Kindersicherheit im Auto: Crashtest

Kindersitze: falsche Bedienung

Sieben Fehler bei der Kindersicherung

Eine aktuelle Studie zeigt: Fast jedes zweite Kind ist im Auto falsch gesichert. Das kann in schlimmen Fällen zu schweren Verletzungen führen. Die sieben häufigsten Fehler bei der Kindersicherung!
Im Jahr 2017 verunglückten in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts 10.965 Kinder als Mitfahrer im Pkw. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat in einer Studie mit 1042 befragten Personen in den Großräumen Berlin und München (Zeitraum Juli 2016 bis September 2017) herausgefunden: Fast die Hälfte aller Kinder im Auto war nicht richtig gesichtert! In 48 Prozent der Fälle stellten die Unfallforscher einen "Fehlgebrauch" des Kindersitzes fest.

Falsche Gurtführung ist häufigster Fehler

Die häufigsten Fehler werden demnach bei der Führung des Gurtes gemacht. Dieser werde entweder nicht durch die vorgeschriebenen Öffnungen geführt oder nicht straff genug angezogen. Besonders die Verwendung von Sitzen für Säuglinge (Klasse 0/0+) und Kleinkinder (Klasse 1) bereitet vielen Eltern Probleme. Bei den Babyschalen werden etwa häufig Becken- und Schultergurt vertauscht. Wie gravierend die Folgen einer falsche Sicherung von Kindern bei einem Unfall sein können, hat die UDV mit einem Crashtest demonstriert: Sitzen die Gurte nicht richtig, können sie einfach abgestreift werden. Die Folge: Der Kopf schlägt bei einem Aufprall hart gegen den Vordersitz.

Crashtest: Sieben Fehler bei der Kindersicherung

Video: Crashtest Kindersicherheit (2015)

Lauernde Gefahr für Kinder

AUTO TEST hat bereits im Sommer 2015 exklusiv mit der Dekra die sieben häufigsten Bedienfehler bei Kindersitzen sowie Mängel bei der Sicherung der Kleinen simuliert. Dabei wurden alle Tests als Frontalaufprall mit 50 km/h in Anlehnung an die Norm ECE R44 durchgeführt. Neben der Auswertung der von den Dummys erfassten Sensordaten wurden die Crashszenarien von einer Ärztin für Kinderchirurgie aus medizinischer Sicht beurteilt. Dabei konnten sieben gravierende Fehler entlarvt werden:
Kind auf dem Schoß: Gerade wenn es eilig losgehen soll und die Strecke kurz ist, kommt es immer wieder vor: das Kind sitzt ungesichert auf dem Schoß des Beifahrers. Im Test repräsentierte der Dummy ein zwölf Monate altes Kind. Trotz der Airbagentfaltung prallte der Kinder-Dummy mit dem Brustkorb auf den Armaturenträger – auch die Arme der Mutter können es nicht zurückhalten. Das Urteil der Ärztin: "Ein solcher Unfall endet für ein Kind wahrscheinlich tödlich."
Gurte zu locker: Die Kinder werden häufig zu locker im Sitz gesichert. So können etwa dicke Jacken verhindern, dass der Gurt straff genug anliegt, um im Ernstfall richtig zu schützen. Im Test entsprachen die Dummy jeweils einem dreijährigen Kind in einem Kindersitz der Gruppe 1 und einem sechsjährigen Kind in einem Kindersitz der Gruppe 2/3. Ergebnis: Im ersten Fall würde der Kopf des Kindes gegen den Vordersitz prallen. Die Vorverlagerung des älteren Kindes bliebe indes im gesetzlichen Rahmen. Der Dummy steigt jedoch im Sitz auf und stößt mit dem Kopf an den Dachhimmel. In beiden Fällen wären bei einem realen Unfall ernsthafte Verletzungen die Folge.

Das Kind ist zu groß für den Sitz: Die Nackenkräfte sind doppelt so hoch wie normal. Die Folge ist eine Überstreckung der Halswirbelsäule.

Kind zu groß für den Sitz: Oft kommt es vor, dass ein Kind in einem Sitz transportiert wird, für das es eigentlich schon zu groß ist. Mit einem Dummy, der ein sechsjähriges Kind repräsentiert, das zu groß und zu schwer für einen Kindersitz der Gruppe 1 ist, wurde der Test durchgeführt. Beim Crash hält der Gurt den Dummy zwar relativ gut zurück, dennoch ist die Vorverlagerung enorm. Kopf und Beine des Kindes sind aufprallgefährdet. Zudem zeigt der Test eine stark erhöhte Belastung für den Nacken. Bei einem solchen Unfall würde eine Verletzung der Halswirbel drohen, im schlimmsten Fall zusätzlich ein Schädel-Hirn-Trauma.
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Kind zu klein für den Sitz: Im umgekehrten Fall repräsentiert der Dummy ein anderthalbjähriges Kind, das zu klein ist für einen Kindersitz der Gruppe 2/3. Beim Crash dreht sich der Dummy aus dem Gurtverlauf, es wird hauptsächlich vom Beckengurt im Sitz gehalten. Die Drehbewegung könnte im realen Fall bei einem Kind zu erheblichen Verletzungen führen.
Isofix nicht eingerastet: Ein nicht korrekt eingerasteter Isofix-Sitz kann schlimme Folgen haben. Im Test wird der Sitz zwar auch mit nur einem fixierten Rastarm annehmbar in Position gehalten. Deutlich zu erkennen ist jedoch eine Drehbewegung des Sitzes und des Kindes. Die Zugkräfte, die auf den Kopf wirken, sind extrem hoch, ebenso die vertikale Beschleunigung, die auf den Brustbereich einwirkt. Hierbei drohen schwere Halswirbelverletzungen.

Der Test mit offener Klemme: Das Szenario kann zu einem Oberschenkeltrauma und Kopfverletzungen führen.

Offene Gurtklemmen: Eine weitere Gefahr stellen offene Gurtklemmen des Kindersitzes dar. Im Test wurde der Gurt zwar durch die Führung gelegt, aber nicht verschlossen. Das Resultat: Der ganze Sitz bewegt sich samt Kind zu weit nach vorn. In dieser Situation besteht die Gefahr, dass der Kopf des Kindes an die Rückenlehne des Vordersitzes prallt.
Airbag nicht abgeschaltet: Das betrifft vor allem Babyschalen auf dem Beifahrersitz. Immer wieder vergessen Eltern, den Airbag zu deaktivieren. Das überraschende Ergebnis: Trotz der falschen Anwendung sind die Kräfte, die auf den Dummy einwirken, nicht übermäßig. Die Kopfbeschleunigung fällt zwar etwa ein Drittel höher aus als bei der korrekten Anwendung mit deaktiviertem Airbag, Nackenkräfte sogar noch heftiger, doch sie hätten nicht zu lebensgefährlichen Verletzungen geführt. Das glimpfliche Ergebnis darf jedoch nicht täuschen: Im Einzelfall könnte ein Crash dieser Art weitaus schlimmer ausgehen.

Kindersicherheit im Auto: Crashtest

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