Citroën REVOLTe/VW E-Up!/Trabant nT
Die neuen Volks-Wagen

Als Deutschland noch geteilt war, hießen unser Volks-Wagen Käfer, Trabant und Ente. Jetzt wollen drei Stars der IAA 2009 an diese Legenden anknüpfen. Reißen VW E-Up!, Trabant nT und Citroën REVOLTe wieder Mauern ein?
Als der Frühnebel sich verzieht, nehmen die drei Kandidaten Konturen an. Eine bunte Bande, lila, gelb, hellblau. Ein Trio, das vieles gemeinsam hat: Elektroantrieb unter der Haube, Solarzellen auf dem Dach, das moderne, fast klinische Interieur des 21. Jahrhunderts. Was sie aber wirklich vereint, sind die Legenden, denen sie nacheifern. Käfer, Trabbi, Ente – die automobilen Volkshelden des 20. Jahrhunderts. Geht das heutzutage überhaupt noch? Ein Modell, das die Massen bewegt in einer Welt, in der sich jeder von der Masse abheben will? Alle drei – VW E-up!, Trabant nT, Citroën REVOLTe – rufen: Wir sind das Volk! Aber wer hat wirklich das Zeug zum Volks-Wagen von morgen?
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Bild: Dieter Rebmann
Der VW E-up! macht den serienreifsten Eindruck der drei IAA-Studien

Bild: Dieter Rebmann
Denn da ist ja noch der Citroën REVOLTe, die Edel-Ente aus Paris. Motorhaube in 2CV-Optik, Heckklappe, Grillumrandung und Heckleuchten ebenso. Luxus ist das Thema dieser Elektro-Studie, die mal als Plug-in-Hybrid verkauft werden soll. Ist Luxus dem Volk zu verkaufen? Auch wenn die Krise mal ein Ende haben wird? Eine "Antithese zur Ente" soll der REVOLTe sein: breit und flach statt schmal und hoch. Man könnte auch sagen: eine alte Ente, auf die sich ein Elefant gesetzt hat. War der Citroën 2 CV noch puritanisch, so zeigt sich der Enten-Enkel jetzt verschwenderisch – inklusive roten Plüschs im Fond. Da kann sich das Volk herrlich lümmeln, solange das Volk auf Liliput lebt und sich dort hinten nicht anzuschnallen braucht. Der Schalensitz soll zeigen, wie ein Elektroauto beschleunigt, weil das Drehmoment sofort verfügbar ist. Aber Volks-Wagen haben keine Schalensitze und auch kein ledernes Rollverdeck. Citroën nimmt hier absichtlich sein ehemals nacktes Federvieh auf die Schippe. Irgendwie wirkt der REVOLTe wie eines dieser verrückten Kleider, das einen Abend lang von einem mageren Supermodel auf dem Pariser Laufsteg getragen wird – und dann nie wieder. Aber stellen Sie sich mal vor, die aufgetakelte Studie käme in ein paar Jahren im schlichten Alltagsanzug daher – spätestens dann würden wir doch alle wieder auf die Ente fliegen, oder!?
Fazit
Wer im 21. Jahrhundert ein echter Volks-Wagen sein will, muss mehr bieten als die optische Erinnerung an einen alten Klassiker gepaart mit moderner Technik. Wagen, die das Volk millionenfach liebte, hatten immer etwas Zeitloses. Mit der Mode zu gehen wie der REVOLTe ist da ebenso der falsche Weg wie der Versuch, automobile Ostalgie verkaufen zu wollen. Nur der VW up will und kann eine neue Volksbewegung auslösen. Aber das wird in Zeiten der Globalisierung viel schwerer als vor 60 Jahren. Das Volk hat die Wahl, überall, auch in Indien und China. Das entscheidet heute über den Erfolg.
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