VZ steht für veloz, auf Spanisch schnell. Und das sind die Cupra seit Beginn ihrer Karriere. 1996 klebt erstmals das Cupra-Logo auf einem Seat Ibiza. Man hatte damit schließlich gerade die Rallye-Weltmeisterschaft gewonnen. Sechs Jahre später wird auch der damals neue Leon sportisiert, es kommt sogar ein dicker 2,8-Liter-V6 mit Allrad zum Einsatz.
Machen wir es kurz, alle Generationen Ibiza und Leon durften auch Cupra sein und beherrschten nicht nur wegen des Preis-Leistungs-Verhältnisses die Vergleichstests in ihren Klassen.
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Anfang 2018 dann etwas Wirrwarr in der Szene, aus dem einstigen spanischen GTI-Pendant wird eine eigene Automarke, der Formentor das erste für die Marke entwickelte Auto. Und fortan gibt es nicht mehr nur einen Super-Cupra, sondern auch Varianten mit kleineren Motoren und Hybridantrieb. (Mehr Leistung für den Cupra Leon VZ von Abt)
Und mit dem E-Auto Born ist klar, der Fokus der sportlichen Seat-Tochter geht in Richtung Elektromobilität. Das merkt man auch daran, dass für so ein wichtiges Fan-Auto wie den Leon VZ gar nicht mehr groß Werbung gemacht wird.
Cupra Leon VZ
Aufgeräumt und sportlich. Schade aber, dass man nicht so mutig war, und einen echten Getriebewahlhebel anstatt des Knubbels verbaut hat.

Mehr noch: Auch optisch ist das Topmodell erst auf den zweiten (oder dritten) Blick an den vier Endrohren erkennbar. Dabei handelt es sich um nichts anderes als den Golf GTI Clubsport von Cupra. Der deutlich günstigere Spanier trägt die gleiche Technik in sich, hat vier Türen, ähnliches Gewicht – und Semislicks bietet man optional auch an. Ein Grund, den Leon VZ zu unserem Supertest einzuladen.

Cupra Leon VZ mit 300 PS und 400 Newtonmeter

Wenn nicht die 2200 Euro teure Mattlackierung wäre, könnte "2375 LND" optisch auch als 204 PS starker Plug-in-Hybrid durchgehen. Der trägt nämlich die gleichen Spoiler und Schürzen. Nur am Heck erkennt man die Unterschiede, der Hybrid hat angedeutete Endrohre, das 300-PS-Modell protzt mit echten Rohren und Diffusor. 19-Zöller sind beim VZ Serie, die gelochte Brembo-Bremse kostet 2400 Euro, das war es. Kräftiger kann man den Leon VZ nicht aufrüsten, der Rest ist serienmäßig an Bord.
Obwohl Cupra zum Beispiel beim Formentor VZ5 mit dem Audi-Fünfzylinder eigene Wege gegangen ist, gibt es beim Leon VZ antriebsseitig keine Überraschungen. Wie jeder kompakte Konzernsportler greift auch dieser Cupra zur aktuellsten Hochdruckvariante des bekannten Turbo-Vierzylinders namens EA888 evo4.
Cupra Leon VZ
Fahrwerk und Semislicks sind perfekt auf das Auto abgestimmt, kein Rad in der Luft, Linie pur.
1,984 Liter Arbeitsvolumen, im Vergleich zum Vorgänger neue Kraftstoff-Injektoren, 350 Bar Einspritzdruck sowie Verbesserungen im Hinblick auf die innere Reibung und die Akustik. Der Lader fällt im Vergleich zur normalen 245-PS-Version eine Nummer größer aus und pumpt mehr Ladedruck. Insgesamt stehen 300 PS und 400 Newtonmeter bereit. Unsere Insoric-Leistungsmessung attestiert ihm sogar 312 PS und 406 Nm.
Getriebe? Die schnellsten Cupra der letzten Jahre, der R oder der 290 PP, waren allesamt Handschalter. Das Thema hat sich bei Cupra aber nun auch erledigt. Die Neuen gibt es nur noch mit Automatikgetriebe, im Falle des Leon VZ mit dem aus dem Golf GTI bekannten Siebengang-Doppelkuppler. Es passt insgesamt aber recht gut zum Charakter des Leon, der eher effektiv als emotional motorisiert ist.

Kraft ist einfach da

Sein Ladedruck legt sich aalglatt und dauerpräsent übers Drehzahlband, bereits bei 2000 Touren erreicht er das Drehmomenthoch und zieht selbiges spielend bis nahe an die 6000er-Marke. Kraft ist einfach da, sie muss nicht groß geschaufelt werden; wenn überhaupt, so zögert der Motor allenfalls in unteren Lagen. Sie wissen schon: Das berühmte Turboloch, von dem mittlerweile jedoch kaum mehr übrig ist als ein leicht verschlafenes Ansprechverhalten. 
Um selbiges aufzuspüren, muss man allerdings schon hyperaktiv an den Schaltpaddeln zupfen. Die oberen Gänge des Doppelkupplers sind extrem lang und der Verbrauchssenkung geschuldet. Die Einzelübersetzungen fallen angenehm kurz aus, weshalb man sich eigentlich nie ins Tal der Drehzahl verirrt.
Cupra Leon VZ
Schade, Cupra! Ihr Spanier zeigt uns doch, dass ein VW auch anders aussehen kann. Warum habt ihr die Motorabdeckung vergessen? Beim nächsten Mal, bitte.

Womit wir schon direkt auf der Messgeraden des DEKRA-Testovals stehen. Alle Systeme sind in den Cupra-Mode versetzt, das ESP ist aus. Apropos: Anstatt wie beim Golf GTI in den Tiefen der Fahrzeugmenüs nach dem ESC zu suchen, braucht es hier nur einen Druck auf den präsenten Schleuderknopf vor dem Getriebewahlhebel. Gracias! Die Launch Control wird wie gewöhnlich per gleichzeitigem Druck auf Bremse und Vollgas aktiviert. Ein Extra-Display gibt das Go – und los.

5,4 Sekunden auf Tempo 100

Doch nix da, das Getriebe wird sich nicht einig, der Motor knickt ein, so geht das nicht. Die Zeiten liegen weit jenseits der Sechs-Sekunden-Marke. Machen wir was falsch? Nach fünf Versuchen probieren wir es, ohne das Gaspedal komplett durchzutreten, quasi nur bis zum Kickdown-Moment. Und siehe da, der Start funktioniert so, wie es sein soll.
4000 Touren Anfahrdrehzahl, beherztes Einkuppeln mit vollem Ladedruck, rutschfester Abstoß durch die warmen Semislicks und zum ersten Gangwechsel schließlich dieser charakteristische Tritt in den Hintern, der nur dann entsteht, wenn der gesamte Schwung des Motors in den nächsten Gang gepresst wird. In Zahlen: 5,4 Sekunden auf 100, 18,4 auf 200, deutlich fixer als die Werksangabe (5,7 s). Schneller war noch kein serienmäßiger Leon bei uns im Test. Und: Ein mit Semis bewaffneter aktueller Golf GTI Clubsport schafft nicht viel bessere Zeiten (5,4/17,6 s).
Cupra Leon VZ
Anstatt wie früher auf die Michelin Pilot Sport Cup 2 mit Porsche-Kennung zu setzen, gehen die Spanier beim Leon VZ mit Bridgestone neue Wege.

Genauso beeindruckend beschleunigt der Leon auch in Negativrichtung. Gut, seine 370er Brembo-Bremse flutscht fast schon zu locker unter der Sohle weg; doch hat man mit dem Alu-Pedal erst einmal das ABS auf den Plan gerufen, staucht der Spanier absolute Topwerte heraus. 31,2 Meter, besser bremste bisher nur der Golf 7 GTI Clubsport S (2016, 30,7 m).
Der Druckpunkt verzieht sich im Laufe der Messungen zwar immer weiter in Richtung Fußraum, die Verzögerung an sich lässt dabei jedoch kein bisschen nach.
Der Kern der Cupra’schen Fahrphilosophie bleibt auch in vierter Generation gewahrt. Denn der Viertürer versteht sich nach wie vor als legeres Kurvenkaliber. Die aktive Quersperre und die speziell für den Leon abgestimmte Progressivlenkung arbeiten sogar – hört, hört– etwas agiler als im aktuellen Golf GTI Clubsport.

Leon kann auch brav

Enge Spitzkehre, weiter Bogen, fieser Abzweig oder hängende Doppellinks-Kurve – egal was man ihm vorsetzt, der Leon VZ eilt derart beiläufig hindurch, dass selbst semibegabte Hobby-Racer den Eindruck bekommen, sie könnten sich am kleinen Finger entlang der Grenzen der Physik hangeln und direkt eine Rennlizenz bestellen.
Doch keine Angst, dieser Leon kann auch brav. Im Comfort-Fahrmodus ist er ein recht umgänglicher Begleiter fürs tägliche Büro-Hopping, den Einkauf mit der Familie oder sogar den Kurzurlaub. Die Kopffreiheit reicht locker bis zwei Meter Körperlänge, die neuartige, vom Golf übernommene Bedienung ist aber ähnlich rätselhaft, langsam und umständlich.
Das Adaptivfahrwerk dämpft trotz seiner straffen Kennung relativ aufmerksam, kurze Stöße rammen herbe ins Kreuz, was aber die angenehm konturierten Sportsitze abfangen.
Cupra Leon VZ
Die 2200 Euro teure Mattlackierung hätte der Leon VZ exklusiv haben müssen. Dann würde er sich besser von den anderen Cupra-Leon-Modellen unterscheiden.

Kommen wir zur alles entscheidenden Runde auf dem Sachsenring. Den direkten Vergleich zum GTI Clubsport können wir nicht ziehen, das Auto wurde bisher nur auf dem Lausitzring getestet. Daher muss der Leon Cupra R von 2018 herhalten, lange der schnellste Fronttriebler auf dem Ring. Ein Gewächs von Ex-Audi-Sport-Chef Hollerweger mit allem Drum und Dran.
Mechanische Differenzialsperre, große Audi-Bremse, Cup-Reifen und, und, und … Das Krasseste, was wir bis dato von Seat gefahren haben. 1:37,63 Minuten, eine Mega-Zeit, schon damals. Nur eine Zehntel langsamer als der neue Allrad-Golf-R. Rein über Theorie und Daten wird das wohl heute nichts mit einem neuen Cupra-Rekord. Doch abwarten, vielleicht gibt es eine Überraschung.
Kurze Aufwärmrunde für die Bridgestone Potenza Race, Luftdruck rundum auf 2,2 Bar runter – und ab geht’s.

Überraschung gelingt

Spontaner Einlenkreflex, griffige Seitenführung, viel Traktion, die Vorderachse beißt entschlossen, das Heck schwänzelt minimal, während sanfte, kaum wahrnehmbare Bremsimpulse an der kurveninneren Seite den Kurs halten. So kennen wir den Leon: schnell, unterhalt- sam, unkapriziös. Neu ist hingegen der große Entertainer. Und das geht so: Kein Anpendeln mit Überschuss; einfach flotter anlenken, und das Heck dreht sich wie von selbst zurecht.
Das konnten der Leon Cupra R und der aktuelle GTI Clubsport zwar auch. Doch dieser Leon VZ macht diesen fixen Spaß noch etwas besser. Der Mix aus Agilität und Stabilität und vor allem die Präzision, mit der der Cupra seine Kurven zirkelt – besser geht’s in dieser Klasse derzeit nicht.
Die Überraschung ist dem Spanier gelungen. Dieser optisch unspektakuläre Leon VZ brennt beachtliche 1:37,59 Minuten in den Sachsenring-Asphalt. Vier Hundertstel schneller als der Vorgänger Seat Leon Cupra R und nur ein My von Kalibern wie Golf R und Mégane RS Trophy R entfernt.

Technische Daten und Preis: Cupra Leon VZ

Motorbauart: R4
Aufladung: Turbo
Einbaulage: vorn quer
Ventile/Nockenwellen: 4 pro Zylinder/4
Hubraum: 1984 cm³
kW (PS) b. 1/min: 221 (300)/5300-6500
Literleistung: 151 PS/l
Nm b. 1/min: 400/2000-5200
Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplung
Antriebsart: Vorderrad
Bremsen vorn: 370 mm innenbelüftet
Bremsen hinten: 300 mm
Bremsscheibenmaterial: Stahl
Radgröße vorn – hinten: 8,0 x 19"
Reifengröße vorn – hinten: 235/35 R 19
Reifentyp: Bridgestone Potenza Race
Maße L/B/H: 4398/1799-1997*/1442 mm
Radstand: 2683 mm
Tank-/Kofferraumvolumen: 50/380-1301 l
Normverbrauch • CO2: 7,8 l/100 km • 177 g/km
Abgasnorm: Euro 6 AP
Basispreis: 41.290 Euro
Testwagenpreis: 45.570 Euro

Fazit

Ich ziehe den Hut, Pardon, Helm vor diesem Cupra Leon VZ. Weil er so schnell und fahrspaßig ist wie manch stärkerer Kompakter – und weil er trotz gleicher Technik einen Tick agiler fährt als der VW Golf GTI CS.