Campervan Antilope Van Flex 5 Millenium im Test
Frankreichs Antwort auf den Bulli?

Bild: Stefan Rogge Fotografie
Es gibt nicht eine Bretagne, es gibt viele Bretagnen. So oder so ähnlich heißt es in den bretonischen Erfolgskrimis von Jean-Luc Bannalec. Seit wenigen Jahren gibt es nun auch eine Bretagne, in der Campervans gebaut werden – und das ziemlich erfolgreich. So hat sich das Unternehmen Antilope Van aus Saint-Brieuc nordwestlich von Rennes binnen kürzester Zeit zum französischen Marktführer im Bereich Campervans entwickelt.
Nach dem Start im Jahr 2022 und einem kometenhaften Aufstieg gibt es die Renault-Trafic-Vans mit Aufstelldach seit Anfang dieses Jahres nun auch in Deutschland. Das Geheimnis ihres Erfolges sieht Deutschland-Geschäftsführer Christian Gudorf in der Vollausstattung der Fahrzeuge.

Das Besondere an den französischen Campervans ist die Vollausstattung. Beim Fünfsitzer gibt es zum Beispiel auch fünf Campingstühle dazu.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
"Bei uns gibt es nur zwei Optionen: die Lackierung und die Frage, ob Schalt- oder Automatikgetriebe." Dadurch gibt es bei Antilope Van zwar keine Rabatte, aber auch keine versteckten Kosten, betont der Chef der deutschen Niederlassung in Erftstadt bei Köln.
Das ist der Antilope Van Flex 5 Millenium
Ein klassischer Campervan auf Renault-Trafic-Basis mit Aufstelldach. Kunden haben im Grunde genommen die Wahl zwischen zwei verschiedenen Grundrissen: dem Flex 5 für bis zu fünf Reisende und dem Flex Plus für bis zu vier Personen. Wobei dieses Modell campingtechnisch für zwei Personen ausgelegt ist, weil die beiden zusätzlichen Sitzplätze im Raum den Ausbau des unteren Bettes blockieren.

Die Dreiersitzbank ergibt umgeklappt ein 1,20 Meter breites und 1,90 Meter langes Bett. Der Tisch ist während der Fahrt in der Heckklappe untergebracht.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Testen durften wir den Flex 5 in der Millenium-Sonderedition, die zur Feier des 1000. Vans, der die bretonische Produktionshalle verlassen hat, in "Silber-Metallic" herausgebracht wurde.
Von A wie Anhängerkupplung bis Z wie (Heck-)Zelt ist alles dabei! So gibt es unter anderem einen Fahrradträger, eine Solaranlage und App-Steuerung der Elektronik genauso dazu wie einen Tisch, bis zu fünf Stühle, einen Regenschirm, eine Taschenlampe am Heck, eine Außendusche und sogar ein Porta Potti. Hinzu kommen hochwertige Ausbaupartner wie SCA, die das Aufstelldach stellen, oder Froli, die mit Tellerfedern und Matratzen für Schlafkomfort sorgen.

Für erholsame Nächte sorgt ein zusätzlicher Topper auf der gepolsterten Rücksitzbank. So geht Komfort, sehr schön!
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Zu den Basics gehören außerdem ein Zweiflammen-Gaskocher, Spüle mit 65-Liter-Frischwassertank und ein Kompressorkühlschrank mit 42 Liter Fassungsvermögen. Für kalte Nächte gibt es eine Webasto-Standheizung, für ausreichend Energie sorgt die 100-Ah-Lithium-Batterie. Smartphone und Tablet können über mehrere USB- und USB-C-Steckdosen geladen werden.
Fahrzeugdaten | Antilope Van Flex 5 Millenium |
|---|---|
Motorisierung | Blue dCi 150 |
Leistung | 110 kW (150 PS) bei 3500/min |
Hubraum | 1997 cm3 |
Drehmoment | 350 Nm bei 1500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 178 km/h |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang/Vorderrad |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 80 l/Diesel + 24 l AdBlue |
Länge/Breite/Höhe | 5080/1956/2000 mm |
Radstand/Bereifung | 3098 mm/215/65 R 16 |
Masse fahrbereit/Zuladung ca. | 2570/440 kg |
Anhängelast (gebremst/ ungebremst) | 2500/750 kg |
Grundpreis/Testwagenpreis | 61.900 Euro / 64.900 Euro |
Das gesamte Interieur wirkt robust, an der ein oder anderen Stelle aber auch etwas improvisiert. Der Fokus liegt bei Antilope Van definitiv auf der Nachtruhe. So fallen zum einen die Maße der beiden Liegeflächen positiv auf: unten 1,20 Meter und oben sogar 1,30 Meter in der Breite. Zum anderen kann der Klappmechanismus der gepolsterten Dreierrücksitzbank vollends überzeugen. Der zusätzliche Froli-Topper verstärkt den guten Eindruck in Bezug auf den Schlafkomfort.
Eine Markise gibt es zwar nicht, dafür stellen die Bretonen aber Heckzelt und Tarp zur Verfügung. Auch hier entsteht im Vergleich zu den deutschen Campervan-Klassikern ein etwas improvisierter Eindruck.

Die 150 PS sind ausreichend, das Automatikgetriebe des Testwagens kostet knapp 2000 Euro extra.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Punkten kann der Trafic als Basisauto hingegen mit seinen großzügigen Maßen. In Zeiten, in denen viele Campervans schmaler werden, worunter der Komfort leidet, ist der Renault eine willkommene Abwechslung. Cool ist auch die eigens entwickelte App zur Steuerung von Licht und Überwachung der Füllstände.
So fährt der Antilope Van
Die Variante mit dem Automatikgetriebe fährt sich äußerst komfortabel. Kostet allerdings auch 2000 Euro extra. Die 150 PS gibt's standardmäßig, sie sorgen für ausreichend Beschleunigung und Power auf der Autobahn. Da muss sich der Renault Trafic nicht verstecken und kann mit den restlichen Konkurrenten am Markt mithalten. Wer Alufelgen und Metalliclackierung haben möchte, muss noch einmal 2000 Euro auf den Tisch legen.
Andernfalls gibt's das afrikanische Savannentier in Standard-Weiß mit Stahlfelgen samt Radkappen. Das war es dann aber auch mit Zusatzoptionen und Kosten. Ein interessantes Konzept, welches auf Hersteller- und Kundenseite sicherlich für Entspannung sorgen kann. Wer das Fahrzeug allerdings passgenau auf die eigenen Bedürfnisse ausrichten will, muss in der Campervan-Welt weiter auf Safari gehen.
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