsicht gilt bei Hochdruckreinigern. Den Wasserstrahl nicht aus kurzer Distanz auf Dichtungen, Nähte oder Übergänge des Verdecks richten. Wasser kann sonst mit hohem Druck an Stellen gelangen, an denen es normalerweise nicht eindringen würde.
Schnee muss vom Dach
Grundsätzlich gilt: Das Auto sollte vor Fahrtbeginn immer vom Schnee befreit werden. Denn beim Bremsen kann Schnee vom Dach nach vorne auf die Windschutzscheibe rutschen und so dem Fahrer plötzlich die Sicht nehmen. Aber auch während der Fahrt können hinterherfahrende Verkehrsteilnehmer durch herabrutschende Eisplatte gefährden werden.
Beim Cabrio-Stoffdach ist zusätzlich Fingerspitzengefühl gefragt. Festgefrorenen Schnee oder Eis nicht gewaltsam abkratzen. Eiskratzer und harte Bürsten können Stoff, Beschichtung oder Kunststoffscheiben beschädigen. Besser ist ein weicher Handfeger beziehungsweise eine geeignete Bürste.
Winterreifen gelten natürlich auch fürs Cabrio
Das offene Dach ändert nichts an den Regeln für die Bereifung. In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte müssen geeignete Winterreifen montiert sein. Entscheidend ist das Alpine-Symbol mit Bergpiktogramm und Schneeflocke auf der Reifenflanke.
Gerade bei leistungsstarken Hecktrieblern sollte man das Thema nicht unterschätzen. Breite Sommerreifen und niedrige Temperaturen sind keine gute Kombination.
Kann man im Winter wirklich offen fahren?
Ja und gerade bei trockener Kälte kann das erstaunlich angenehm sein. Ein Windschott reduziert Luftverwirbelungen erheblich, Sitz- und Lenkradheizung sorgen für zusätzliche Wärme. Einige Modelle bieten außerdem Warmluftsysteme im Bereich der Kopfstützen.
Ein praktischer Trick: Erst den Innenraum bei geschlossenem Dach aufwärmen, dann das Verdeck öffnen. So startet die Wintertour deutlich angenehmer.
Bei Schneefall, Eisregen oder nassen Straßen ist das geschlossene Verdeck die vernünftigere Wahl. Und natürlich sollte ein möglicherweise festgefrorenes Dach niemals mit Gewalt geöffnet werden.
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Fazit
Ein Cabrio muss im Winter nicht in der Garage verschwinden. An trockenen Tagen macht eine offene Ausfahrt sogar bei niedrigen Temperaturen Spaß. Entscheidend ist allerdings ein bisschen Rücksicht auf die Technik: Ein vereistes oder durchgefrorenes Verdeck bleibt zu, Dichtungen und Wasserabläufe brauchen Pflege, und Streusalz sollte regelmäßig abgewaschen werden. Dann steht dem Cabrio-Winter nichts im Weg.
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