Die Sonne scheint mild auf den Asphalt im Contidrom bei Hannover. Ich sitze am Steuer eines VW Passat CC, der mit Tempo 60 über die Teststrecke von Continental in der Lüneburger Heide fährt. "Geben Sie ruhig etwas mehr Gas", ermuntert mich Thomas Lingenau von der Rückbank aus, "das Auto hat die Strecke im Griff." Ich drehe mich zu ihm um, der Ingenieur des Zulieferers Continental zeigt mir eine Skizze. Während ich die Hände vom Lenkrad nehme, fährt das Auto wie von Geisterhand gesteuert weiter.

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Lingenau zählt derweil die Extras auf, die in diesem VW stecken: eine Stereokamera hinter dem Innenspiegel, vier Minikameras vorn, hinten und an den Seiten, Nahbereichsradar in den Stoßfängern hinten und vorn, dazu ein Fernbereichsradar im Kühlergrill sowie ein sehr schnelles Bremssystem. So viel Technik beruhigt. Aber aus lauter Gewohnheit schaue ich trotzdem wieder nach vorn. Ich will wissen, wohin die Reise geht. Gut so, denke ich, denn die Straße macht eine leichte Kurve. Noch bevor ich ans Lenkrad greifen kann, dreht es sich leicht nach links, und der Wagen folgt wie von selbst dem Bogen. Dabei orientiert sich der VW Passat CC nur an den weißen Linien auf dem Asphalt. Dann wird er plötzlich langsamer. Ist etwas kaputt oder der Tank leer? Nein, das Geisterauto bremst. Denn die Kamera hat ein Tempo-30-Schild vor einer Baustelle erkannt, die nur mit Baken markiert ist. Der VW fährt langsam auf die Gasse zu. Wieder will ich eingreifen. "Lassen Sie den Wagen machen", heißt es von hinten. Und wirklich: Das Auto hält Spur, fährt langsam durch die kurvige Gasse. Nur die Kamera weist den Weg.

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Am Ende der Baustelle taucht dann auch noch ein zweites Auto auf. Ich will bremsen, doch das Radar des VW Passat CC hat es längst erfasst, wir folgen dem Wagen vor uns. Auch als er langsamer wird und anhält, macht mein VW es ihm fast schon lässig nach. Ich fahre nicht. Ich werde gefahren. Sieht so die Auto-Zukunft aus? Ja, und die kommt schon sehr bald. 2020, wenn die rechtlichen Grundlagen geschaffen sind, wird diese Technik in den Aufpreislisten auftauchen.

Fazit

Automatisiertes Fahren wird uns alle im Stau entlasten. Die Autos meistern selbst Kurven und Baustellen. Das ist unheim­lich, macht aber Spaß. Ich freue mich darauf!