California Concept: VW-Designer über den neuen Bulli
"Der California ist neu erdacht!"

Am bekanntesten Camper der Welt etwas verändern? Eine Mammutaufgabe. Aber eine tolle, sagt Designer Albert-Johann Kirzinger im Gespräch mit AUTO BILD.
Bild: Friso Gentsch
Einfach mal alles anders machen. Gewohntes, sogar Liebgewonnenes hinterfragen. Mit Traditionen brechen. Hört sich unbequem an? Okay, wie wär's dann damit: in jede ungewöhnliche Ecke denken. Neue Ideen umsetzen. Aus dem Gegebenen das Optimum rausholen. Klingt schon besser? Tja, es ist wohl eine Mischung aus all dem (und noch mehr), was den Arbeitsalltag von Fahrzeugdesignern bestimmt.
Keineswegs stehen sie von allen Zwängen befreit an ihren Zeichenbrettern und skizzieren nur Traumautos. Nein, sie müssen im Zusammenspiel mit vielen anderen Gewerken Lösungen entwickeln, die sich rentabel fertigen lassen, Kundenerwartungen erfüllen, sicher sind, auch Begierde wecken. Und das alles am besten besonders nachhaltig.
Ortstermin in einem Designstudio von VW. Wir sind verabredet mit Albert-Johann Kirzinger, Leiter Design bei VW Nutzfahrzeuge. Er ist einer derjenigen, die beim Gestalten der mobilen Zukunft so viel bedenken müssen. Vor uns wartet der VW California Concept. Ein Camper, der, wenn er in Serie geht, sehr große Fußstapfen zu füllen hat. Im Sommer 2023 wurde er auf dem Caravan Salon präsentiert – und erntete nicht nur Beifall.

Neues Raumgefühl dank Schiebetüren auf beiden Seiten.
Bild: Friso Gentsch
Zu klein sei er im Vergleich zum T6.1 California, dessen Basis der kastige Transporter war, sagen Gusseiserne. "Keine Sorge", sagt Kirzinger, "das Raumangebot bleibt nahezu gleich. Der California ist neu erdacht – wir haben alles auf den Kopf gestellt, um den Innenraum noch variabler zu machen und den gebotenen Platz optimal zu nutzen. Deshalb gibt es beispielsweise jetzt Einzelsitze statt der sperrigen Bank im T6.1."

Fächer für Gewürze und Besteck befinden sich unterhalb des Kochfelds.
Bild: Friso Gentsch
VW California Concept: Einzelsitze statt Bank
In der Tat lassen sich die – deutlich bequemeren – Sitze leicht entnehmen, verschieben und verstellen. Kirzinger: "Da ist Magnesium drin, deswegen wiegen die nur noch gut 20 Kilo. Sechs Stück passen rein, und weil sie sich versetzt positionieren lassen, ist man mit der ganzen Familie sehr bequem unterwegs. Hab ich im Sommer selbst ausprobiert." Wer viel zu transportieren hat, der kann zudem nach wie vor die Bettverlängerung im Kofferraum ausbauen. Fest installiert bleibt der Möbelblock. Er macht sich schlank und lässt eine ordentliche Lücke zum Fahrersitz.
So ergibt auch die serienmäßige zweite Schiebetür Sinn. "Wir haben hier neben der besseren Alltagstauglichkeit das Konzept einer Sommerküche verfolgt. Bei der verschwinden auch die Grenzen zwischen drinnen und draußen" erklärt Kirzinger. "Dadurch, dass wir jetzt eine Kühlschublade haben und den ausziehbaren Herd, lässt sich alles von beiden Seiten nutzen. Auch die Spüle."

Auf Schränke verzichtet auch die Neuauflage des Klassikers natürlich nicht.
Bild: Friso Gentsch
Drinnen wie draußen ist zudem ein Thema beim Farbkonzept. Die Zweifarbenlackierung spiegelt sich vom Cockpit bis ins Heck nämlich an den Verkleidungen: "Dunkle Flächen unten und helle oben vergrößern den Raum optisch. Dementsprechend haben wir auch die LED-Beleuchtung positioniert. Deren Farbe lässt sich zudem je nach Vorliebe übers Tablet ändern. Und auch übers Multimediasystem im Cockpit und eine Smartphone-App", ergänzt Kirzinger. Das gelte für sämtliche digitalen Bordtechnikfunktionen – auch daran sehe man, dass der California von Anfang an beim Multivan mitkonzipiert wurde.
Airbags trotz Schränken, Verkleidungen und Verdunklungen
Dieses Basisfahrzeug fußt auf dem Modularen Querbaukasten (aktuell quer eingebauter Verbrennungsmotor und Hybrid). Zahlreiche Pkw aus dem VW-Universum bedienen sich dieser Plattform. Vorteilhaft ist dabei vor allem das sehr hohe Sicherheitsniveau. So holte der Multivan beim Euro-NCAP-Crashtest fünf Sterne, und auch beim California Concept sollen beispielsweise alle Airbags trotz Schränken, Verkleidungen und Verdunkelungen genauso funktionieren.
"Wir haben als Konzern natürlich bei Freizeitfahrzeugen dieselben Erwartungen zu erfüllen wie bei reinen Pkw. Da ist es für uns selbstverständlich, dass das Sicherheitsniveau gehalten wird und dass alle Bauteile die nötige Stabilität besitzen, ob Schrank oder Sitz", erläutert Kirzinger.

Einzelsitze statt Rückbank: Der California Concept hat Neuerungen im Gepäck.
Bild: Friso Gentsch
Und außerdem sei ja da noch die Umweltfreundlichkeit. Nicht unerheblich für Nutzer, die mit ihren Campern viel Zeit in der Natur verbringen wollen. "Bei den Freizeitfahrzeugen haben wir mit dem California Concept die Benchmark gesetzt", freut sich der Designer. "Er hat eine genauso effiziente Aerodynamik wie der Serien-Multivan. Das betrifft auch die Stirnfläche, trotz des Aufstelldachs. Diesen Ausgleich haben wir beispielsweise durch die Länge erreicht, die mit der zusätzlichen Abrisskante über der Heckscheibe maximiert wird. Aber auch durch die Ausformung der Dachschale. Sie leitet den Fahrtwind widerstandsarm bis hinters Fahrzeug."
Dazu kommen noch unzählige Details an nahezu allen Karosserieteilen. Sogar an den Rückleuchten helfen kleine Senken im Zusammenspiel mit erhabenen Flächen und Stegen, den Energieverbrauch zu reduzieren. "Auf unserer Tour im Sommer haben wir mit dem Plug-in-Hybrid nur 4,1 Liter verbraucht. Voll beladen und nicht im Schleichtempo", resümiert Kirzinger zufrieden.

Auch mit Weitsicht dank Panoramafenster im Aufstelldach kann der neue Bulli punkten.
Bild: Friso Gentsch
Und was ist mit der reinen Formgestaltung? Hatte das Designteam trotz aller Anforderungen an Effizienz und Sicherheit noch Raum für Spaß? "Ich denke, das sieht man auf den ersten Blick", antwortet Kirzinger. "Wir wollten ein freundliches Design schaffen, eines, das Partnerschaftlichkeit ausstrahlt. Der California Concept bringt das mit seinem Lächeln an der Front sehr gut rüber. Und innen findet man sich dank der einfachen Bedienung sofort zurecht. So ist er sehr nahbar geworden. Und das soll er ja auch sein, egal ob im Alltag, auf Reisen, mit der Familie oder im Berufsmodus."
Klingt verlockend. Wir sind nach diesem Blick hinter die Kulissen noch gespannter, wie der Serien-Cali wird.
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