Camping auf Koreanisch: Schlafen im SUV
Eine Nacht im Hyundai Santa Fe

Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Es ist noch früh im Jahr, und in Korea ist es kalt. Doch auf den Inseln rund um Incheon ist bereits reichlich was los. Zwar noch nicht so sehr in den endlos vielen coolen Cafés und Bäckereien, die deutsche Provinzstädte zur kulinarischen Diaspora stempeln, Starbucks alt aussehen lassen und jeder französischen Patisserie die Schau stehlen. Aber am Rand der Uferstraßen, auf Parkplätzen und an Hafenmolen sieht man immer wieder Singles und Pärchen, die es sich in ihren Autos bequem gemacht haben.
Und als früh am Abend die Dunkelheit hereinbricht und sich die Temperatur so langsam dem Nullpunkt nähert, denken sie nicht im Traum daran, zurück in ihre Apartments in die schmucklosen Hochhaussiedlungen zu fahren, die Städte wie Seoul oder Busan umschließen wie Wälder aus Beton. Die Koreaner sind unter die Camper gegangen – und verbringen so viel Zeit wie möglich außer Haus.
Korea: Chabak statt Campingplatz
Allerdings hat der neue Camping-Trend, der wie so vieles während der Corona-Pandemie geboren wurde, wenig zu tun mit dem, was wir aus Iserlohn, Berchtesgaden oder Putbus kennen. Zwar gibt es in dem Land, das flächenmäßig nur wenig größer als Bayern ist, stolze 22 Nationalparks und eine gewachsene Outdoor-Kultur – doch für ihre jüngste Leidenschaft brauchen die Koreaner weder Zelt noch Wohnwagen.

Wer keinen Wohnwagen hat oder nicht mal eine Anhängerkupplung, der findet überall Campingplätze, auf denen die Trailer schon bereitstehen.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Sie schlafen einfach im Auto. Das ist mittlerweile so populär, dass sich das Kunstwort Chabak – aus "cha" (Auto) und "bak" (Übernachtung) – im Sprachschatz etabliert hat und die Google-Suchen danach in den letzten Jahren um über 700 Prozent gestiegen sind. "Chabak lässt Mobilität und Naturerlebnis verschmelzen und bietet eine einzigartige und bequeme Möglichkeit, der Hektik des Alltags zu entkommen", sagen die Trendforscher in Seoul.
Hersteller reagieren auf den Trend
Dieser Trend ist längst auch bei den Autoherstellern angekommen: Schon beim Design großer SUV wie Santa Fe, EV9 oder Ioniq 9 haben Hyundai und Kia die Wünsche der Chabak-Fans berücksichtigt. Große, flache Kofferraumböden, Vehicle-to-Load-Funktionen für Lampen und Kocher, Schalter für Licht und Klima auch vom Schlafsack aus – alles dem neuen Lebensstil angepasst.

Auch Offroad ist möglich, denn der Santa Fe hat Allrad, und ein paar Feldwege gibt es noch. Man darf sich halt nur nicht erwischen lassen.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Und was es nicht ab Werk gibt, liefern zahlreiche Zubehöranbieter: maßgeschneiderte Matratzen, mobile Küchen, LED-Öllampen, USB-Lichterketten oder multifunktionale Klapptische für den Kofferraum. Selbst winzige Modelle wie der Hyundai Inster werden so zum Mini-Wohnmobil.
Vom Seniorenhobby zum Jugendtrend
Und so wie ich jetzt im neuen Santa Fe auf meinem federweichen Heckbett liege, die romantische Lichterkette flackert, der Espresso köchelt und die Standheizung die Minustemperaturen draußen vergessen lässt, so genießen immer mehr Koreaner das neue Freiheitsgefühl.

Am Strand vor Seoul wird aus dem Fahrzeug ein Stehzeug, und der Tag verliert merklich an Tempo.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Früher war Camping in Korea ein Hobby für rüstige Rentner. Doch spätestens seit der Pandemie sind Familien und vor allem junge Leute auf den Geschmack gekommen. Sie schätzen den spontanen Ausflug – in Korea "Dangilchigi" genannt – ohne große Vorbereitung.
Dass dabei offene Feuer am Straßenrand nicht erlaubt sind, stört die Community wenig: In der Nähe von Seoul gibt es spezielle BBQ-Camps, mit Grillplätzen und Übernachtungsmöglichkeiten. Auch sanitäre Anlagen sind überall im Land pieksauber vorhanden – da können sich europäische Raststätten eine Scheibe abschneiden.
Allerdings haben Behörden inzwischen Regeln verschärft: Ein "Parking Lot Law" verbietet Campen, Kochen und Lagerfeuer auf öffentlichen Parkplätzen – Verstöße kosten bis zu 500.000 Won Strafe.
"Wir kennen unsere Spots"
Doch Camper wie Jeong Jeonginlee lassen sich davon nicht abschrecken. "Wir kennen unsere Spots", sagt die ältere Dame und beißt in ihr Abendbrot auf der Pritsche ihres Pick-ups. "Und wenn sie uns wegschicken, fahren wir eben weiter."

"Raus aus der Stadt, rein ins Leben. Der Traum vieler Koreaner hat zu einer ganz neuen Form des Reisens geführt." Thomas Geiger, freier Autor
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Zurück ins Hochhaus wollen sie erst, wenn es sein muss. "Wir müssen nichts aufbauen oder abbauen – einfach Motor an, wegfahren, fertig."
So einfach ist Camping in Korea geworden – mit einem Auto, ein bisschen Zubehör und jeder Menge Abenteuerlust.
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